Projekt Desertec

Solaranlage in der Wüste

Solarenergie

Projekt Desertec

Von Philip Häusser, Alfried Schmitz und Ute Goerke

Das Projekt Desertec verfolgte einen ehrgeizigen Plan: In Wüstengebieten mit hoher  Sonneneinstrahlung sollten Solarkraftwerke gebaut werden, die dann ganz Europa mit Wüstenstrom versorgen sollten. Doch das visionäre Projekt scheiterte. Nur in kleinem Umfang wird die Idee noch in einigen nordafrikanischen Staaten für die Eigenversorgung weiter verfolgt.

Die ursprüngliche Idee stammte vom inzwischen verstorbenen Solarpionier Dr. Gerhard Knies. Ziel des Projektes war es, die Kraft der Sonne in der Wüste intensiv zu nutzen. Schließlich ist die Sonneneinstrahlung dort erheblich höher als in Deutschland, was Wüstengebiete zu idealen Standorten für Solarkraftwerke machen würde.

Im Plan von 2003 war vorgesehen, den in Nordafrika erzeugten Solarstrom über lange Stromleitungen nach Europa zu führen. Solarkraftwerke auf einer Fläche von 500 mal 500 Kilometern würden ausreichen, um den Energiebedarf für ganz Europa zu decken, rechnete Desertec damals vor.

Doch 2014 war das Projekt gescheitert – aus technischen und finanziellen, aber auch aus energiepolitischen Gründen. Die Kosten für die Stromleitungen von Nordafrika bis nach Europa wären immens gewesen. Es fehlte in der Wüste an Wasser zum Reinigen der Solarpanels und für den Betrieb der Turbinen. Und Kritiker befürchteten, die Bevölkerung vor Ort könnte von den Planungen und dem Ökostrom ausgeschlossen werden.

Zudem bestanden auch Bedenken, dass eine unerwünschte Abhängigkeit Europas von nordafrikanischen Ländern geschaffen werde.

Sonne und Wolken

Die Sonne garantiert eine kontinuierliche Stromversorgung

Dennoch hat die Idee von nachhaltiger Stromgewinnung in der Wüste zahlreiche Vorteile. Im Gegensatz zu fossilen Rohstoffen wie Erdöl oder Kohle ist die Solarenergie nahezu unbegrenzt verfügbar und ihre Nutzung klimaschonend. So wird Strom mit Hilfe von Sonne und Wind heute in Nordafrika erzeugt: Seit 2016 sind große Solarparks in der marokkanischen Wüste in Betrieb.

In Marokko sollen bis 2030 mehr als 50 Prozent des Energiebedarfs mit Strom aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. Gerade Marokko hat keine fossilen Energievorkommen und musste bislang über 90 Prozent der fossilen Brennstoffe importieren.

Auch in Ägypten, Abu Dhabi, Saudi-Arabien, Tunesien und Algerien wird erneuerbarer Strom erzeugt. So soll in Saudi-Arabien bis 2030 die größte Solaranlage der Welt entstehen.

Ein solarthermisches Kraftwerk in der Mojave-Wüste in Kalifornien

Solarthermisches Kraftwerk in der Mojave-Wüste in Kalifornien

SWR/WDR | Stand: 18.02.2020, 14:40

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