Solardachkataster

Einfamilienhaus mit Solarzellen

Solarenergie

Solardachkataster

Für viele Hausbesitzer könnte es sich lohnen, Solaranlagen auf ihren Dächern zu installieren. Nahezu jedes fünfte Dach in Deutschland ist prinzipiell geeignet, trotz der geringeren Sonneneinstrahlung im Vergleich zu den Ländern in Südeuropa.

Vom Weinberg zum Hausdach

Professor Martina Klärle ist Geoinformatikerin an der Fachhochschule Frankfurt. Und sie ist Solarfan. Schon früh ließ sie sich selbst eine Solaranlage auf ihrem Hausdach installieren.

Als sie dann den Weinberg ihres Vaters untersuchte und noch andere geeignete Anbaugebiete kartierte, kam ihr eine Idee: Nicht nur die Eignung von Flächen für den Weinanbau könnte man kartieren, sondern auch die Eignung von Dächern für Solaranlagen.

Seitdem kartiert und prüft Martina Klärle Deutschlands Dächer auf Solartauglichkeit. Die Ergebnisse können in etlichen Städten und Gemeinden mittlerweile in einem sogenannten Solardachkataster eingesehen werden.

Theoretisch sind nach den bisherigen Untersuchungen rund 20 Prozent aller Dächer gut geeignet für Solaranlagen. Wenn diese Flächen genutzt würden, könnte ein beachtlicher Teil des privaten Strombedarfs dezentral durch Sonnenenergie gedeckt werden.

Die Kartierung

Martina Klärle stellte ein Team aus Geoinformatikern, Ingenieuren und Geografen zusammen. Mit einem speziell ausgerüsteten Flugzeug, ausgestattet mit 3D-Kamera und GPS (Global Positioning System), überflogen sie ganze Städte und sammelten Daten.

Daraus erstellte Martina Klärle ein Relief der Stadt und berechnete für die einzelnen Dächer, welche Neigung sie besitzen, wie sie zur Sonne ausgerichtet sind, wie viel Sonnenlicht im Laufe eines Jahres ankommt und ob eventuell Schatten von Nachbarhäusern oder Bäumen auf die jeweiligen Dächer fallen. Daten der Wetterdienste ergänzten die Berechnungen.

Das eigene Dach – nur einen Klick entfernt

Rund 1000 Gemeinden in Deutschland sind inzwischen kartiert. Auf der Internetseite von Klärles Projekt kann sich nun jeder die bereits erstellten Kataster ansehen. Hausdach-genau und kostenlos. Für jedes Dach wird angezeigt, ob es sich prinzipiell für eine Solaranlage eignet und wenn ja, für welche: Solarthermie oder Photovoltaik.

Außerdem kann eine individuelle Berechnung von Bedarf und Ertrag durchgeführt werden: Wie teuer wird’s, was bringt’s, wie viel CO2 kann ich sparen, wie viel Strom lässt sich so produzieren?

Wenn ein Dach gut geeignet ist, lohnt es sich heute durchaus, eine Solaranlage zu installieren. Zumal sich die Wirkungsgrade heutiger Anlage ständig verbessern. Kaum eine andere Investition bringt eine höhere Rendite ein, so Martina Klärle.

Solaranlage vor blauem Himmel.

Eine Photovoltaikanlage besteht aus vielen miteinander verkoppelten Solarzellen

Flächendeckende Solardachkataster

Die Vision von Martina Klärle ist es, ganz Deutschland zu kartieren. Immer mehr Gemeinden entscheiden sich dazu, eine Kartierung in Auftrag zu geben. Denn nur so können Städte und Gemeinden am besten ausfindig machen, welches solare Potenzial in noch ungenutzten Flächen steckt.

Öffentliche Flächen könnten besser genutzt und Investitionen gezielt getätigt werden. Denn ökonomisch rechnet sich eine Solaranlage oft schon nach etwa zehn Jahren. Ökologisch bereits nach einem Jahr, so Klärle.

Autor: Philip Häusser

Stand: 14.05.2018, 15:00

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