Solar Impulse

Zu Besuch bei Bertrand Piccard 03:36 Min. Verfügbar bis 30.12.2099

Solarenergie

Solar Impulse

Von Philip Häusser/Alfried Schmitz/Lothar Nickels

Der Schweizer Bertrand Piccard ist ein echter Abenteurer und Visionär. Im Juli 2016 zeigte er gemeinsam mit André Borschberg, dass die Weltumrundung auch mit einem Solarflugzeug möglich ist.

Der solare Impuls

Schon der Name des Projekts "Solar Impulse" deutet an, wie vielseitig die Zielsetzungen von Piccard und seinen Mitstreitern sind: Es geht nicht nur um den Beweis, dass man die Welt mit einem Solarflugzeug ohne jeglichen Treibstoff umrunden kann. Vielmehr will Piccard auf das Potenzial aufmerksam machen, das in der Solarenergie steckt.

Das Voranbringen und die Entwicklung neuer Ansätze und Technologien liegt ihm am Herzen. Denn Piccard hält unseren Umgang mit fossilen Brennstoffen und den massenhaften Verbrauch für unverantwortlich.

Mit seiner mehr als 40.000 Kilometer langen Reise hat er jetzt gezeigt, wie leistungsfähig Sonnenkraft sein kann. Damit möchte er andere Entwickler und Ingenieure inspirieren, in Zukunft verstärkt auf solartechnologische Lösungen zu setzen.

"Wenn ein Flugzeug Tag und Nacht nur mit Solarenergie und ohne Treibstoff fliegen kann, kann niemand mehr behaupten, dass solche Lösungen nicht auch für Autos, Heizungen, Klimaanlagen oder Computer möglich sind", sagt Piccard.

Sonnenuntergang über dem Meer

Die Sonne liefert Piccard die Kraft für sein Flugzeug

Das Fluggerät

Eigens für das Projekt wurde ein rekordverdächtiges Solarflugzeug gebaut. Es hat eine Spannweite von 72 Metern – ähnlich wie ein Airbus A 380. Im Gegensatz dazu wiegt der Karbonfaserflieger aber nur 2300 Kilogramm und reagiert entsprechend empfindlich bei Turbulenzen. Seine Tragflächen sind komplett mit Solarzellen bestückt, mehr als 17.000 Stück wurden verbaut. Sie versorgen vier Propeller mit Energie und laden gleichzeitig Akkus für den Nachtflug auf.

Denn bei der Erdumrundung musste der Solarflieger auch nachts fliegen können, wenn natürlich keine Sonne scheint. Die maximale Geschwindigkeit lag zwischen 50 und 100 Kilometern pro Stunde. Am Tag war der Flieger in einer Höhe von bis zu zwölf Kilometern unterwegs.

In der Nacht wurde in einen energiesparenden Gleitflug gewechselt und die Flughöhe konnte nach und nach bis auf etwa drei Kilometer Höhe abgesenkt werden. Dank der tagsüber aufgeladenen Akkus war auch nachts volle Flugtauglichkeit garantiert.

Auf jedem Kontinent wurde ein Zwischenstopp eingeplant. Die Erdumrundung sollte 20 Tage in Anspruch nehmen. Für Piccard und seinen Partner André Borschberg bedeutete das, bis zu vier Tage und Nächte nonstop zu fliegen, ohne einzuschlafen. Eine Herausforderung für Mensch und Technik. Mit Yoga und Entspannungsübungen wollten die Piloten unterwegs ihre Leistungsfähigkeit aufrecht erhalten.

Sollten sie doch einmal einschlafen, würde eine spezielle Kleidung mit integrierten Sensoren die Piloten warnen und notfalls wachrütteln. Drohte der Pilot einzuschlafen, würden die Sensoren das über elektrische Signale des Körpers erfassen und einen Vibrationsalarm auslösen. Schon allein diese technische Entwicklung könnte Anwendung in vielen anderen Bereichen finden, hofften die Erfinder.

Das Solarflugzeug

Der Plan: Mit dem Solarflieger einmal rund um die Erde

Die Route

Ursprünglich waren für die Erdumrundung 20 Tage geplant. Letztendlich wurden daraus etwa 16 Monate.

Am 9. März 2015 starteten Bertrand Piccard und André Borschberg in Abu Dhabi. Die Flugroute führte zunächst von Indien über China und Japan nach Hawaii.

Nach dieser achten Etappe war erstmal Schluss mit dem Traum vom reinen Solar-Fliegen. Die Batterien hatten sich bei dem 120 Stunden langen Flug überhitzt und mussten ausgetauscht werden. Insgesamt vergingen neun Monate, bis alle notwendigen Reparaturen und Tests erledigt waren. Im April 2016 erreichte der Sonnenflieger dann endlich San Francisco.

Für die Überquerung des nordamerikanischen Kontinents benötigten Piccard und Borschberg fünf weitere Flugetappen. Danach galt es, den Atlantik zu überfliegen. Am 20. Juni 2016 hob Piccard in New York ab und brauchte 71 Stunden, bis er das spanische Sevilla erreichte. Von dort bis nach Kairo saß wieder Borschberg am Steuerknüppel.

Wegen Krankheit und schlechten Wetters verzögerte sich der Weiterflug bis zum 23. Juli 2016. Und schließlich war es Piccard, dem die Ehre zuteil wurde, die letzte von insgesamt 17 Flugetappen zu bestreiten.

Am 26. Juli 2016 landete er den sonnenbetriebenen Einsitzer wieder sanft und elegant in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Dort, wo sie vor mehr als einem Jahr losgeflogen waren – ohne zu wissen, ob ihre Mission erfolgreich sein würde.

Die Umstände

Dass allerhand Strapazen auf sie zukommen würden, war den beiden Piloten schon im Vorfeld klar. Nicht zuletzt, weil ihre Maschine keinerlei Komfort bietet, weder Heizung noch Druckausgleich. Und weil es sich um einen Einsitzer handelt, konnte auch immer nur einer an Bord des winzigen Cockpits sein. Der andere legte den zu absolvierenden Teilabschnitt in einem Linienflugzeug zurück.

Für den jeweiligen Solarflugzeug-Piloten bedeutete das, bis zu vier Tage und Nächte nonstop zu fliegen, ohne einzuschlafen. Lediglich kurze Power-Nappings von etwa 20 Minuten waren ihnen gestattet. Zumindest wenn sie die Ruhe dafür fanden.

Was nicht immer ganz so einfach war, wie Borschberg erzählt: "Es war so, als würdest du dich im Dschungel hinlegen: Du schließt die Augen, und auf einmal hörst du all diese Geräusche. Du stellst dir vor, dass ein Tiger dich anspringt, dass eine Schlange dich beißt. Genau so ging es mir. Ich hörte plötzlich so viel und dachte: Dreht sich dieser Motor noch richtig? Habe ich gerade einen Teil des Flugzeugrumpfs verloren? Anstatt einzuschlafen, war ich voll da."

Stand: 02.06.2017, 13:00

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