Untertage arbeiten

Bergleute in der Kaue

Steinkohle

Untertage arbeiten

Dunkel, heiß und dreckig – aber auch frei, gerecht und kameradschaftlich. So beschreiben viele Bergleute die harte Arbeit untertage. Sechs Tage in der Woche, sechs bis acht Stunden am Tag Lärm und Kohlestaub. Ein Kampf in tausend Metern Tiefe.

Darum geht's:

  • In Schwarz- und Weißkaue bereiten sich die Arbeiter vor.
  • Heute sind die Bergwerke in 1000 Metern Tiefe viel sicherer.
  • Mit unterirdischen Zügen fahren die Bergleute zum Arbeitsplatz.
  • Grobe Maschinen schlagen die Kohle aus dem Fels.
  • Grubenpferde verbrachten oft ihr ganzes Leben untertage.
  • Bis zu 6000 Kilogramm Kohle fördert ein Bergmann pro Tag.

Der schwarze Arbeitstag beginnt

In einer riesigen Halle vor dem Förderschacht beginnt um sechs Uhr morgens die Frühschicht. Die Bergleute hängen ihre Alltagskleidung, Hosen, Wäsche, Hemden und Schuhe in der Weißkaue an einen Haken, der an einer Kette unter die Hallendecke gezogen wird. Nur dort ist die Kleidung sicher vor dem schmierigen Kohlenstaub.

Nackt, nur mit Schlappen bekleidet, gehen die Bergleute dann in die Schwarzkaue. Hier ziehen sie ihre weißen Bergmannshosen und Jacken aus dickem Leinen über, dazu einen Helm und eine Grubenlampe. Ausgerüstet für die schwarze Tiefe laufen sie zum Schacht. Ein harter Arbeitstag beginnt.

In einer Minute in tausend Meter Tiefe

Etwa hundert Arbeiter passen in den eisernen Förderkorb, der meist drei Etagen zählt und in die Tiefe rast. Während der Fahrt ist es still. Die Bergleute hören nur das Anknipsen der Grubenlampen und das Rasseln des Gitters, spüren leichten Fahrtwind und Druck auf den Ohren.

In rund 800 Metern Tiefe hält der Korb sanft an. Wo heute der Förderkorb abwärts rast, ließen sich die Bergleute noch im 19. Jahrhundert mit Seilen herunter.

Heute hält der Korb in einem hellen, tunnelartigen modernen Raum, der einer U-Bahn-Station ähnelt. Die Wände sind wegen des hohen Gesteinsdrucks mit Stahlbögen und Betonplatten gesichert. Noch in den 1960er Jahren kamen die Bergleute direkt in der niedrigen, tiefschwarzen Grube an.

Heute sind die Wände ausgekleidet, es gibt Treppen und Eisenbahnschienen. Im Füllort, so heißt dieser Teil der Bergwerks, werden sowohl die Menschen als auch die Kohle umgeladen und an ihren Bestimmungsort gebracht.

Bergleute verlassen einen Förderkorb.

Bergleute verlassen einen Förderkorb

Die Bergleute fahren in Zügen zum Arbeitsplatz

Kleine Züge bringen vom Füllort aus Bergleute, Maschinen und Werkzeuge durch rund sieben Meter breite Tunnel zu den oft kilometerweit entfernten Arbeitsplätzen. Früher mussten die Männer zu Fuß laufen. An der Strecke sind immer wieder große Behälter mit Wasser zu sehen.

Falls es zu einer Gas- oder Kohlestaubexplosion kommen sollte, werden sie durch den Druck umgeworfen und versprühen Wasserschleier. Eine Station "vor Ort" – dort wo die Kohle abgebaut wird, wird die Luft dünner und schwüler.

Von hier aus geht es noch einmal in den Förderkorb auf die tiefste Sohle zum Kohlestreb. Die massigen Gesteinsschichten drücken schwer auf die bereits ausgebaggerten Hohlräume. Früher wurden sie mit Holz abgestützt, heute mit Beton.

Mann steht an einer Lore

Loren als Transportmittel

Immer tiefer in die Dunkelheit

Die letzte Fahrt mit dem Förderkorb geht vor Ort. Das ist die letzte Station der Bergleute auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz. Noch im 18. Jahrhundert wurde die Kohle eimerweise nach oben geschleppt, später an Seilen hochgezogen.

Heute wird sie mechanisch abgebaut. Dabei graben sich riesige spitze Zahnräder bis zu 80 Zentimeter tief in die schwarze Kohle und brechen tonnenschwere Stücke aus den Wänden.

Düsen spritzen Wasser auf den aufgewirbelten Staub. Mit einem Hobel zerschlagen die Bergleute die dicken Kohle-Brocken. Maschinen legen die Kohle mit langen Greifarmen auf die Förderbänder.

Früher nahm man Spitzhacken, um die Kohle aus den Flözen zu trennen. Im 19. Jahrhundert wurde sie sogar noch mit den Händen ausgegraben und mit Handkarren weggeschafft.

Grubenpferde – ein Leben im Dunkeln

Grubenpferde wurden erstmals 1850 untertage eingesetzt. Anfangs wurden die schweren Tiere mit einfachen Förderkörben nach unten transportiert – später blieben sie ein Leben lang, also bis zu zwölf Jahre, ohne natürliches Licht unter Tage.

Viele Tiere verletzten sich während der schweren Arbeit, bekamen Krankheiten oder erblindeten. Zum Schutz der Tiere hing in jedem Stollen eine Grubenpferde-Verordnung. Wer mit den Tieren nicht anständig umging, wurde gekündigt. Heute ersetzen kleine elektrische Wagen auf Schienen die Tiere.

Hauer mit Grubenpferd unter Tage.

Ein Hauer mit Grubenpferd unter Tage auf der Zeche Zollern II//V in Dortmund

Schicht im Schacht

Nach rund sechs Stunden vor Ort ist die Frühschicht mittags vorüber und die nächste Schicht beginnt. Die erschöpften Männer fahren, bedeckt mit schwarzem, schmierigem Steinkohlestaub, wieder quer durch das Bergwerk zurück übertage.

An der Hängebank steigen sie aus den Förderkörben. Ein harter und dunkler Arbeitstag ist zu Ende. In den modernen Bergwerken fördert ein einziger Bergmann heute pro Arbeitstag rund 6000 Kilogramm Kohle – fast zehnmal so viel wie noch vor 50 Jahren.

Zwei Hauer beim Kohleabbau.

Zwei Hauer beim Kohleabbau vor Ort

Autorin: Claudia Kracht

Stand: 04.08.2017, 13:00

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