Sechs Fragen zu Design Thinking

Eine Gruppe von Menschen sitzen in einem Büro mit Konfetti.

Erfinder

Sechs Fragen zu Design Thinking

Aus Kalifornien stammt eine neue Kreativitätstechnik: Design-Thinking. Sie geht mit mehr Struktur und Zielorientierung ans Werk als Brainstorming und verspricht neue Wege der Problemlösung.

1. Wie kommt es zum Begriff Design Thinking?

Der Begriff erscheint zunächst sperrig: Wer ihn liest, denkt erst einmal an Produktdesign und nicht an eine Kreativitätstechnik. Das liegt daran, dass sich der deutsche Begriff "Design" vom englischen unterscheidet. Während sich im Deutschen "Design" lediglich auf das Aussehen bezieht, meint das Wort im Englischen auch Funktion und Wirkung von Dingen und Prozessen.

2. Woher stammt die Methode Design Thinking?

Die Methode Design Thinking stammt aus den USA und geht auf die drei Professoren Terry Winograd, Larry Leifer und David Kelley von der Stanford University in Kalifornien zurück. Sie hatten in den 1990er Jahren die Idee, eine Innovationsmethode, die ursprünglich für das Design von Produkten und Dienstleitungen entwickelt wurde, für kreative Prozesse zu nutzen.

Der Grundgedanke dabei ist, dass sich eigentlich alle Bereiche des Lebens gestalten, also designen lassen. So wie Produkte nur dann gut entworfen sind, wenn sie sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren, so sind auch Konzepte nur wirklich tragfähig, wenn sie die Probleme von Menschen auch tatsächlich lösen.

Da aber die meisten Fragestellungen komplex und verworren sind, – so die Grundannahme – kann nur ein zielgerichteter kreativer Prozess eine passende Lösung bringen.

3. Wie funktioniert Design Thinking?

Gruppen, die in der Regel aus verschiedenen Disziplinen, Abteilungen und Hierarchieebenen bestehen, erarbeiten Lösungen für Probleme und Herausforderungen.

Das passiert nach einem bestimmten Schema: Zu Beginn geht es darum, die Bedürfnisse der Zielgruppe zu beobachten und zu verstehen. Erst aus diesen Einsichten heraus erfolgt die Suche nach Ideen.

In der nächsten Phase entwerfen die Teilnehmer sogenannte Prototypen. Dabei werden Modelle für Lösungen skizziert und anschließend auf ihre Tragfähigkeit getestet. Ist dieser Prozess einmal durchlaufen, wird er ausgewertet und danach meistens noch einmal wiederholt.

Im Vordergrund steht das Experimentieren und spielerische Entwickeln. Nach und nach soll so ein immer besseres Verständnis für das Problem und seine möglichen Lösungen entstehen.

4. Was unterscheidet Design Thinking von Brainstorming?

Brainstorming ist eine der ältesten Kreativtechniken, die 1939 vom US-amerikanischen Werbefachmann Alex F. Osborn entwickelt wurde. Beim Brainstorming sucht eine Gruppe in einer begrenzten Zeit nach sämtlichen denkbaren Ideen. So werden schneller Ideen geäußert als beim Design Thinking.

Einige Regeln des Brainstormings gelten auch für das Design Thinking, zum Beispiel das Verbot von Kritik an den geäußerten Ideen und die Suche nach möglichst ungewöhnlichen Ideen.

Aber der Prozess ist beim Brainstorming weniger durchstrukturiert als beim Design Thinking. Zwar werden die Ideen auch beim Brainstorming ausgewertet, aber das beim Design Thinking vorgeschaltete Beobachten und Verstehen der Bedürfnisse der Zielgruppe gehört nicht zum Prozess – ebenso wenig wie das Weiterentwickeln der Ideen zu Prototypen und das anschließende Testen.

5. Wer setzt Design Thinking ein?

Unternehmen wie die Deutsche Bank, Volkswagen, Deutsche Bahn oder Siemens nutzen Design-Thinking, um Produkte weiter zu entwickeln oder innerbetriebliche Prozesse voran zu treiben.

Der Geschäftsführer des Zoos in Hannover, Klaus-Michael Machens, setzte schon 1995 die Design-Thinking-Methode ein, als er den Zoo aus der wirtschaftlichen Krise führen wollte. Das daraus neu entwickelte Konzept des Erlebniszoos bescherte dem Tiergarten ein Vielfaches an Einnahmen.

6. Wo lässt sich Design Thinking lernen?

In den USA hat Gründer David Kelly die Verbreitung Methode durch die Gründung der Innovationsberatung IDEO vorangetrieben. Bei IDEO arbeiten Designer, Unternehmer, Ingenieure und Wissenschaftler zusammen. Sie entwickelten unter anderem die erste Apple-Mouse.

Die erste Schule für Design Thinking wurde in Stanford gegründet, kurz d.school. Sie will Studierende aller Fachrichtungen zu mehr Kreativität anregen. In enger Abstimmung mit Stanford entstand 2007 am Hasso Plattner Institut in Potsdam die erst deutsche HPI School of Design Thinking, kurz HPI D-School.

Auch einige deutsche Universitäten lehren Design Thinking, zum Beispiel die Hochschule für Medien und Kommunikation in München und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Autorin: Angelika Wörthmüller

Stand: 11.12.2017, 09:46

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