Besondere Flughäfen

Straße vor dem Haupteingang des Flughafens in Hongkong. Riesige, muschelförmige Dächer überspannen die Straße

Flughäfen

Besondere Flughäfen

  • 1948 müssen Millionen Westberliner aus der Luft mit Lebensmitteln versorgt werden
  • In Japan errichtet der italienische Architekt Renzo Piano einen Flughafen mitten im Meer
  • Manche Flughäfen haben spektakuläre Start- und Landebahnen
  • Beispiel Startbahn West: Nicht immer sind Anwohner mit dem Ausbau von Flughäfen einverstanden

Flughäfen haben sich, genauso wie das Fliegen, rasant entwickelt. Während am Anfang des 20. Jahrhunderts Flugversuche noch kläglich scheiterten, schleust der größte Flughafen der Welt in Atlanta heute über 90 Millionen Passagiere jährlich durch seine Terminals.

Eindrucksvollste Geschichte: "Luftbrücke" in Berlin Tempelhof

24. Juni 1948: Die sowjetische Besatzungsmacht riegelt alle Landwege nach Westberlin ab. Aus Angst, die Berliner Bevölkerung verhungere, starten die Amerikaner das "Unternehmen Luftbrücke": 1500 Tonnen Lebensmittel müssen täglich nach Berlin geschafft werden.

Die Flughäfen Berlin Tempelhof, Tegel und Gatow werden angeflogen. In Spitzenzeiten starten und landen alle 90 Sekunden Flugzeuge.

Berlin Tempelhof, der Hauptflughafen der Luftbrücke, ist mehr als ausgelastet. Tag und Nacht schleppen und schaufeln die Berliner: Aus Kriegstrümmern aus den Stadtteilen Tempelhof und Neukölln entsteht eine neue Landebahn.

Die Blockade dauert ein Jahr. Flugzeuge fliegen mehr als 200.000 Mal nach Berlin. Sie schaffen knapp eineinhalb Millionen Tonnen Versorgungsgüter zur Bevölkerung. 76 Menschen sterben beim "Unternehmen Luftbrücke" bei Unfällen.

Die Schwarz-Weißfotografie zeigt einen sogenannten Rosinenbomber nach dem Zweiten Weltkrieg in Berlin, der von einer Menschenmenge erwartet wird.

Landung einer US-Militärmaschine in Berlin

Eigenwilligste Konstruktion: erdbebensicher auf einer künstlichen Insel

Japan platzt aus allen Nähten. Deswegen liegt der New Kansai International Airport auf einer künstlichen Insel. Der italienische Architekt Renzo Piano hat ein Werk konstruiert, das bis heute seinesgleichen sucht: Auf dem Meeresgrund bauen die Japaner ein rechteckiges Fundament, eine Art Kasten.

Sie tragen auf dem Festland ganze Hügelketten ab und schütten sie hinein. Renzo Piano hatte ausgerechnet, dass der voll gesogene Untergrund unter dem Flughafen mit der Zeit absacken würde: in 30 Jahren ungefähr neun Meter. Das heißt, die Insel musste weit über Meeresniveau
aufgeschüttet werden.

1994 wird der Kansai International Airport eröffnet. Die Insel ist 2,5 Kilometer breit und vier Kilometer lang. Das Terminal, eineinhalb Kilometer lang, wird von 900 hydraulischen Säulen gehalten. Spezialtrupps passen die Säulenhöhe ständig an die Lage der Insel an. Und tatsächlich: das Terminal hält problemlos stand, wenn die Insel absackt oder die Erde bebt.

Aufregendster Anflug der Welt – zwischen den Hochhäusern von Hongkong

Kai Tak hat Geschichte geschrieben als spektakulärster Flughafen der Welt. Jeder Pilot musste eine Spezialausbildung absolviert haben, um in der Bucht aus Hochhäusern mitten in Hongkong landen zu dürfen. Viele Flugbegeisterte kamen in die Stadt, um den atemberaubenden Landeanflug selbst zu erleben und zu beobachten.

Die Piloten, oft in Großraumfrachtern, flogen im Landeanflug geradewegs auf ein Hochhaus zu. Dort sahen sie zur Orientierung eine rotweiße Markierung – das Checkerboard. Kurz vorher flogen sie eine scharfe Rechtskurve um 90 Grad, und landeten, mal schlingernd, mal gerade, auf der Landebahn.

Trotz der schwierigen Landebedingungen gab es kaum Unfälle. Jeder Pilot wusste, wie gefährlich der Anflug war und flog deshalb besonders vorsichtig.

1998 ist der alte Stadtflughafen Kai Tak geschlossen worden. Der neue, wesentlich weniger aufregende aber modernere Mammut-Flughafen Chek Lap Kok öffnete seine Tore.

Flugzeug, das an Hochhäusern vorbeifliegt

Mitten durch Hongkong

Als ein Nachfolger in der Rangliste der spektakulären Anflüge gilt heute der Inlands-Flughafen Santos Dumont in Rio de Janeiro. Dort fliegen die Piloten in einer Steilkurve um einen Berg, den Zuckerhut. Setzen die Räder auf der Landebahn auf, müssen die Piloten stark bremsen – sonst würde das Flugzeug bei der knapp eineinhalb Kilometer langen Landebahn im Wasser landen.

Erster deutscher Billigflughafen – Frankfurt-Hahn

Von 1950 bis in die 1990er Jahre diente der Flughafen Hahn der amerikanischen Armee als Militärstützpunkt. Der Name Hahn kommt von den Amerikanern, weil sie den Namen der angrenzenden Gemeinde besser aussprechen konnten als den eigentlichen Ortsnamen Lautzenhausen.

Der Billigflieger Ryanair hat sich massiv für den Namen Frankfurt-Hahn eingesetzt – obwohl Frankfurt am Main 100 Kilometer entfernt liegt. Der Grund liegt nahe: Mit dem Namen der Metropole und Flughafenstadt Frankfurt lassen sich Flüge besser verkaufen.

Als das amerikanische Militär seine Air-Base an eine zivile Verwaltung übergab, startete im Jahr 1993 der erste zivile Flieger aus dem Provinznest nach Mallorca. 1999 warf Ryanair, die erste europäische Billigfluggesellschaft, ihre Anker aus. Sie startete mit einer Linienverbindung nach London-Stansted, mit zwei Flügen täglich.

Von den einfachen und funktionalen Passagierterminals, die das ehemalige Offizierskasino als Empfangs- und Abflughalle ersetzen, starten Reisende zu Zielen in ganz Europa. Der kleine Flughafen im Hunsrück wächst seitdem stetig. Im Jahr 2007 fertigte er mehr als vier Millionen Passagiere ab. 2015 waren es nur knapp 2,7 Millionen.

Maschinen der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair stehen auf dem Flughafen Hahn

Vom ehemaligen Militärflughafen Hahn starten nun Billigflieger

Nach dem Vorbild von Hahn geht im Mai 2003 ein weiterer Kleinflughafen mit militärischer Vergangenheit an den Start: Der Flugplatz in Weeze am Niederrhein diente von 1954 bis Anfang der 1990er Jahre der britischen Royal Air Force als Militärflugplatz. Als ziviler Flughafen trägt er den offiziellen Namen Airport Weeze. Im Jahr 2015 wurden dort gut 1,9 Millionen Passagiere abgefertigt.

Deutschlands umstrittenster Flughafen-Ausbau

Der Bau einer Startbahn sorgt Anfang der 1980er Jahre für beispiellose Proteste und zum Teil gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei. Schauplatz ist der Frankfurter Flughafen. Die ersten Pläne für den Bau einer weiteren Startbahn liegen schon in den 1960er Jahren vor.

Über Jahre hinweg schwillt der Protest – gegen die Rodung von rund 200 Hektar Wald und gegen Lärm. Im Mai 1980 besetzen Bürgerinitiativen den Wald, der der Startbahn zum Opfer fallen soll. Die Demonstranten zimmern sich auf dem Startbahn-Gelände Hütten aus Holz, ein Dorf mit mehr als 60 Hütten entsteht.

1981 blockieren mehrere zehntausend Demonstranten das Flughafengelände, der Betrieb wird zeitweise eingestellt. Am 2. November formieren sich hunderte von Polizisten. Mit Wasserwerfern und Knüppeln räumen sie das Hüttendorf. Aber der Protest reißt nicht ab.

Polizei und Mannschaftswagen

Startbahn West: Die Bauarbeiten müssen durch ein massives Polizeiaufgebot geschützt werden

1984 eröffnet der Flughafen Frankfurt die 4000 Meter lange Startbahn 18 West. Doch die Ausbau-Gegner protestieren weiter bis zum 2. November 1987, genau sechs Jahre nach der Räumung des Hüttendorfes: Demonstranten locken Polizisten in einen Hinterhalt. Plötzlich wird geschossen. Einige Polizisten werden verletzt, zwei sterben. Erst nach diesem tragischen Vorfall ebben die Demonstrationen ab.

Die größten Unruhen in der deutschen Geschichte um einen Flughafenausbau tragen dazu bei, dass die Partei der Grünen zum ersten Mal 1982 in das hessische Länderparlament gelangt. Die Proteste kosten den Flughafenbetreiber 20 Millionen D-Mark, die Kosten für Polizeieinsätze belaufen sich auf mehr als 30 Millionen D-Mark.

Autorin: Anke Seesing

Stand: 09.05.2017, 13:35

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