Leuchtturmarchitektur

Hafeneingang Bremerhaven mit Leuchtturm und modernen Museumsgebäuden

Leuchttürme

Leuchtturmarchitektur

Von Susanne Wagner

Rund, eckig, klein, groß, schlicht oder pompös wie eine Festung, rotweiß geringelt oder aus unbehauenem Bruchstein: Jeder Leuchtturm trägt sein typisches unverwechselbares Gesicht. Diese Charakteristik dient bei Tag als Landmarke. Die Form und Farbgebung des Turms fällt ebenso wie das nächtliche Leuchten und Blinken unter den Begriff Kennung. Im Laufe der Geschichte des Leuchtturms veränderten sich Architektur, Bautechnik und -materialien.

Holztürme

Aus Holz erbaute Leuchttürme zählen zu den ersten Seezeichen. Zwar waren sie nicht besonders langlebig – nicht selten fielen sie Bränden, ausgelöst von der eigenen Laterne, zum Opfer. Doch dafür konnten sie billig und schnell errichtet werden.

Einer der noch heute existierenden Holzleuchttürme ist das um 1874 errichtete "Hereford Inlet Light" im US-Bundesstaat New Jersey. Nachdem der Betrieb 1964 eingestellt wurde, kann er heute an anderer Stelle in der Ortschaft North Wildwood besichtigt werden.

Steintürme

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts errichtete man die meisten Türme aus Stein. Diese Bauten aus unbehauenen Bruchsteinen, Granit oder Ziegelsteinen waren stabiler und robuster als die hölzernen Gebäude. Das enorme Gewicht des Mauerwerks erforderte allerdings ein solides Fundament, was von erheblichem Nachteil war, da Küstenböden meistens weich und sandig sind.

Zu den ältesten noch heute vorhandenen Steintürmen in Deutschland zählt unter anderem der Leuchtturm von Travemünde an der Ostsee. Der 31 Meter hohe Turm wurde 1539 errichtet und war bis 1972 in Betrieb.

Der Leuchtturm in Kiel ist aus Stein gebaut

Aus Stein: Der Leuchtturm in Kiel

Gusseisentürme

Mit der industriellen Revolution spielte auch Gusseisen eine Rolle, ein leichter, wasserfester und robuster Baustoff, zudem preiswert herzustellen. Die gusseisernen Segmente eines Leuchtturms wurden einzeln zum Bauplatz transportiert und dort zusammengenietet.

Diese Leichtbauweise erwies sich an den exponierten Standorten allerdings nicht immer als Vorteil. Viele Eisentürme mussten von innen zusätzlich mit einer Steinmauer stabilisiert werden. Zu den bekanntesten deutschen Leuchttürmen aus Eisen zählt der rotweiß gestreifte "Westerheversand" in Schleswig-Holstein.

Der rotweiß gestreifte Leuchtturm Westerheversand in Schleswig-Holstein bei Ebbe

Leuchtturm Westerhever

Gittertürme

Gittertürme, erst aus Gusseisen, später aus Stahl hergestellt, bestehen aus einem tragenden Gerüst, in dessen Mitte sich eine Säule befindet. Der Vorteil: Sie bieten extremen Stürmen und hohen Wellen nur eine geringe Angriffsfläche. Dabei sind sie leichter als Eisentürme, sodass sie auf Sand oder Schlamm gut aufgestellt werden können.

Der älteste und höchste Gitterturm an deutschen Küsten steht in Campen an der Emsmündung. Der 65 Meter hohe Riese wurde 1889 erbaut.

Leuchtturm Obereversand in Dorum-Neufeld

Eine Mischkonstruktion: der Leuchtturm Obereversand in Dorum-Neufeld

Türme aus Stahlbeton, Aluminium und glasfaserverstärktem Kunststoff

Den Leuchtturmkonstrukteuren des 20. Jahrhunderts standen gleich drei neue wertvolle Materialien zur Verfügung. Erstmals kam Stahlbeton zum Einsatz, ein hartes, robustes und zugleich bieg- und dehnbares Material, das den Kräften der See widersteht, ohne zu brechen.

Ab den 1950er Jahren wurden auch Aluminium und glasfaserverstärkte Kunststoffe verwendet. Die extrem leichten Konstruktionen korrodieren kaum und sind schnell aufzubauen; sie werden als Turmröhre geliefert und können mit einem Kran aufgestellt werden.

Stand: 14.10.2019, 10:54

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