Ökobilanz der Elektroautos

Elektroautos an Ladestationen

Autoland Deutschland

Ökobilanz der Elektroautos

Von Marion Werner

Das Versprechen lautet: Mit Elektroautos fährt man ökologisch – ohne Stickoxide und CO2-Abgase. Der Bund und die Autoindustrie setzen gemeinsam auf die E-Autos als Hoffnungsträger der Mobilität von morgen. Aber wie ökologisch sind sie wirklich? Und wie schwer ist ihr ökologischer Rucksack?

E-Autos: Die Lösung von Bund und Industrie

Mittlerweile schicken alle deutschen Automarken Elektromodelle an den Start. "Bereit für den Sprint unter Strom", "Zukunft mitgestalten" oder auch "Just electric" – so bewerben große deutsche Autohersteller ihre Elektroautos.

Auch die Bundesregierung setzt darauf: Bis 2030 sollen in Deutschland bis zu sechs Millionen Elektrofahrzeuge zugelassen sein. Um dieses Ziel zu erreichen, hat sie ein Maßnahmenpaket geschnürt, unter anderem mit Kaufprämien, Steuervergünstigungen und Zuschüssen für Forschungsvorhaben.

Elektroauto an einer Ladestelle

Elektroauto an einer Ladestelle

Lithiumabbau in Südamerika trocknet Böden aus

Aber ist in den Elektroautos wirklich so viel Öko drin, wie draufsteht? Betrachten wir einmal die Herstellung der Akkus: Der wichtigste Rohstoff dafür, das Lithium, kommt hauptsächlich aus Südamerika, aus Bolivien.

Um das Alkalimetall aus dem Boden zu spülen, werden in der ohnehin schon trockenen Region enorme Mengen Wasser verbraucht. Durch den hohen Wasserverbrauch wird die einheimische Landwirtschaft bedroht. Die Quinoa-Produktion wird wahrscheinlich aus dieser Region mittelfristig verschwinden.

Lithiumabbau in Südamerika

Lithium-Gewinnung in Bolivien

Akku-Herstellung sorgt für CO2-Emmisionen

Problematisch bei der Akku-Herstellung ist auch der enorme CO2-Ausstoß: Ein 100-kWh-Akku beispielsweise benötigt bei der Herstellung rund 17 Tonnen Kohlendioxid. Um den gleichen CO2-Ausstoß, eine vergleichbare Ökobilanz, zu erreichen, kann ein Mittelklassewagen mit Verbrennungsmotor bis zu 100.000 Kilometer weit fahren.

Demnach müssen die Lithium-Akkus – was die CO2-Bilanz anbelangt – jahrelang im Auto ihren Dienst tun, bevor sie dem Verbrennungsantrieb überlegen sind.

Ein riesiger Bagger, im Hintergrund Windkraftanlagen

Der CO2-Ausstoß ist ein wichtiger Faktor in der Energiebilanz von Stromgewinnung

Der kleine Unterschied: Nachhaltiger oder konventioneller Strom?

Außerdem muss man sich die Frage stellen: Wo kommt der Strom eigentlich her, der in den Akkus gespeichert wird? Je größer der Braunkohleanteil bei der Stromerzeugung für die Elektroautos, desto mehr schrumpft der vermeintliche Öko-Vorsprung der Akkutechnik gegenüber dem Verbrennungsmotor.

Der E-Motor kann bei der CO2-Bilanz nur dann punkten, wenn sein Strom nachhaltig erzeugt wird. Leider lag der Stromverbrauch aus erneuerbaren Energien 2018 nur bei ungefähr 34 Prozent des Gesamtverbrauchs. Das heißt im Umkehrschluss: Rund zwei Drittel des Stroms stammten aus konventioneller Stromerzeugung wie Braunkohle und Kernkraft.

Gefährlicher Kobalt-Abbau

Damit nicht genug: Für die Batterieherstellung benötigen die Hersteller Kobalt. Der stammt zum überwiegenden Teil aus dem Kongo und wird dort unter gefährlichen und menschenunwürdigen Bedingungen abgebaut – auch von Kindern. Der Abbau von Kobalt führt darüber hinaus oft zu saurem Grubenwasser, das das Grundwasser vergiftet.

Kinderarbeit beim Kobalt-Abbau im Kongo

Kinderarbeit beim Kobalt-Abbau im Kongo

Gar nicht so leicht: Der ökologische Rucksack

Der so genannte ökologische Rucksack, also die Summe der Umweltbelastungen durch alle bei der Herstellung verwendeten Materialien, ist beim Elektroauto also nicht gerade klein.

Grundsätzlich gilt hier: Je kürzer die Reichweite, je kleiner und leichter die Batterie und damit das ganze Auto, desto eher kommen die E-Autos tatsächlich in den grünen Bereich. Bei gleicher Reichweite allerdings sind sie unterm Strich nicht umweltfreundlicher als Benziner oder Diesel der neuen Generation.

SWR | Stand: 16.09.2020, 17:00

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