Logistik im Haushalt

Ein Mutter mit Kind beim Einkaufen.

Logistik

Logistik im Haushalt

Logistik ist für Speditionsfachleute, Manager und Lageristen ein wichtiges Schlagwort geworden, weil es für Kostenersparnis und effektives Zeitmanagement steht. Doch im Grunde ist Logistik ein Thema, das uns auch im Alltag beschäftigt, permanent und oft ohne, dass wir es bewusst wahrnehmen. Der Tagesablauf einer Hausfrau beispielsweise steckt voller logistischer Probleme und Herausforderungen.

Die Haare kommen zum Schluss

Sabine ist verheiratet und hat zwei Kinder: Lisa ist noch ein Baby und Henry ist gerade in den Kindergarten gekommen. Für Sabine beginnt der Tag bereits um fünf Uhr morgens. Als erstes duscht Sabine – nur ihre Haare fönt sie noch nicht.

Dann bereitet sie das Frühstück vor und macht ein Fläschchen für das Baby fertig. Das Timing muss stimmen - kommt sie zu spät mit der Flasche, schreit das Baby. Zu früh darf sie auch nicht sein, weil der Brei nicht lange warmgehalten werden darf.

Heute klappt das ganz gut, Lisa wird um sechs Uhr wach und wird gefüttert, dann weckt sie ihren Sohn – der braucht Hilfe beim Anziehen. Sabines Mann kümmert sich derweil um das Baby – aber er muss in 20 Minuten zur Arbeit. Mehr Zeit hat Sabine nicht, um Henry davon zu überzeugen, dass er sich fertig machen muss.

Nach dem Frühstück legt sie das Baby kurz zurück ins Bett, um sich die Haare zu fönen. Das geht jetzt ganz schnell, weil die Haare bereits halb getrocknet sind. Dann muss Henry in den Kindergarten, das Baby zur Tagesmutter. Sabine überlegt jeden Morgen, ob es sinnvoll ist, mit dem Auto zu fahren.

Sie ist damit zwar schneller und kann die beiden Kinder leichter transportieren als mit dem Bus. Aber in der Nähe des Kindergartens kann sie schlecht parken und hat immer Angst, Henry die letzten Meter allein laufen zu lassen.

Außerdem denkt sie daran, dass sie mit dem Wagen die Umwelt belastet und Sabine möchte von ihren Kindern später nicht für die Klimakatastrophe verantwortlich gemacht werden. Trotzdem entscheidet sie sich am Ende meistens für den Wagen, weil er ihr kostbare Minuten spart.

Neugeborenes wird mit Fläschchen gefüttert

Babys erfordern einen genau durchgeplanten Tagesablauf

Kein Tag ohne Planung

Nachdem Sabine die Kinder abgegeben hat, wollte sie eigentlich einkaufen, aber die Fenster müssen auch geputzt werden. Wenn sie die Fenster aber in der Mittagssonne putzt, dann trocknen die Scheiben zu schnell und werden nicht wirklich klar.

Also fährt sie erst nach Hause und putzt die Fenster, und weil sie dafür ohnehin die kompletten Fensterbänke freiräumen muss, kümmert sie sich auch gleich um die Blumen und staubt alle Gegenstände ab, die am Fenster gestanden hatten.

Eigentlich möchte Sabine gerne auch den Rest der Wohnung aufräumen und putzen, aber der Supermarkt macht früh Mittagspause und sie muss noch jede Menge einkaufen. Damit der Einkauf schneller geht, schreibt sie den Einkaufszettel in der Reihenfolge, in der sie im Laden durch die Gänge gehen wird. So kann sie unnötige Wege vermeiden.

Sabine stellt sich auch dann an die kürzeste Schlange, wenn dort Kunden mit vollbepackten Einkaufswagen stehen – aus Erfahrung weiß sie: Der Zeitverlust an der Kasse entsteht vor allem durch Personen, nicht durch die Warenmenge. Trotzdem geht's heute an der Nachbarkasse schneller.

Eine Kundin, die vor Sabine in der Schlange stand, kramt sehr umständlich in ihrem Portemonnaie und macht damit jeden Zeitgewinn unmöglich. Sabine ärgert sich nur kurz, denn sie hat ein schlechtes Gewissen: Sie steht mit ihrem übervollen Einkaufswagen vor einer Kundin, die nur ein paar Artikel im Korb hat. Eigentlich weiß Sabine, dass es insgesamt schneller an der Kasse ginge, wenn sie die Frau vorlassen würde. Aber gleich ist der Kindergarten aus und bis dahin muss sie unbedingt zu Hause sein.

Sabine ist endlich an der Reihe und stellt die Waren so auf das Band, dass sie sie direkt in der richtigen Reihenfolge einpacken kann. Zuletzt kommen die Tiefkühl-Lebensmittel, denn die muss sie zu Hause sofort ins Gefrierfach legen.

Kaum ist Sabine wieder zu Hause, muss sie auch schon die Kinder abholen. Sie sortiert die Lebensmittel so, dass sie im Kühlschrank alles möglichst schnell zur Hand hat und macht sich auf den Weg.

Diesmal nimmt sie den Bus, sie hat schließlich eine Monatskarte und muss noch mindestens dreimal mit den Kindern fahren, damit das Ticket sich überhaupt lohnt.

Immerhin, nach dem Mittagessen schlafen die Kinder eine Stunde. Nicht viel Zeit, denn Sabine muss die Wohnung putzen und eine Geburtstagskarte an ihre Schwester schreiben. Die Karte muss bis 15 Uhr im Briefkasten sein, damit sie rechtzeitig ankommen kann. Deswegen zieht Sabine die Kinder schnell wieder an und macht sich mit ihnen auf den Weg zum Spielplatz.

So ohne Weiteres kann sie aber nicht losgehen. Sie überlegt, welche Kleidung die Kinder brauchen, wenn sie etwas nass oder dreckig gemacht haben, sie packt heißes und kaltes Wasser für die Babyflasche ein und ein paar Kleinigkeiten zu essen für Henry.

Auch jetzt dauert es noch eine Weile, bis sie am Spielplatz ankommt. Sie geht nicht auf direktem Weg, sondern so, dass sie noch beim Bäcker vorbeikommt und außerdem muss sie heute auch noch einen Umweg zum Briefkasten machen, den sie gerade noch rechtzeitig erreicht.

Eine Frau steht auf einem Stuhl beim Fensterputzen

Auch das Putzen der Fenster muss geplant werden

Zeit ist ein kostbares Gut

Am Nachmittag putzt Sabine die Wohnung fertig und versucht, ein Buch zu lesen, was aber nicht möglich ist, weil das Baby schreit. Dafür braucht sie heute kein Abendessen zu machen, weil ihr Mann ein paar Pizzen mitbringt.

Nach dem Essen überlegt Sabine, was sie mit den leeren Pizzakartons machen soll. Kann sie die Schachteln in die gelbe Tonne werfen oder gehören sie in den Altpapierhaufen? Sabine entscheidet sich für das Altpapier.

Nach dem Aufräumen gehen die Kinder ins Bett und Sabine und ihr Mann setzen sich zusammen ins Wohnzimmer. Sie möchten übers Wochenende zu Freunden fahren.

Weil sie wenig Platz im Auto haben, müssen sie genau überlegen, was sie mitnehmen können. Der Kinderwagen muss auf jeden Fall dabei sein. Henry braucht Spielzeug und ein Wasserkocher für die Babyflaschen muss mit.

Nachdem sie genau überlegt haben, wie sie den Kofferraum beladen wollen, bleibt am Ende für Sabine und ihren Mann nur ein kleines Köfferchen, mehr geht beim besten Willen nicht in den Wagen.

Die beiden planen noch einige Details ihrer Reiseroute, denn sie wollen den Stau vermeiden. Danach hätte Sabine eigentlich Zeit für sich. Aber sie ist müde und will früh ins Bett, schließlich muss sie am nächsten Tag um fünf Uhr wieder aufstehen.

Warten an der Supermarktkasse

Jeder Einkauf ist ein Stück Logistik

Autor: Malte Linde

Stand: 14.02.2018, 15:51

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