Pendeln

Mobilität von morgen

Pendeln

Es ist ein Kompromiss zwischen Arbeit und Privatleben, den in Deutschland täglich etwa 1,5 Millionen Menschen machen. Um von zu Hause den Arbeitsplatz zu erreichen, legen sie mit dem Auto oder der Bahn bis zu 200 Kilometer pro Strecke zurück. Der Arbeitsmarkt fordert höchste Flexibilität.

Gefährliche Routine

Deshalb ist in unserer mobilen Gesellschaft das Pendeln kaum mehr wegzudenken. Das Wort an sich klingt recht harmonisch und entspannt. Die Sache selbst ist aber ziemlich zeitaufwändig, teuer und kann auf Dauer sogar krank machen.

Wer einen höher qualifizierten Job hat, legt häufig eine längere Strecke bis zu seiner Arbeitsstätte zurück. Denn Stellen mit guter Bezahlung sind eher im städtischen Raum zu finden. Gewohnt wird dagegen gerne außerhalb.

Hier ist es ruhiger und günstiger als in der Stadt. Das größere Einkommen macht also den weiten Weg vom Häuschen auf dem Land bis ins Büro im Stadtzentrum bezahlbar. Ein Stück Lebensqualität, für das viele bereit sind, Opfer zu bringen.

Auch Arbeitnehmer mit niedriger Qualifikation pendeln. Für sie ist das allerdings oft die einzige Möglichkeit, eine Arbeit zu finden.

Autofahrer im Stau auf einer Autobahn

Staus kosten Pendler Zeit und Nerven

Egal, ob die Arbeitsmarktsituation oder persönliche Gründe den Ausschlag geben – Berufspendler müssen sich entscheiden: Nehme ich das Auto oder nutze ich öffentliche Verkehrsmittel?

Die Antwort lautet häufig: das Auto. In Regionen mit dünnem öffentlichem Verkehrsnetz gibt es ohnehin keine Alternative. Ganz abgesehen von der Flexibilität, die das Auto bietet.

Im Vergleich zu Bus und Bahn ist ein Pkw aber die kostspieligere Variante. Mehrere hundert Euro für Unterhalt und Kraftstoff können in einem Monat zusammenkommen.

Auch die Staus in den Stoßzeiten des Berufsverkehrs sind nichts für schwache Nerven. Um Termine einhalten zu können, ist es daher ratsam, mehr Zeit für die Fahrt einzurechnen.

Die eintönige Fahrt kann auf Dauer sogar gefährlich werden. Verkehrswissenschaftler haben herausgefunden, dass die Aufmerksamkeit von Vielfahrern auf ihnen vertrauten Strecken sinkt.

Regionen des Großhirns, die unter anderem für bewusstes Analysieren und Entscheiden zuständig sind, zeigen dann kaum Aktivität. Ähnlich wie beim Laufen stellen sich automatisierte Routineabläufe ein, weil dem Hirn nur wenig neue Reize geboten werden. Dadurch steigt das Unfallrisiko auf solchen Fahrten.

Belastung für Körper und Seele

Im Vergleich dazu ist der Weg zur Arbeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln weniger riskant und stressfreier. Obwohl die Verspätungen der Bahn ebenfalls die Nerven strapazieren können. Ein großer Vorteil der Bahnreisenden ist, die Fahrzeit für sich nutzen zu können, indem sie lesen oder einfach ein Nickerchen halten.

Über einen längeren Zeitraum kann Letzteres allerdings den Wach-Schlafrhythmus durcheinanderbringen, was nächtliche Einschlafstörungen zur Folge haben kann.

Schlafender Mann im Zug

Viele Pendler ziehen dem Auto öffentliche Verkehrsmittel vor

Studien zeigen, dass Berufspendler ihrer Gesundheit schaden, wenn sie jeden Tag weiter als 50 Kilometer zur Arbeit fahren oder eine Fahrt mehr als 45 Minuten in Anspruch nimmt. Dabei spielt es keine Rolle, ob mit der Bahn oder dem Auto.

Die große Distanz zwischen Wohnort und Arbeitsplatz macht es nötig, morgens sehr früh aufzustehen. Entsprechend spät endet der Arbeitstag.

Dauerhaft ist das sehr belastend für Körper und Seele. Typische Beschwerden, über die Berufspendler häufig klagen, sind Rücken-, Nacken- oder Gliederschmerzen. Denn langes Sitzen im Auto oder im Zugabteil bringt Verspannungen mit sich.

Und vor allem der große Druck pünktlich sein zu müssen, ohne direkten Einfluss darauf zu haben, ist ein fruchtbarer Nährboden für psychische Probleme.

Vier-Tage-Woche für Fernpendler

Wird das tägliche Pendeln auf einer längeren Strecke tatsächlich zur übermäßigen Belastung, sollte man versuchen, Auswege zu finden. Als Erstes muss überlegt werden, ob es möglich ist, die Distanz zwischen Wohnort und Arbeitsort zu verkleinern.

Das tun aber nur die wenigsten. Nicht einmal ein Viertel aller Pendler wollen ihr liebgewonnenes Umfeld aus Freunden und Nachbarn aufgeben, geschweige denn die eigene Wohnung.

Umso wichtiger wäre es darum, dass Arbeitgeber flexible Arbeitszeiten einräumen, die den Druck mildern würden. Experten halten sogar Modelle für sinnvoll, in denen eine Arbeitswoche für Fernpendler nur vier Tage hat.

Gesamtökonomisch hätte das Vorteile, denn die Zahl krankheitsbedingter Fehltage würde dadurch vermutlich zurückgehen.

Drei lesende Menschen in einem Zug

Tägliches Pendeln kann zur Belastung werden

Autor: Lothar Nickels

Stand: 22.10.2018, 09:34

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