Leichtmobile und Quads

Fünf Quads fahren durch Landschaft

Sicherheit im Straßenverkehr

Leichtmobile und Quads

Von Andrea Reischies

Leichtmobile und Quads können bis 45 Kilometer pro Stunde schnell fahren. Ans Steuer beider Fahrzeugarten dürfen bereits 16-Jährige, die den Führerschein Klasse AM besitzen. Eine Regelung, die umstritten ist, denn bei Tests vom ADAC spielten sich wahre Horrorszenarien ab.

Leichtmobil im Crashtest

Als Leichtmobil bezeichnet man Fahrzeuge, die deutlich leichter und kleiner sind als normale Pkw und etwas größer als Quads und Motorräder. Bei einem Crashtest, bei dem ein Leichtmobil mit 40 Kilometern pro Stunde mit einem anderen Wagen fast frontal zusammenstößt, bleibt nur ein Schrotthaufen zurück.

Die Fahrgastzelle – also der Fahrzeuginnenraum, in dem sich normalerweise die Insassen befinden – ist zerstört, in der Kunststoffkarosserie sind Risse, der Metallrahmen ist gestaucht, die Lenksäule ist zehn Zentimeter, das Bremspedal 13 Zentimeter in den Innenraum gedrungen. Wie eine Speerspitze zielt die gelöste Innenverkleidung der vorderen linken Türsäule auf die Brust des Fahrerdummy.

Diese und viele andere Schwächen deckte der Test des ADAC auf. Ein Mensch am Steuer hätte sich vielfach verletzt und diverse Knochenbrüche davon getragen. Besonders der Kopf und die Beine werden über die biomechanische Grenze hinaus belastet. Zum Vergleich: Der Fahrer eines normalen Kleinwagens hätte sich nur die Knie abgeschürft.

Ein Quad-Fahrer überholt einen PKW

Selbst kleine Autos bieten mehr Schutz

Versteckte Gefahr

Der Führerschein der Klasse S ist auf Druck der EU-Kommission in Brüssel im Rahmen der EU-weiten Vereinheitlichung der Fahrerlizenzen im Februar 2005 eingeführt worden. In der Konsequenz wurden auch Leichtmobile zugelassen, die in ländlichen Regionen Frankreichs zu Hause sind, sowie Quads und Trikes im Kleinformat.

Diese dürfen nicht mehr als 350 Kilogramm wiegen, damit aber fehlen die Gewichtsreserven für lebensrettende Sicherheitstechnik. Die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 45 Kilometer pro Stunde hilft wenig, wie die Tests gezeigt haben. Denn bei uns fahren diese Fahrzeuge, anders als in Frankreich, in dicht besiedelten Gebieten. Sie bleiben somit gefährliche Fahrzeuge.

2013 wurde der Führerschein Klasse S jedoch wieder abgeschafft. Leichtmobile, Quads und Trikes darf man seitdem mit dem Führerschein der Klasse AM fahren. Auch Mopeds fallen in diese Klasse.

Quads im Kurvenkampf

Spöttisch wird diese abgespeckte Motorradversion als vierrädriger Rasenmäher bezeichnet. Tests ergaben eine sehr schlecht Kurvenlage des Quads im Vergleich zu einem normalen Motorrad. Wer nicht rechtzeitig einlenkte, fuhr geradeaus, wer das Quad in die Kurve zwang, begann zu kippeln.

Spontane Ausweichmanöver sind gefährlich. Quads wie Leichtmobile sind rollende Verkehrshindernisse. In der Dämmerung sind sie mit einem einzelnen Rücklicht schwer auszumachen. Zumindest wurde auf Druck des Automobilclubs die Helmpflicht für Quadfahrer durchgesetzt.

Quad fährt auf zwei Reifen, kippelige Fahrt.

Kippelige Kurvenfahrt!

Führerschein Klasse AM

Zum neuen Führerschein der Klasse AM dürfen sich auch 16-Jährige schon anmelden. Sie können damit dreirädrige Kleinkrafträder (Trikes) sowie Leichtmobile und Quads bis 50 Kubikzentimeter Hubraum und 45 Kilometer pro Stunde Höchstgeschwindigkeit fahren.

Die Kosten für den Führerschein liegen bei mehreren Hundert Euro. Die Prüfung umfasst Theorie und Praxis, die Prüfungsfahrt muss mindestens 30 Minuten dauern. Ein teurer Spaß, denn für ein neues Leichtmobil müssen die Fahrer 8000 bis 12.000 Euro hinblättern, für ein Quad mindestens 1500 Euro.

Weiterführende Infos

Stand: 01.07.2019, 10:09

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