Traumziel Mars?

Bildaufnahme von Mars.

Astronaut

Traumziel Mars?

1965 schickte die US-Raumsonde Mariner 4 erste Nahaufnahmen vom Mars zur Erde. Sie beflügelten die Fantasie und das Interesse der Menschen am Roten Planeten. Heute kartieren Orbiter den Planeten, Landeroboter untersuchen die Oberfläche. Die zentrale Frage lautet immer noch: Gab es einmal Leben auf dem Roten Planeten?

Frühe Pläne für eine Mars-Mission

Schon in den 1950er Jahren beschrieb der deutsche Raketenpionier Wernher von Braun die Bedingungen für einen bemannten Flug zum Mars.

In seinem Buch "The Exploration of Mars" (1956) prognostizierte er eine Missionsdauer von zwei Jahren und 239 Tagen (260 Hinflug, 449 Tage auf dem Mars und 260 Tage Rückflug). Das Unternehmen sollte von zwölf Astronauten in zwei Mars-Raumschiffen durchgeführt werden.

Wernher von Braun

Schon in den 1950ern errechnete Wernher von Braun eine Missionsdauer zum Mars

An den technischen Problemen hat sich bis heute praktisch nichts Wesentliches geändert.  Für den Antrieb müssen weiterhin "normale" Raketen sorgen. Ein entsprechendes Raumschiff, das die Astronauten sicher und gesund zum Mars bringt, muss noch konzipiert werden.

Ungelöst sind auch noch die Probleme, die mit dem Aufenthalt der Astronauten auf dem Mars zusammenhängen.

NASA-Planungen sehen einen ersten Flug zum Mars frühestens für 2033 vor. Wie vor der ersten Mondlandung soll der Mars zunächst umrundet werden, um Erfahrungen zu sammeln und erforderliche Techniken auszuprobieren. 2039 könnte dann eventuell eine bemannte Mission mit Landung auf dem Roten Planeten folgen.

Die gesundheitlichen Risiken

Bei einer Mars-Mission verlassen die Astronauten für lange Zeit das schützende Erdmagnetfeld und werden kosmischer Strahlung ausgesetzt. Damit sie nicht an Krebs erkranken, müssen Schutzmaßnahmen für die Astronauten im ergriffen werden. Das Risiko für eine Krebserkrankung soll derzeit bei 30 Prozent liegen.

Eine Untersuchung an eineiigen Zwillingen soll klären, wie stark der Einfluss der kosmischen Strahlung sein kann und was im Körper passiert. 2015 startete der Amerikaner Scott Kelly für einen Langzeitaufenthalt von zwölf Monaten zur ISS.

Scott Kelly war auch zuvor schon mehrfach im All, insgesamt dann etwa zehnmal so lange wie sein Zwillingsbruder Mark. Die Untersuchung ihres Erbgutes soll klären, ob und inwieweit es durch kosmische Strahlung zu Schäden an der DNA kommen kann.

Eine erfolgreiche Mars-Mission setzt voraus, dass die Astronauten leistungsfähig bleiben, um in der lebensfeindlichen Umgebung auf dem Mars arbeiten und sich versorgen zu können. Auch Probleme durch Ernährung oder psychische Belastungen zum Beispiel müssen bedacht werden.

Experiment "MARS 500"

Diese Fragen werden 2010 bis 2011 in einem einmaligen Experiment erforscht. Am Institut für Biomedizinische Probleme in der Nähe von Moskau wird das 15 Millionen Euro teure Experiment "Mars 500" durchgeführt.

Sechs männliche Teilnehmer werden für über 500 Tage in Containern isoliert. Die Situation in einem Mars-Raumschiff wird möglichst realitätsnah simuliert.  Kontakt zur "Bodenstation" besteht nur über Funk und per E-Mail. 

Auch die Nahrungsmittel werden vor dem "Start" in die Container gebracht. Viele Faktoren, die die körperliche Leistungsfähigkeit und Einsatzbereitschaft der Astronauten auf so einer Langzeitmission schwächen können, werden untersucht.

Die Ergebnisse sind interessant: Eintönige Umgebung und schlechte Beleuchtung führen zu Passivität. So etwas erleben Forscher auch immer wieder bei Langzeitaufenthalten in Antarktis-Forschungsstationen

Langeweile und Reizarmut sind ein Problem. Die Mars 500-Astronauten brauchen auch viel mehr Schlaf, um fit zu bleiben. Genaue Vorschriften bei der Art und Mengenzuteilung der Nahrung führen zu Aggressionen unter einigen Probanden. Sie fühlen sich bei einfachsten Dingen bevormundet.

Gruppe von sechs Astronauten.

Der Mars 500-Test : 500 Tage in Isolation

Ungeklärt ist die Frage, wie man psychisch die Reise in die Weiten des Alls, das Entfernen von der Erde verkraftet.

Mit Raumschiff "Orion" zum Mars?

100 Meter hoch ist die neu entwickelte Rakete "SLS". Frühestens 2022 soll sie das neue bemannte Raumschiff der NASA, die "Orion", ins All bringen. Rakete und Raumschiff vereinen die technischen Erfahrungen von über 50 Jahren amerikanischer Raumfahrt. Der erste unbemannte Test fand im Dezember 2014 statt.

Das Raketen-System ist modular aufgebaut: Es eignet sich für Flüge in eine Erdumlaufbahn, zum Mond oder zum Mars. Die ESA ist beteiligt: Die Europäer sollen das Servicemodul hinter der Crewkapsel liefern. Man hat gute Erfahrungen mit dem ATV-Versorgungstransporter, der einige Zeit die ISS mit Nachschub versorgte, gemacht.

"Orion" selbst kann vier bis sechs Astronauten transportieren. Und so wie einst Apollo 8 soll der erste unbemannte Testflug 2019 in Richtung Mond gehen. Der wird umkreist und danach kehrt die Kapsel zur Erde zurück.

2039 soll dann zum ersten Mal der Mars angesteuert werden. Übrigens fast genau so, wie es sich einst Wernher von Braun ausgedacht hatte. Mit getrennten Fracht- und Wohnraumschiffen und einer dauerhaft betriebenen, riesigen Versorgungsbasis in einer Marsumlaufbahn.

Technisch, so NASA-Wissenschaftler auf einer Tagung im Juni 2015, wäre so ein Projekt machbar. Politisch ist derzeit dagegen völlig unklar, ob die notwendige Zusammenarbeit mit der russischen Raumfahrtagentur möglich wäre.

Autor: Dr. Michael Hänel

Weiterführende Infos

Stand: 04.06.2018, 11:52

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