Plastination

Plastinierter Elefant

Kunststoff

Plastination

Von Thomas Kamp und Inka Reichert

Seit Jahrtausenden wünscht sich der Mensch, der Vergänglichkeit entgegenzuwirken und die sterbliche Hülle über den Tod hinaus zu konservieren. Standen zunächst religiöse Motive im Vordergrund, waren es ab der Renaissance wissenschaftliche Gründe, die zu Präparationen ganzer Körper führten.

Kunststoff ersetzt Wasser und Fett

Eine Lösung verspricht heute die Plastination: In einem Vakuumprozess werden ganze Körperteile mit speziell für diese Technik entwickelten Kunststoffen imprägniert. Das geht auch mit menschlichen Leichen, wie Gunther von Hagens in der Ausstellung "Körperwelten" zeigt.

Grundlage für die Plastination ist der Austausch des Gewebswassers und Fetts durch einen aktiven Kunststoff wie Silikon oder Polyester. In einem Lösungsmittelbad werden dazu zunächst Gewebswasser und Gewebefett durch ein Lösungsmittel ersetzt.

Gunther von Hagens mit schwarzem Hut hinter einem Rednerpult.

Gunther von Hagens

Das so entwässerte und entfettete Präparat wird danach in die Kunststofflösung eingelegt. Dabei wird das Lösungsmittel im Vakuum zum Sieden gebracht und dem Präparat wieder entzogen. Durch den entstehenden Sog zieht der Kunststoff ins Gewebe ein. Anschließend erfolgt die Härtung, je nach Art des verwendeten Kunststoffs mithilfe von Gas, Licht oder Wärme.

Entwickelt wurde das Verfahren von Gunther von Hagens. Zunächst fanden seine Plastinate nur in der Lehre Anwendung, bis der Anatom 1988 begann, ausgewählte Präparate der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Seine Ausstellung "Körperwelten" wurde Ende 1997 erstmals in Mannheim gezeigt. Neben Quer- und Längsschnitten von Organen umfasste die Ausstellung auch 15 Ganzkörperpräparate in lebensnaher Haltung.

Im Februar 2005 begann von Hagens, Elefanten zu plastinieren, die zuvor im Zoo Neunkirchen gelebt hatten. Fünf Jahre später wurden die Körper der verstorbenen Elefantenweibchen Samba und Chiana erstmals im Rahmen der "Körperwelten der Tiere" ausgestellt. Sie gelten als die größten Plastinate weltweit.

Die Ausstellung "Körperwelten – zwischen Faszination und Entsetzen

Die Ausstellung ist umstritten. Es sind die Leichen und Körperteile von echten Menschen, die dort ausgestellt sind. Während die einen von Geschmacklosigkeit, Gruselkabinett und skandalöser Geschäftemacherei sprachen, feierten die anderen die Ausstellung als gelungen.

2004 erhob "Der Spiegel" aufgrund abgefangener Mails Vorwürfe, von Hagens hätte auch illegal Hinrichtungsopfer aus China verarbeitet. Der Plastinator dementierte und das Wochenmagazin musste eine Unterlassungserklärung abgeben, diese Behauptungen nicht weiter zu verbreiten.

Bis heute ist das Interesse des Publikums enorm: Mehr als 36 Millionen Besucherinnen und Besucher haben die Wanderausstellung bereits gesehen. Seit einigen Jahren präsentieren zudem andere Veranstalter ähnliche Schauen.

Menschlicher, plastinierter Kopf mit Gehirn

Plastinierter menschlicher Schädel mit Gehirn

Stand: 08.08.2018, 10:00

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