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Frauenbewegung - der Kampf für Gleichberechtigung

"Wir sind die Frauen-Befreiungs-Front!" riefen in den 1970er Jahren die rebellierenden Frauen von New York bis Berlin: Sie hatten es satt, von Männern bevormundet zu werden. Sie wollten ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Sie kämpften für eine Welt, in der Frauen und Männer wirklich gleichberechtigt sind. Und in der es Spaß macht, eine Frau zu sein.

Unsere Videos können Sie mit dem Macromedia Flash-Player ab der Version 8.0 ansehen. Den neuesten Flash-Player können Sie beim Hersteller Adobe unter folgender Adresse kostenlos downloaden:
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Schattenfrauen (4'14'')
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Der Herr im Haus

1949 setzte die sozialdemokratische Abgeordnete Elisabeth Selbert durch, dass die Gleichberechtigung in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen wurde. Artikel 3 lautet somit: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt". In der Realität jedoch waren die Frauen in den 1950er und 60er Jahren alles andere als gleichberechtigt. Ein uneheliches Kind war für die Frau gesellschaftlich eine Katastrophe, seine Mutter erhielt nicht einmal das Sorgerecht. Das Ehe- und Familienrecht bestimmte den Mann zum Alleinherrscher über Frau und Kinder. Eine Ehefrau musste ihrem Mann jederzeit sexuell zur Verfügung stehen. Wenn er sie und die Kinder misshandelte, galt das als Privatsache. Verheiratete Frauen durften nur dann arbeiten gehen, wenn der Mann es ihnen erlaubte. Noch in den 1970er Jahren gab es die sogenannten "Leichtlohngruppen". Und auch wenn eine Frau dieselbe Arbeit verrichtete, wie ein Mann, bekam sie dafür viel weniger Geld.

Demonstrierende Frauen halten eine Schneiderpuppe hoch und eine Wäscheleine, an der Schürzen und Dessous flattern. (Rechte: dpa)

Gegen den "Weiblichkeitswahn"

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Büstenhalter brennen

Die sogenannte erste Welle der Frauenbewegung entstand ab Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA und kämpfte damals unter anderen für das Frauenwahlrecht. In den 1960er Jahren begann nun die zweite Welle - und zwar an vielen Orten gleichzeitig. In den USA schrieb Betty Friedan 1963 ihren Bestseller "Der Weiblichkeitswahn", in dem sie mit der typischen Frauenrolle abrechnete. In Frankreich verfasste Simone de Beauvoir schon 1949 "Das andere Geschlecht", das unzählige Frauen in aller Welt zu ihrer "Bibel" machten. Die Philosophin und Schriftstellerin erklärte in diesem Buch: "Man wird nicht als Frau geboren, man wird dazu gemacht". Und meinte damit: Frauen sind nicht von Natur aus unterwürfig, unselbständig und hilflos. Sie werden nur von klein auf dazu erzogen. Aber sie können auch anders. Das machte den jungen Frauen in den späten 1960er Jahren Mut. Und bald erklärten sie öffentlich: "Wir entscheiden nun selbst, wie wir leben, lieben und aussehen wollen!" In den USA verbrannten Aktivistinnen der Frauenbewegung öffentlich ihre BHs. In Amsterdam kniffen die "Dollen Minnas" Männer in den Po. Und in Rom sangen Frauen auf einer Demonstration: "Tremate, tremate, le streghe son tornate!" ("Zittert, zittert, die Hexen sind zurückgekehrt!").

Frauen, zum Teil als Hexen verkleidet, demonstrieren in der Walpurgisnacht gegen Männergewalt. Sie tragen ein Transparent, auf dem steht: Frauen erobern die Nacht! (Rechte: dpa)

"Gegen Männergewalt" demonstrierten Frauen in der Walpurgisnacht

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Tomaten fliegen

Die Studentinnen, die im SDS, dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund aktiv waren, stellten fest: Die marxistische Theorie, die sie so begeistert verschlangen, stammte fast ausschließlich von Männern - und Frauen kamen darin nicht vor. Sie ärgerten sich darüber, dass ihre Genossen zwar alle Völker dieser Erde befreien wollten, nur nicht ihre eigenen Gefährtinnen. Denn auch die 68er Revolutionäre wünschten sich Frauen, die ihnen die Wäsche wuschen, die Flugblätter tippten und dabei möglichst attraktiv aussahen. Im September 1968 tagte in Frankfurt der Bundeskongress des SDS. Und wieder einmal wollten die Genossen nicht hören, was die Frauen zu sagen hatten. Da holte die Berliner Delegierte Sigrid Rüger drei Tomaten aus ihrer Tasche und warf sie in Richtung Podium. Zwei davon trafen - und klatschten einem der "Obergenossen" ins Gesicht.

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Die Anfänge der Frauenbewegung (3'40'')
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"Mein Bauch gehört mir"

Anfang der 1970er Jahre entstanden von Kiel bis Konstanz Frauengruppen und Frauenzentren. Sie alle nahmen gemeinsam den Kampf gegen den Paragrafen 218, den Abtreibungsparagrafen, auf. Der Schwangerschaftsabbruch war verboten, er musste heimlich durchgeführt werden, war teuer, erniedrigend und manchmal lebensgefährlich. Männer entschieden darüber, ob eine Frau ein Kind bekommen sollte oder nicht. Die Frauenbewegung aber sagte: Weder Richter, noch Ärzte, geschweige denn Theologen haben das Recht, über den Körper und das Leben einer Frau zu bestimmen. Und sie forderten: Der Paragraf 218 muss ersatzlos gestrichen werden.

1974 trat eine Neuregelung des Paragrafen 218 nach dem Indikationsmodell in Kraft, das einen Schwangerschaftsabbruch unter bestimmten medizinischen, sozialen oder ethischen Gründen erlaubte. Seit 1995 ist die Fristenlösung gültig, die einen Abbruch in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten zulässt, wenn vorher eine Beratung stattgefunden hat.

Zwei Frauen stöbern in einer Frauenbuchhandlung in den Regalen (Rechte: dpa)

Frauenbuchladen

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Selbst ist die Frau

Von der Auseinandersetzung mit Abtreibung und Schwangerschaft war es nicht weit zur Beschäftigung mit den Themen Ehe, Mutterschaft, Sexualität. Die Frauen stellten fest, dass sie über ihren eigenen Körper kaum Bescheid wussten. Sie fragten sich: "Wie gehen wir mit uns selber um, und was tun wir uns an? Was ist Schönheit? Was sind unsere eigenen Bedürfnisse, und wann erfüllen wir nur die der Männer?" Und die neue Frauenbewegung beschränkte sich nicht aufs Reden und Fordern. Sie schritt auch selbst zur Tat. Als die Feministinnen herausfanden, wie viele Frauen von ihren Männern misshandelt werden, schufen sie "Häuser für geschlagene Frauen", kurz "Frauenhäuser" genannt. Sie richteten "Notrufe" ein, in denen Vergewaltigungsopfer Beistand fanden. Und sie sorgten dafür, dass der sexuelle Missbrauch von Mädchen (und Jungen) nicht mehr stillschweigend hingenommen wurde. Sie gründeten Verlage, Buchhandlungen, Zeitungen, Archive und Gesundheitszentren. Sie veranstalteten Ausstellungen, Konzerte, Filmfestivals. Viele dieser Projekte und Initiativen gibt es auch heute noch.

Die Erfolge

Die neue Frauenbewegung hat viel erreicht. Frauen haben mehr Selbstbewusstsein und bessere berufliche Chancen als vor 30 Jahren. Sie sind rechtlich endlich in allen Bereichen den Männern gleichgestellt. Ein uneheliches Kind ist keine Schande mehr. Scheidungen stürzen Frauen nicht mehr in Existenznot. Ehemänner, die ihre Frauen und Kinder schlagen, müssen (wenn die Frau das will) die Wohnung verlassen. Vergewaltigung in der Ehe ist nicht mehr rechtens. In Kinderbüchern (und im wahren Leben) sind Mädchen häufig mutig klug und ganz schön frech. Es gibt Pfarrerinnen und Museumsdirektorinnen, Pilotinnen und Chefärztinnen, Schreinerinnen und Webdesignerinnen.

Ingrid Strobl, Stand vom 22.08.2011
Sendung: Frau (un)gleich Mann, 22.08.2011

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