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Die Krönung Ottos I. in Aachen

Im zehnten Jahrhundert lebte im Kloster Corvey nahe der Weser ein Mönch namens Widukind. Wie alle Mönche sollte er vor allem beten, arbeiten und Literatur zum Lob Gottes schreiben. Unüblich war dagegen, dass sich Mönche stattdessen mit dem Leben und den Taten von Königen und Fürsten befassten. Widukind tat es trotzdem, er verfasste um 967 eine Schrift namens "Res gestae Saxonicae", zu Deutsch etwa: "Die Sachsengeschichte". Sie ist eine der bedeutendsten Quellen der deutschen Geschichte im Mittelalter: Widukind erzählt, wie die sächsischen Könige im zehnten Jahrhundert das ostfränkische Reich regierten. Und er schildert, wie nach dem Tode König Heinrichs I. dessen zweiter Sohn Otto am 7. August 936 in Aachen zum neuen König erhoben und feierlich mit einem, wie er sagt, "Diadem" gekrönt wurde.

m Innenbereich des Aachener Doms befindet sich die Säulenhalle. Zu sehen sind die riesigen sandsteinfarbigen Pfeiler. Hier fand im Jahre 936 die Krönung Ottos I. zum ostfränkischen König statt. (Rechte: dpa)

Im Aachener Dom wurde Otto I. gekrönt

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Die Krönung - eine feierliche Zeremonie

" ... Und als man dorthin gekommen war, versammelten sich die Herzöge und obersten Grafen mit der übrigen Schar vornehmster Ritter in dem Säulenhof, der mit der Basilika Karls des Großen verbunden ist, setzten den neuen Herrscher auf einen dort aufgestellten Thron, huldigten ihm, gelobten ihm Treue, versprachen ihm Unterstützung gegen alle seine Feinde und machten ihn nach ihrem Brauch zum König.

Während dies die Herzöge und die übrige Beamtenschaft vollführten, erwartete der Erzbischof mit der gesamten Priesterschaft und dem ganzen Volk im Innern der Basilika den Auftritt des neuen Königs. Als dieser erschien, ging ihm der Erzbischof entgegen, berührte mit seiner Linken die Rechte des Königs, während er selbst in der Rechten den Krummstab trug, bekleidet mit der Albe, geschmückt mit Stola und Meßgewand, schritt vor bis in die Mitte des Heiligtums und blieb stehen. Er wandte sich zum Volk um, das ringsumher stand - es waren nämlich in jener Basilika unten und oben umlaufende Säulengänge -, so daß er vom ganzen Volk gesehen werden konnte, und sagte: 'Seht, ich bringe euch den von Gott erwählten und von dem mächtigen König Heinrich einst designierten, jetzt aber von allen Fürsten zum König gemachten Otto; wenn euch diese Wahl gefällt, zeigt dies an, indem ihr die rechte Hand zum Himmel emporhebt.' Da streckte das ganze Volk die Rechte in die Höhe und wünschte unter lautem Rufen dem neuen Herrscher viel Glück.

Dann schritt der Erzbischof mit dem König, der nach fränkischer Sitte mit einem eng anliegenden Gewand bekleidet war, hinter den Altar, auf dem die königlichen Insignien lagen: das Schwert mit dem Wehrgehänge, der Mantel mit den Spangen, der Stab mit dem Zepter und das Diadem ... nahm von dort das Schwert mit dem Wehrgehänge auf, wandte sich an den König und sprach:
'Nimm dieses Schwert, auf daß du alle Feinde Christi verjagst, die Heiden und schlechten Christen, da durch Gottes Willen dir alle Macht im Frankenreich übertragen ist, zum unerschütterlichen Frieden für alle Christen.'
Dann nahm er die Spangen, legte ihm den Mantel um und sagte: 'Durch die bis auf den Boden herabreichenden Zipfel deines Gewandes seist du daran erinnert, mit welchem Eifer du im Glauben entbrennen und bis zum Tod für die Sicherung des Friedens eintreten sollst.'
Darauf nahm er Zepter und Stab und sprach:
'Durch diese Abzeichen bist du aufgefordert, mit väterlicher Zucht deine Untertanen zu leiten und in erster Linie den Dienern Gottes, den Witwen und Waisen die Hand des Erbarmens zu reichen; und niemals möge dein Haupt ohne das Öl der Barmherzigkeit sein, auf daß du jetzt und in Zukunft mit ewigem Lohn gekrönt werdest.'
Auf der Stelle wurde er mit dem heiligen Öl gesalbt und mit dem goldenen Diadem gekrönt ... und nachdem die rechtmäßige Weihe vollzogen war, wurde er ... zum Thron geführt, zu dem man über eine Wendeltreppe hinaufstieg, und er war zwischen zwei Marmorsäulen von wunderbarer Schönheit so aufgestellt, daß er von da aus alle sehen und selbst von allen gesehen werden konnte."

Quelle: Widukind von Corvey: Res gestae Saxonicae (Die Sachsengeschichte). Lat./dt. Übersetzung und herausgegeben von Ekkehart Rotter und Bernd Schneidmüller. Reclam-Verlag, Stuttgart 1981, S. 105/107/109.

Claudia Kracht, Stand vom 14.07.2011
Sendung: Edle Steine – Von glitzernden Diamanten und funkelnden Kostbarkeiten, 22.07.2011

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