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Mobilität von morgen

Mobil zu sein, ist ein Muss in modernen Gesellschaften. Doch die Mobilität von heute ist teuer erkauft: Umweltbelastungen, Klimaerwärmung, Verkehrsinfarkt, Lärm, Schmutz, Unfälle. Das Auto ist für die meisten nicht mehr Statussymbol, sondern nur noch notwendiges Übel. Und für immer mehr Menschen nicht einmal mehr das: Gerade bei der jungen Generation geht der Trend zur "Demotorisierung". Doch wie werden wir uns in Zukunft fortbewegen?

Mit dem Gyrocopter zur Arbeit (4'56'')

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Das Ende des Ölzeitalters

Erdöl ist ein fossiler Brennstoff, der nicht unbegrenzt vorhanden ist. Einerseits nimmt der weltweite Verbrauch stetig zu, andererseits sind die vorhandenen Ölquellen immer schwieriger zu erschließen. Experten gehen davon aus, dass 2010 bereits 40 Prozent aller Erdölvorräte auf der Erde gefördert waren und dass der Zeitpunkt, zu dem die Ölförderung ihren absoluten Höhepunkt erreicht, unmittelbar bevorsteht. Doch egal, ob die Vorräte 2050, 2070 oder 2100 zur Neige gehen: Bei sinkender Fördermenge werden die Ölpreise schon vorher derart zulegen, dass günstigere Alternativen gesucht werden müssen. Und das betrifft vor allem die Mobilität. Denn der Anteil des Verkehrssektors am weltweiten Ölverbrauch lag laut Greenpeace Mitte 2012 bei zirka 70 Prozent.

Autofahrer im Stau auf einer Autobahn. (Rechte: dpa)

Ständig im Stau: das Auto von heute

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Das Auto verliert an Relevanz

Die Zeiten, in denen das Auto als Statussymbol vergöttert und nicht hinterfragt wurde, sind vorbei. Gerade bei jungen Leuten, die in der Großstadt wohnen, hat das Auto in seiner heutigen Form an Relevanz verloren: Hohe Anschaffungs- und Betriebskosten schrecken genauso ab wie der permanente Stau in den Städten und die ständige Suche nach einem Parkplatz.

Forscher haben errechnet, dass jeder Deutsche durchschnittlich 60 Stunden jährlich im Stau verbringt. Auch als Attribut für Modernität und Coolness zieht das Auto gegen Computer und Handys immer häufiger den Kürzeren. Dazu kommt die schlechte Umweltbilanz: Obwohl die Autohersteller immer schadstoffärmere Modelle entwickeln, waren Pkw 2011 immer noch für 12 Prozent aller Kohlendioxid-Emissionen in Deutschland verantwortlich.

Messstation zur Verkehrsregelung auf einer Autobahn. (Rechte: Imago)

Zum Auto- kommt der Datenverkehr

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Intelligente Verkehrsleitsysteme, alternative Antriebe

Und dennoch: Um individuell mobil zu sein, wird auch in Zukunft kaum ein Weg am Auto vorbeiführen. Allerdings wird sich einiges ändern. Das Auto von morgen muss vor allem eines können: ohne Benzin auskommen. Diese Erkenntnis haben auch die Hersteller gewonnen und arbeiten verstärkt an Alternativen. Doch auch Elektroautos können Staus und Verkehrsprobleme verursachen.

Deshalb sollen intelligente Verkehrsleitsysteme in Zukunft die Autofahrer möglichst staufrei durch die Straßen lotsen. In Echtzeit werden Daten über die Auslastung von Straßen gesammelt und verarbeitet und mit den Daten der Verkehrsteilnehmer zu Wegstrecke, Geschwindigkeit, Reiseziel, Fahrbahnbeschaffenheit et cetera abgeglichen. So soll jeder Autofahrer eine individuelle Fahrtempfehlung erhalten, die ständig mit den aktuellen Verkehrsverhältnissen abgeglichen wird, gegebenenfalls werden dann Alternativrouten vorgeschlagen.

Strategien für die Zukunft (4'30'')

Und noch etwas dürfte in Zukunft zu weniger Staus beitragen: Die Anzahl der Autos wird zurückgehen - zumindest in den westlichen Industrieländern. Das hängt einerseits mit dem demografischen Wandel zusammen: Die Geburtenraten sinken, die Zahl der Älteren steigt. Aber auch mit einer Abkehr vom eigenen Auto, die sich gerade bei jungen Leuten zum Trend entwickelt. Schon in den Jahren zwischen 2001 und 2010 nahm die Zahl der in Deutschland angemeldeten Autos um 2,45 Millionen auf 41,35 Millionen ab.

Und der Trend, der sich vor allem in Großstädten beobachten lässt, dürfte in Zukunft noch zunehmen. Denn Wissenschaftler gehen davon aus, dass 2030 zwei Drittel der Menschheit in Ballungsräumen mit mehr als einer Million Einwohner leben. Der Besitz eines eigenen Autos wird vielerorts nicht mehr nötig sein. Wer einen Wagen braucht, kann dann auf komfortable Sharing- oder Leasing-Modelle zurückgreifen, die bereits heute erprobt werden.

Straßenbahn und Bus stehen nebeneinander. (Rechte: dpa)

Die Bedeutung von Bus und Bahn wird zunehmen

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Verkehrsmittel werden kombiniert

Doch Mobilität bedeutet nicht nur Autofahren. Auch öffentliche Verkehrsmittel wie Busse und Bahnen werden in Zukunft noch mehr genutzt werden. Verkehrswissenschaftler empfehlen, leichtere Übergänge zwischen den verschiedenen Verkehrsmitteln zu schaffen, um den Erfordernissen gerecht zu werden. Man leiht sich spontan ein Fahrrad, fährt damit zur Bahn, sucht sich während der Bahnfahrt per Handy einen Mietwagen am Zielbahnhof aus, mit dem man zum Ziel fährt - und am Ende des Monats werden die zurückgelegten Kilometer mit dem persönlichen Mobilitätskonto abgeglichen, auf das man sich jederzeit gegen Bezahlung Punkte laden kann. So sieht eine Vision von vielen aus. 

Natürlich kann und wird man auch in Zukunft dank eigener Muskelkraft mobil sein. Gerade in den Großstädten fahren immer mehr Menschen Fahrrad. Und zwar nicht nur als Sport und in der Freizeit, sondern auch auf dem Weg zur Arbeit. Selbst in Banken, Kanzleien oder Unternehmensberatungen ist es nicht mehr verpönt, wenn Mitarbeiter mit dem Rad statt mit der repräsentativen Limousine kommen. Die Stadt- und Verkehrsplaner fördern das mit besser ausgebauten Radwegen, selbst Fahrradparkhäuser sieht man immer öfter. Auch die öffentlichen Verkehrsnetze passen sich der Entwicklung an. In immer mehr Bussen und Zügen kann man sein Rad mitnehmen. Und es spricht noch mehr für das Fahrradfahren: Es ist billig, gesund, sehr flexibel und verursacht keine Abgase.

Rad fahren ohne Anstrengung (1'09'')

Elektrische Fahrräder und Mini-Hubschrauber

Selbst derjenige, dem Radfahren zu anstrengend ist, hat in Zukunft keine Ausrede mehr. Denn elektrisch verstärkte Räder, sogenannte Pedelecs (Pedal Electric Cycle), sind im Kommen. Pedelecs haben einen Akku, der nach Bedarf zugeschaltet werden kann oder die vorhandene, durch Muskelkraft erzeugte Pedalbewegung verstärkt. Bei 25 Kilometern pro Stunde ist Schluss, wer schneller fahren will, muss strampeln. Dafür braucht man für ein Pedelec keinen Führerschein und kann auch Radwege benutzen oder sein Rad in der Bahn mitnehmen. In Holland wurden 2011 schon 180.000 Pedelecs verkauft, und auch in Deutschland sieht man immer mehr dieser Gefährte.

Flyke - halb Fahrrad, halb Fluggerät (2'50'')

Der Elektroroller Segway, der bei seiner Vorstellung 2001 als Fortbewegungsmittel der Zukunft gepriesen wurde, hatte vor allem in Europa lange mit komplizierten Genehmigungsverfahren zu kämpfen. So ist der Standroller mit den parallel montierten Rädern bislang ein Nischenprodukt geblieben.

Das dürfte auch für Fluggeräte wie Gyrokopter oder Flugfahrräder gelten. Zwar ist die Route durch die Luft ein guter Weg, um Staus zu entkommen und schnell und direkt sein Ziel zu erreichen. Allerdings haben Mini-Helikopter oder fliegende Fahrräder zwei große Haken: Sie sind vergleichsweise teuer, und man benötigt eine Pilotenlizenz, um sie fliegen zu dürfen. Diesen Aufwand werden wohl auch in Zukunft nur die wenigsten betreiben - und stattdessen im Auto oder Bus, in der Bahn oder auf dem Fahrrad von A nach B gelangen.

Ingo Neumayer, Stand vom 08.10.2012
Sendung: Mobilität von morgen - Raus aus dem Stau, 08.10.2010

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