Organisationen

Feuerwehr

Brände zu löschen, war lange Zeit die wichtigste Aufgabe der Feuerwehr. Heute geht es nur noch in etwa fünf Prozent aller Einsätze um Brände und Explosionen. Feuerwehrleute sind wahre Allroundtalente: Sie helfen, bergen, retten und schützen.

Von Christoph Teves und Robert Manz

Vom Gottvertrauen zur Organisation

Ludwig Carl Scabell hieß der Bauinspektor und Oberspritzenkommissarius, der 1851 in Berlin die erste Berufsfeuerwehr ins Leben rief. Zuvor regelten in vielen deutschen Städten Brandverordnungen mehr schlecht als recht den Schutz der Bürger.

Selbsthilfe war gefragt und jede Menge Gottvertrauen. So verwundert es nicht, dass die ersten Berufsfeuerwehren oft erst gegründet wurden, nachdem eine Katastrophe geschehen war.

In Köln zum Beispiel war der Auslöser, neben der ständig steigenden Zahl von Bränden, vor allem der Brand des Stadttheaters im Jahr 1869: Sieben Menschen, darunter fünf Kinder, waren dabei ums Leben gekommen.

Der Ruf in der Kölner Bevölkerung nach einer Berufsfeuerwehr war laut. Doch es vergingen noch drei Jahre, bis die ersten 50 Berufsfeuerwehrleute ihren Dienst antraten.

Feuerwehrmänner nannten sich selbst gern "Feuerfresser" | Bildquelle: picture alliance / ullstein bild - ullstein bild

Freiwillige vor

Gesetzlich ist die Feuerwehr in Deutschland Ländersache. Deshalb unterscheiden sich Organisation und Finanzierung der Feuerwehren zum Teil von Bundesland zu Bundesland.

Grundsätzlich kann man zwischen Berufs-, Freiwilligen- und Werks- oder Betriebsfeuerwehren unterscheiden. Von den gut 1,3 Millionen deutschen Feuerwehrleuten arbeitet fast eine Million ehrenamtlich in der Freiwilligen Feuerwehr (Stand: Dezember 2020).

Gut 100 Berufsfeuerwehren gibt es in Deutschland sowie mehr als 22.000 Freiwillige Feuerwehren. Hinzu kommen mehr als 20.000 Jugendfeuerwehren sowie etwa 750 Werksfeuerwehren.

Die einzelnen Ländergesetze regeln, wann Städte und Gemeinden eine Berufsfeuerwehr errichten müssen. Vereinfacht kann man sagen, dass Städte und Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnern verpflichtet sind, eine Berufsfeuerwehr einzurichten. Neben der Größe spielt aber zum Beispiel auch der Status der Städte (etwa in Nordrhein-Westfalen: kreisfreie Städte) eine Rolle.

In jedem Fall muss sichergestellt sein, dass Lösch- und Rettungskräfte zur Verfügung stehen, die den Ortsverhältnissen angemessen sind. Brandherde und Unfallorte sollten innerhalb von acht bis zehn Minuten erreichbar sein. Diese Regel sorgt dafür, dass es in Deutschland ein recht engmaschiges Netz von Feuerwachen gibt.

Mehr als eine Million Feuerwehrleute arbeitet ehrenamtlich | Bildquelle: WDR/dpa/Marcus Führer

Allroundtalente in Sachen Hilfe

Die Aufgaben der Feuerwehr werden oft mit den Schlagworten "Retten, Löschen, Bergen, Schützen" zusammengefasst. Brände zu löschen ist die älteste Aufgabe der Feuerwehr und war lange auch die wichtigste. Das hat sich allerdings im Laufe der Zeit geändert. Die Zahl der Brandbekämpfungen ist zurückgegangen, neue Aufgaben sind hinzugekommen.

2020 gab es knapp 4,1 Millionen Feuerwehreinsätze in Deutschland. Dabei ging es nur in rund fünf Prozent aller Fälle um Brände und Explosionen, knapp 400 Menschen starben 2020 in Deutschland durch Rauch, Feuer und Flammen. Viel häufiger sind inzwischen Einsätze für den Rettungsdienst.

In Köln ist beispielsweise jeder Berufsfeuerwehrmann auch ausgebildeter Rettungssanitäter. Hier wickelt die Berufsfeuerwehr mehr als die Hälfte aller Rettungsdiensteinsätze ab. Den Rest übernehmen Hilfsorganisationen.

Technische Hilfeleistung ist ein weiteres wichtiges Aufgabengebiet der Berufsfeuerwehr. Sie befreit zum Beispiel eingeklemmte Personen nach Verkehrsunfällen, pumpt bei Hochwasser die Keller wieder leer und kappt nach Stürmen lädierte Bäume.

Der "Vorbeugende Brandschutz" arbeitet daran, dass es in vielen Fällen erst gar nicht zur Katastrophe kommt: Er berät Interessierte und trainiert mit Lehrern und Kindern den richtigen Umgang mit Feuer.

Brand im Tunnel | Bildquelle: dpa/Bodo Schackow

Familie ohne Frauen?

Wegen des großen Zusammenhalts bezeichnen sich Feuerwehrleute gern als große Familie. Auffällig ist bei dieser Familie jedoch, dass sie überwiegend aus Männern besteht. Es gibt etwa eine Million freiwillige Feuerwehrleute, davon sind allerdings nur rund zehn Prozent Frauen.

Bei der Berufsfeuerwehr ist der Männerüberschuss sogar noch deutlicher: Von rund 35.000 hauptberuflichen Feuerwehrkräften in Deutschland sind nur 2,3 Prozent Frauen (Stand 2020). Der Grund liegt neben den hohen körperlichen Anforderungen beim Eignungstest auch an den Einstellungsvoraussetzungen vieler Feuerwehren.

Die meisten Berufsfeuerwehren setzen eine handwerkliche Ausbildung oder ein technisches beziehungsweise naturwissenschaftliches Studium voraus. In diesen Bereichen sind Frauen seit jeher unterrepräsentiert und von den wenigen Frauen, die eine passende Ausbildung absolviert haben, hat nur ein Bruchteil Interesse am Feuerwehrdienst.

(Erstveröffentlichung 2010. Letzte Aktualisierung 16.01.2023)