Margarete Steiff – Mutter der Steifftiere

Schwarzweiß-Foto: Margarete Steiff schaut sich einen Teddybären an.

Geschichte des Spielzeugs

Margarete Steiff – Mutter der Steifftiere

  • Margarete Steiff beginnt ihre Karriere als Modeschneiderin in der Werkstatt ihrer Schwestern
  • Aus Spaß näht sie einen kleinen Stoffelefanten, der schon bald zu einem Verkaufsschlager wird
  • Margarete Steiff entwickelt weitere Stofftiere, ihre Werkstatt wird zu einem kleinen Unternehmen
  • Ihr Neffe Richard hat die Idee, einen Teddybären zu produzieren, den zunächst keiner haben will
  • Ein amerikanischer Händler vertreibt den Bären sehr erfolgreich in den USA – aus der kleinen Fabrik wird ein Weltunternehmen

Mit einem kleinen Stoffelefanten fängt alles an. Margarete Steiff fertigt 1880 nur aus Spaß ihr erstes Stofftier an und ahnt noch nicht, was einmal daraus entstehen wird. Binnen weniger Jahrzehnte entwickelt sich ihre kleine Nähwerkstatt zu einem Unternehmen von Weltrang. Die von der Firma Steiff produzierten Stofftiere gehören bis heute zu den bekanntesten Spielzeugen auf der ganzen Welt.

Ein starker Charakter

Margarete Appolonia Steiff wird am 24. Juli 1847 als drittes von vier Kindern im schwäbischen Giengen geboren. Im Alter von eineinhalb Jahren erkrankt sie an Kinderlähmung und sitzt fortan im Rollstuhl.

Doch trotz ihrer Krankheit ist sie neugierig, aktiv, voller Energie und sehr bestimmt. Sie ist fleißig und wissbegierig und hat einen starken und rebellischen Charakter – zum Ärger ihrer Mutter, die eine sehr strenge, konservative Erziehung vertritt.

Dennoch setzt Margarete Steiff bei ihren Eltern durch, dass sie eine Nähschule besuchen darf. Da sie aufgrund ihrer Krankheit die rechte Hand nur unter Schmerzen benutzen kann, muss sie die Nähmaschine umdrehen. So bearbeitet sie den Stoff sehr umständlich, aber erfolgreich von der Rückseite der Maschine aus. Die Schule absolviert sie mit Erfolg, mit 17 Jahren ist sie eine ausgebildete Schneiderin.

Nach ihrer Ausbildung arbeitet Margarete zunächst in der Damenschneiderei ihrer beiden älteren Schwestern. Als die beiden Schwestern acht Jahre später den Heimatort verlassen, macht Margarete alleine weiter.

Nur wenig später baut ihr Vater das Elternhaus extra für sie um und richtet ihr einen eigenen Arbeitsraum ein – eine Schneiderei. 1877 eröffnet sie eine Filz-Konfektionsfirma und verkauft selbstgenähte Kleidungsstücke. "Kleider von der Stange" kommen in Mode, ihre Kundschaft wird immer größer. Schon bald stellt sie eine erste Arbeitskraft ein.

Vom Nadelkissen zum Kinderspielzeug

Margarete Steiff stellt nicht nur Kleidung her, sondern fertigt auch Nadelkissen aus Filz an. 1880 näht sie aus Spaß einen kleinen Stoffelefanten. Das Schnittmuster hatte sie zufällig in einer Modezeitschrift gefunden.

Eigentlich sollte das "Elefäntle" als Nadelkissen dienen – doch schnell ist es bei Kindern als Spielzeug beliebt. Das erste Steiff-Tier ist geboren und mit ihm gleich eine ganze Firma – die Manufaktur Steiff.

In den ersten Jahren verkauft ihr jüngerer Bruder Fritz die kleinen Elefanten noch auf dem Markt, doch mit der Zeit werden die Stofftiere immer beliebter. 1885 verlassen 600 Elefanten die kleine Werkstatt, ein Jahr später sind es schon mehr als 5000.

Schwarzweiß-Foto der Produktionshalle der Firma Steiff zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die Produktion der Stofftiere wächst stetig

Nach wenigen Jahren bietet die Manufaktur eine ganze Reihe von Stofftieren aus Filz an. Die Kollektion wächst und Margarete Steiff wird Arbeitgeberin mehrerer Mitarbeiterinnen. Aufgrund der großen Produktion baut Fritz seiner Schwester 1890 ein eigenes Wohn- und Geschäftshaus: die Filz-Spielwaren-Fabrik. Margarete Steiff ist nun eine unabhängige und erfolgreiche Unternehmerin.

Familienbande

Schwarzweiß-Porträtfoto von Richard Steiff.

Richard ist der Lieblingsneffe von Margarete

Die kinderlose Margarete liebt die fünf Söhne ihres Bruders Fritz wie ihre eigenen. Sie dürfen die neuen Steiff-Tiere stets als Erste ausprobieren. Die Firma wächst schnell und braucht mehr Führungskräfte. In den Jahren 1897 bis 1906 stellt Margarete nacheinander ihre Neffen Richard, Paul, Franz, Hugo und Otto Steiff in der aufstrebenden Fabrik an.

Besonders eng und persönlich ist ihr Verhältnis zu ihrem Neffen Richard. Margarete schätzt seine Fantasie, seinen Humor und seine künstlerische Seite, aber auch seine Nüchternheit.

Sie schult ihn in allen Ausbildungsbereichen der Firma: Nähen, Entwerfen, Zuschnitt zeichnen und Büroarbeit. Zudem besucht er die Kunstgewerbeschule in Stuttgart und studiert in England. Das dort erworbene Wissen bringt er ab 1897 in die Firma seiner Tante ein. Richard Steiff wird zum kreativen Vordenker der Manufaktur.

Der Teddy-Boom beginnt

Schwarzweiß-Foto: Richard Steiff begutachtet den von ihm
entwickelten Plüschbären.

Richard Steiff mit dem "Bär 55 PB"

Als Richard 1902 nach einem Besuch in einem Stuttgarter Tiergarten die Idee hat, einen neuartigen Bären zu produzieren, zeigt sich Margarete zunächst nicht begeistert, präsentiert ihn aber dennoch auf der Leipziger Spielwarenmesse.

Der neu geborene "Bär 55 PB" ist der weltweit erste Plüschbär mit beweglichen Gliedmaßen. Der Name des Bären bedeutet, dass er 55 Zentimeter groß, aus Plüsch (P) und beweglich (B) ist.

Doch zunächst will ihn keiner kaufen. Erst am letzten Tag der Messe kommt ein amerikanischer Händler an den Stand und ist sofort begeistert von dem Stofftier. Er bestellt auf der Stelle 3000 Exemplare. Der Bär wird in den USA ein riesiger Verkaufsschlager. 1906 bekommt er dort den Namen, unter dem bis heute alle Plüschbären bekannt sind: Teddybär.

Die Schwarzweiß-Zeichnung zeigt US-Präsident Roosevelt mit Gewehr und abwehrender Geste. Im Hintergrund hält ein Mann den gefangenen Bären fest. Neben Roosevelt steht der Satz "Drawing the Line in Mississippi'."

"Teddy"-Karikatur der Washington Post

Wenige Jahre zuvor hatte sich der amerikanische Präsident Theodore "Teddy" Roosevelt als wahrer Bärenliebhaber bewiesen. Bei einer Jagd auf Schwarzbären in Mississippi soll ihm kein einziger Bär begegnet sein. Daraufhin fingen ihm seine Begleiter ein Jungtier und banden es an einen Baum. Doch der Präsident weigerte sich, auf den wehrlosen Bären zu schießen.

In der amerikanischen Tageszeitung "Washington Post" erschien eine Meldung über die erfolglose Bärenjagd des Präsidenten, begleitet von einer inzwischen weltberühmten Karikatur. Clifford K. Berryman zeichnete Roosevelt, der den Bären verschont. Roosevelt hatte seit der Veröffentlichung dieses Cartoons ein neues Image und der Bär einen neuen Namen: Teddy.

Ein Unternehmen von Weltrang

Großaufnahme eines stehenden rötlichen Teddybären.

Der Erfolgsschlager der Firma Steiff

1907 ist aus der kleinen schwäbischen Manufaktur eine Weltfirma entstanden. 400 Mitarbeiter und 1800 Heimarbeiter stellen neben vielen anderen Spielzeugartikeln allein 973.999 Teddybären her.

Margarete Steiff soll den Erfolg jedoch nicht lange auskosten können. Am 9. Mai 1909 stirbt sie an den Folgen einer Lungenentzündung. Die Leitung der Firma übernehmen ihre Neffen.

Diese treten ein schweres Erbe an. Während des Ersten Weltkriegs verhängen die deutschen Kriegsgegner Importverbote für die Produkte von Steiff. Zudem gelangt die Firma kaum noch an die für die Füllung und den Bezug benötigten Rohstoffe Filz und Plüsch.

In den "goldenen" 1920er Jahren erholt sich das Unternehmen wieder. Diesmal sind es jedoch nicht die Teddybären, die reißenden Absatz finden, sondern die neu entwickelten Stoffhunde. Um die hohe Nachfrage zu befriedigen, wird sogar die Fließbandproduktion eingeführt.

Großaufnahme des Plüschigels Mecki.

Mecki begründete den Erfolg nach dem Zweiten Weltkrieg

Doch diese Hochphase der Produktion dauert nur kurz. Während des Zweiten Weltkriegs kommt die Fertigung der Stofftiere komplett zum Erliegen. Teile der Hallen werden für die Produktion von Kriegsgerät geräumt.

Doch auch von diesen schweren Zeiten erholt sich das Familienunternehmen. 1947 startet die Produktion auf ein Neues und nur ein Jahr später werden wieder 1000 Mitarbeiter beschäftigt.

Den Erfolg in den folgenden Jahren begründet die Fertigung des Stofftieres "Mecki". Der Igel wird in den 1950er Jahren als Maskottchen der Fernsehzeitschrift "Hörzu" bekannt.

Bis heute kann sich das Traditionsunternehmen auf dem hart umkämpften Spielzeugmarkt erfolgreich behaupten. Mehr als 1,5 Millionen Plüschtiere werden jedes Jahr unter strengen Qualitätsstandards hergestellt.

Autoren: Andrea Schultens/Tobias Aufmkolk

Stand: 15.05.2017, 15:05

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