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Geschichte des Fotojournalismus

Das Aufmacherfoto von einer aktuellen Katastrophe in der Tageszeitung, der Schmollmund des Starlets auf der Fernsehillustrierten und die Fotokollage auf dem Politmagazin - Zeitungen leben heutzutage von Fotos. Da fällt es beinah schwer sich vorzustellen, dass es zunächst einige Jahrzehnte dauerte, bis sich das Pressefoto als vollwertiger Beitrag zur Berichterstattung etablieren konnte.

Abgebildet ist die Titelseite der "Berliner Illustrierten Zeitung", Nr.34 aus dem Jahr 1914. Ein fast ganzseitiges Foto zeigt zwei deutsche Politiker, die in Badehose in einem See stehen. (Rechte: Agfa Photo-Historama)

Illustrierte leben von guten Bildern

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Anfänge des Fotojournalismus

Als gegen Mitte des 19. Jahrhunderts die fotografische Technik beherrschbar geworden war, wuchs auch das Interesse der Zeitungen am neuen Medium. Allerdings war man damals noch nicht darauf erpicht, schonungslos die Realität abzubilden. Es kam eher darauf an, Personen und Ereignisse möglichst vorteilhaft darzustellen. Der Engländer Roger Fenton, einer der ersten Pressefotografen, fotografierte zum Beispiel den Krimkrieg 1855 noch als eine Art Heldenepos. Erst der Amerikaner Mathew B. Brady dokumentierte 1861 den amerikanischen Bürgerkrieg auch von seiner schrecklichen Seite. Für die ersten Fotojournalisten war der neue Beruf kein leichtes Brot. Ihr Ruf war schlecht, denn noch wurden die Fotografen als Handlanger der Reporter angesehen. Außerdem gab es noch keine Blitzlichter, nur den Magnesiumpulverblitz. Der aber rauchte, stank und blendete. Die Gesichter auf den Fotos sahen ziemlich bleich und unvorteilhaft aus.

Auf diesem Foto von 1973 ist der US-Schwergewichtsboxer Muhammad Ali zu sehen, wie er mit einem rechten Haken den Boxer Ken Norton in den Nacken trifft. Norton versucht sich zu ducken. (Rechte: dpa)

Mit Sportbildern fing alles an

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Die ersten Bildnachrichten

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnte sich das Foto in der Presse richtig durchsetzen. 1904 baute der englische "Daily Mirror" als erste Zeitung der Welt vermehrt Fotos auf seinen Seiten ein. Die "New York Times" druckte erst ab 1922 regelmäßig Fotos ab. Bis dahin blieb es üblich, Kupferstiche und Zeichnungen zu verwenden. Das Bild war zu dieser Zeit ohnehin eher Illustration als Nachricht. Fotos wurden deshalb auch bis mindestens 1910 bedenkenlos retuschiert. Erst in den 20er Jahren gab es einen Umschwung, als die ersten Bildnachrichten auftauchten. Diese ersten Momentaufnahmen mit eigenem Nachrichtenwert waren Sportbilder. Der endgültige Durchbruch gelang dem Fotojournalismus, als es möglich war, die Apparate zu verkleinern und so ihre Einsatzmöglichkeiten zu vervielfachen. Wegweisend waren die Entwicklung der Kleinplattenkamera "Ermanox" und der Kleinbildkamera Leica Mitte der 20er Jahre.

Schwarzweiß-Bild von Erich Salomon. Er lehnt an einer Tür, hat eine Kamera in der Hand und schaut den Fotografen an. (Rechte: dpa)

Erich Salamon - Pionier unter den Fotografen

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Erich Salomon

Der Jurist Erich Salomon (1886-1944) war einer der ersten, der diese neuartige Technik benutzte. Er erkannte, dass sich mit den kleinen Kameras relativ unbemerkt Fotos "schießen" lassen. So gelangen ihm einmalige Bilder von Prominenten. Als zum Beispiel 1930 die Siegermächte des Ersten Weltkriegs über den Fortgang der Reparationszahlungen verhandelten, schlich er sich heimlich in den Konferenzraum. Er fand die Politiker, die dort tagen sollten, schlafend in ihren Sesseln vor. Salomon ließ sich diese Gelegenheit nicht entgehen - er fotografierte sie. Das Foto ging um die Welt. Die "heimlichen" Einblicke, die seine Fotos verschafften, wurden zugleich auch zu seinem Markenzeichen. Bei ihm waren die Menschen hinter der großen Politik zu sehen. Erich Salomon wurde der erste Star seiner Zunft und verhalf damit der ganzen Branche zu mehr Ansehen und wachsender Bedeutung.

Das Bild zeigt Fußballer Franz Beckenbauer im Jahr 1974, wie er freudestrahlend die Trophäe für die Fußball-WM in die Höhe hält. Hinter ihm stehen applaudierende Zuschauer. (Rechte: dpa)

Bilder, die sich einprägen

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Der Siegeszug der Bildillustrierten

1936 erschien in New York eine neue Wochenzeitschrift: "Life". Das revolutionäre Konzept: nicht die Artikel, sondern die Bilder standen im Mittelpunkt. Nie zuvor waren Fotos so großformatig und mit so viel Sorgfalt in einer Zeitschrift publiziert worden. "Life" wurde zum Prototypen eines neues Magazinformats, das fortan weltweit kopiert wurde. Es blieb 35 Jahre lang die unangefochtene "Nr.1" des Bildjournalismus. Deutsche Kopien waren zum Beispiel die Zeitschriften "Quick", "Stern" und "Bunte". Erklärtes Ziel von "Life" war es, die Welt mit allen Mitteln für den Leser erlebbar zu machen.

Fortan rissen sich die Fotografen darum, für "Life" zu arbeiten. Denn wer dort abgedruckt wurde, "hatte es geschafft". Die Stars des Kultblattes waren immer auf der Suche nach dem ultimativen Bild. Keine Situation war ihnen zu gefährlich, keine Idee zu absurd. "Wenn deine Bilder nicht gut sind, bist du nicht nah genug dran gewesen", war die Devise Robert Capas, einem der bekanntesten "Life"-Fotografen. Eines seiner berühmtesten und beeindruckendsten Bilder zeigt einen fallenden Soldaten im spanischen Bürgerkrieg - offensichtlich aus allernächster Nähe aufgenommen. Da sich nun herausgestellt hatte, dass man mit guten Bildern hohe Auflagen erzielen konnte, wollten endlich auch die Fotografen an den wachsenden Einnahmen teilhaben. Agenturen wurden gegründet, die sich bereit erklärten, die Fotografen besser zu bezahlen und die dafür dann das Geschäft mit den Magazinen abwickelten. Einige der "Life"-Stars misstrauten allerdings den neuen Zwischenhändlern und hoben 1947 ihre eigene, unabhängige Agentur aus der Taufe: die "Photokooperative Magnum".

Auf dem schwarz-weißen Bild sitzen mehrere Paparazzi scheinbar gelangweilt vor einem Gebäude. Sie warten auf ihr Opfer. (Rechte: dpa)

Manchmal liegen sie tagelang auf der Lauer

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Paparazzi und digitale Revolution

Die Geschichte des Fotojournalismus ist auch die Geschichte der Dokumentation von Gewalt, Leid und Tod. Die bekanntesten Bilder stammen aus diesen Themenbereichen. Auch hier gilt "bad news is good news". Die Jagd nach spektakulären Bildern war und ist ein teils grausamer Wettbewerb um die schnellsten, besten und sensationellsten Bilder. Nicht selten riskieren Fotografen ihr Leben, um das optimale Bild zu ergattern.

Andere lauern tagelang auf den richtigen Moment. Die so genannten Paparazzi sind die Fotojournalisten mit dem schlechtesten Ruf. Ähnlich wie der Pionier Salomon, aber weniger geschmackvoll, bieten ihre Bilder intimste Einblicke in das Leben von Prominenten. Sie gelten als "Abschaum" der Journalisten, werden von ihren Opfern oft vor Gericht gebracht, aber ihre Bilder erzielen absolute Höchstpreise. Denn nichts verkauft sich besser als das Leben der Schönen und Reichen.

Die digitale Revolution ist auch am Fotojournalismus nicht spurlos vorüber gegangen. Bilder sind heute über das Internet schneller verfügbar denn je, Sensationen können blitzschnell weltweit verbreitet werden. Gleichzeitig hat die Digitalisierung des Fotos aber auch an seiner Glaubwürdigkeit gekratzt. Denn die Retouche-Möglichkeiten am Computer sind vielfältig. Blitzschnell und spurlos lassen sich zum Beispiel Gesichter austauschen oder zusätzliche Personen einsetzen. In den Medien selbst wurde viel darüber diskutiert, ob man einem Foto heute noch Glauben schenken kann. Fotografen und Zeitungsmacher beteuern aber, dass sie nicht die Absicht haben, ihr Publikum mit gefälschten Fotos zu täuschen. Durch die öffentlich geführte Diskussion ist das Publikum aber auch für das Problem sensibilisiert worden.

Salim Butt, Stand vom 01.06.2009

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