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El cante - Der Gesang

Für die Flamenco-Liebhaber hat der Gesang den höchsten Stellenwert. Gitarrenspiel und Tanz sind wichtiges, aber letztlich verzichtbares Beiwerk. Im Stimmideal des Flamencos spiegelt sich eine Mischung aus Schmerz, Not und Verzweiflung als grundlegendes Lebensgefühl: Die Stimme klingt gepresst, rau, oft heiser, zugleich brüchig und kraftvoll. Manche Sänger singen auch mit der Kopf- oder Falsett-Stimme und einige Sängerinnen glänzen mit der sogenannten "voz fácil", die eher sanft und leicht klingt.

Eine junge Frau singt in ein Mikrofon. (Rechte: Deiniger & Jaugstetter, ars vivendi Verlag)

Die Flamenco-Sängerin Rocío Alcala

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Für die Melodien sind Kleintonschritte typisch, die zwischen den Tönen der gebräuchlichen Tonleiter liegen und orientalisch klingen, und das Portamento, das stufenlose Gleiten vom einen Ton zum anderen. Auch die Dehnung und variable Wiederholung einzelner Silben ist häufig zu hören, sowie starkes Lippen- und Kehlkopf-Vibrato. Vermutlich gibt es etwa 50 verschiedene Typen des cante - melodisch, rhythmisch und harmonisch unterschiedliche Grundmodelle. Sie unterscheiden sich etwa darin, ob sie einem Taktschema folgen oder eher frei, ohne festes Zeitmaß gesungen werden. Oder darin, von welchen Liedformen sie sich ableiten, etwa den andalusischen Fandangos oder lateinamerikanischen Formen wie Rumba oder Tango. Die "coplas", die Texte, sind kurze, lyrische Gedichte in einer lebensnahen und zugleich poetischen Sprache. Eine Besonderheit des Flamenco-Gesangs ist auch die Vortragsweise, bei der die Strophen und gelegentlich sogar einzelne Worte ohne Rücksicht auf Zeilengliederung oder Sinneinheiten zergliedert werden.

Eine Tänzerin im schulterfreiem Kleid in markanter Pose. Ein Arm ist in die Hüfte gestützt, der andere mit gespreizten Fingern nach oben gestreckt. (Rechte: Palmyra Verlag)

Flamenco-Tänzerin

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El baile - Der Tanz

Der ursprüngliche Flamenco-Tanz ist ein Einzeltanz und wurde anfangs nur von Frauen getanzt. Wie bei der Musik zeigt sich auch hier der orientalische Einfluss: Die Tänzerinnen bewegen sich im Verhältnis zu den Männern eher weich und von der Hüfte an aufwärts. Generell ist der Flamenco-Tanz eher introvertiert. Die Tänzer bewegen sich auf engem Raum, machen keine großen Sprünge, die eng geführten Bewegungen sind hauptsächlich nach unten gerichtet. Die für uns heute typische markante Fußtechnik, der "Zapateo", breitete sich erst in unserem Jahrhundert aus. Er kennzeichnet vor allem den heftigeren und kraftvolleren Tanzstil der Männer, bei denen die Fußtechnik im Vordergrund steht.

Bei den Frauen dominiert die Armführung. Auch die Neigung des Oberkörpers, der Hüftschwung und das Zucken der Schultern sind ihnen vorbehalten. Grundsätzlich ist der Tanz abstrakt, er veranschaulicht weder ein Thema noch imitiert er eine Handlung. Ein Tänzer oder eine Tänzerin muss die einem bestimmten Tanz zugeordneten Bewegungsabläufe kennen und unerbittlich den Rhythmus halten können. Welche Bewegungen sie aber im Einzelnen ausführen, hängt nur von ihren aktuellen Gefühlen und ihren Improvisationsfähigkeiten ab. Im Laufe seiner Geschichte integrierte der Flamenco-Tanz viele Einflüsse aus Volk- und Modetänzen wie auch aus dem Klassischen Ballett und modernen Tanzstilen.

Gitarrist mit Instrument. (Rechte: Deiniger & Jaugstetter, ars vivendi Verlag)

Gitarrist in der Bar la Cabonería in Sevilla

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El toque - Das Gitarrenspiel

Ursprünglich war der Flamenco-Gesang unbegleitet, oder er wurde mit den Mittel des "son" unterstützt - Tönen, die man mit dem Körper erzeugen kann, wie Händeklatschen, Klopfen mit den Knöcheln auf den Tisch, Fußstampfen und Fingerschnipsen. Die Begleitung mit der Gitarre ist erstmals für das 16. Jahrhundert belegt. Sie wurde Mitte des 19. Jahrhunderts allgemein üblich, als der Flamenco in den "cafés cantantas" ein größeres Publikum anzog. Die Hauptaufgabe des Gitarristen ist die Begleitung des Gesangs, die rhythmische und melodische Unterstützung. Zwischen den Abschnitten des Gesangs fügt er Falsetas ein, solistische Melodielinien, die die Gesangsparts verbinden und erweitern. Sie orientieren sich am Stil des jeweiligen "cante".

Im Verhältnis zur normalen Konzertgitarre ist die Flamenco-Gitarre in der Regel kleiner und leichter. Durch ihre besondere Bauweise mit einer leichten Deckenkonstruktion aus Fichte verfügt sie über einen hellen und aggressiven Klang. Für die Spielweise ist das "rasgueado" typisch, bei dem die Schlaghand wie ein sich öffnender Fächer über die Seiten gleitet; das Klopfen und Schlagen auf die Resonanzdecke und die Improvisation der "falsetas". Vom bloßen Begleiten haben sich die Flamenco-Gitarristen längst gelöst und den Flamenco zu einer hochvirtuosen, eigenständigen Musik weiterentwickelt.

Johannes Hirschler, Stand vom 27.01.2010

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