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Interview: Silke Aichhorn

Silke Aichhorn ist eine der gefragten Harfenistinnen der Gegenwart und hat schon mit den verschiedensten Orchestern, unter anderem mit dem Thai Philharmonic Orchestra, den Münchner Symphonikern und dem SWR Rundfunkorchester Kaiserslautern zusammengespielt. Für sie gehören Harfen zu den Instrumenten, die am schwierigsten zu spielen sind.

Silke Aichhorn im Planet Wissen Studio (Rechte: SWR/Brigitte Karwath)

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Planet Wissen (PW): Auch auf die Gefahr hin, dass Sie das wahrscheinlich immer gefragt werden, Warum spielen vor allem Frauen Harfe? Es gibt etwa nur fünf Prozent männliche Harfenisten. Ist die Harfe ein typisch weibliches Instrument?

Nein. Man braucht eigentlich viel Kraft, um es zu spielen. Es liegt vor allem daran, dass Männer sich nicht trauen. Harfe spielen ist vergleichbar mit Ballett - das machen auch nur wenige Männer oder Jungs. Das Klischee oder Image, das die Harfe hat, trifft in Wahrheit nicht zu.

PW: Welche körperlichen Voraussetzungen braucht man, um Harfe spielen zu können? Dicke oder dünne Hände?

SA: Entgegen allen Klischees: Man braucht sehr viel Power und Kraft, um Harfe zu spielen. Also ideal sind große starke Hände, die viel beansprucht werden. Man muss wissen: Es bildet sich auch schnell eine Hornhaut auf den Fingern. Und man braucht eine gute Konstitution, um ein solches Instrument einen ganzen Abend spielen zu können.

PW: Ist die Harfe ein Instrument, das vergleichsweise schwer zu lernen ist?

SA: Harfen gehören zu den Instrumenten, die am schwierigsten zu spielen sind. Der ganze Körpereinsatz ist gefordert. Die Hände und Augen müssen sehr schnell sein. Immer muss ich mit den Augen schauen, ob ich noch richtig bin. Auch braucht es Koordination zwischen Händen und Füßen, wenn man das Pedal treten muss. Wenn die Pedale nicht gebraucht werden, dann hängen die Füße schon mal in der Luft, auch das ist anstrengend, gerade zu sportlich.

PW: Warum gibt es nur so wenig bekannte Komponisten, die extra für Harfe komponiert haben. Wie erklärt sich das?

SA: Vor allem jene Komponisten, die selber Harfenisten oder mit einer Harfenistin verheiratet waren, haben für Harfe komponiert. Mozart hat nur unter Zwang ein Harfestück geschrieben. Ansonsten gibt es Komponisten wie John Thomas oder Alphonse Hasselmann und Marcel Tournier. Lange Zeit galt die Harfe auch als wenig ausgereizt, weil man nicht alle Tonarten spielen konnte. Das änderte sich erst mit der Erfindung der Doppelpedalharfe von Erard. Ab diesem Zeitpunkt sind es erst die Komponisten des Impressionismus wie Ravel, die viel für Harfe komponieren.

PW: Wo kommt die Harfe heute überall zum Einsatz?

SA: Die Harfe ist vielfältig einsetzbar als Soloinstrument, im Duo, im Orchester oder in der Oper. Genauso gut kann die Harfe kammermusikalisch oder zur Liedbegleitung gespielt werden. Und vom Barock bis zum Jazz lässt sich jedes Stück auf einer Harfe spielen.

PW: Der Harfenklang spricht sehr viele Menschen an. Einmal abgesehen vom Konzertsaal, wo wird die Harfe heute noch überall eingesetzt?

SA: Harfe wird viel in der Heilarbeit angewendet, zum Beispiel bei Schlaganfallpatienten oder bei Alzheimerpatienten. Ich habe erlebt, dass eine Frau sehr positiv reagiert hat, als ich Harfe spielte, sie hat mitgesungen und war froh. Als das Spiel vorbei war, fiel sie wieder zurück in ihren Krankheitszustand. Auch Blinde waren ganz gebannt, als ich Harfe spielte, doch es geht eine Magie von dem Instrument aus.

PW: Man kennt ja die sphärischen Töne, die typisch für eine Harfe sind. Wie entstehen sie?

SA: Sie meinen das Glissando, das ist der wichtigste Effekt der Harfe. Erzeugt wird das Glissando, indem man über alle Harfensaiten hinweggleitet - das ist einmalig, das kann nur die Harfe.

PW: Harfen sind extrem große und schwere Instrumente, sind sie leicht zu transportieren?

SA: Obwohl eine Konzertharfe 40 Kilo wiegt, kann man sie problemlos auch in kleinen Autos transportieren, ohne sie zerlegen zu müssen.

PW: Aus wie vielen Teilen besteht eine Harfe?

SA: Eine Konzertharfe besteht je nach Ausführung aus über 2000 Einzelteilen, die in vielen Arbeitsstunden zusammengeschraubt, geleimt und gehämmert werden. Durch die viele Handarbeit sind die Konzertharfen auch sehr wertvolle Instrumente, die je nach Modell ziemlich teuer sind.

PW: Gibt es ein bestimmtes Holz, das für eine Harfe verwendet wird?

SA: Die Harfen sind meist aus Fichte. Nadelbaumhölzer sind sehr gut, weil sie gut schwingen. Allein das Furnier und die Verzierungen sind aus Mahagoni oder Rosenholz.

Sabine Kaufmann, Stand vom 30.03.2010

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