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Geschichte des Radios

"Hier ist Berlin, Voxhaus." Mit diesen Worten begann am 28. Oktober 1923 der Rundfunk in Deutschland. Plötzlich gab es Musik und Informationen vom Sender direkt ins Ohr. Nur sehr wenige haben die erste Stunde des Rundfunks in Deutschland am Radio mitverfolgt. Aber mit dem Angebot stieg auch die Hörerzahl. Was heute ganz selbstverständlich ist als "Nebenbei-Medium", war am Anfang eine Revolution.

Archivbild: Radiohörer im Jahr 1923 (Rechte: dpa/WDR)

1923 fing alles an

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Ein Foxtrott macht den Anfang

Als die Menschen begannen, mit Elektrizität zu experimentieren, bestand einer der ersten Versuche darin, Nachrichten zu übermitteln: erst mit Draht, bald ohne. Voraussetzung für die drahtlose Telegrafie war die Entdeckung der elektromagnetischen Wellen durch Heinrich Hertz in den Jahren 1887 und 1888. Röhrenbetriebene Sendeanlagen erzeugten Hochfrequenz-Schwingungen, welche die Übertragung von Sprache und Musik erlaubten.

Am Anfang dachte noch niemand an "Unterhaltungsrundfunk", sondern an den kommerziellen und militärischen Nutzen, eine Nachricht an viele Empfänger zu verbreiten. Schon im Ersten Weltkrieg wurden dazu Detektorgeräte und Röhrenapparate eingesetzt. Auch Börsendaten wurden so verbreitet. Der Rundfunk zu Unterhaltungszwecken begann zunächst in den Niederlanden und den USA. Am 28. Oktober 1923 war es dann auch in Deutschland so weit. Aus dem Berliner Voxhaus wurde ein Foxtrott zu Gehör gebracht.

Archivbild: Friseursalon mit Radiogerät (Rechte: WDR)

Jedes Gerät brauchte eine Genehmigung

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Der Staat bestimmt das Programm

Anfangs sah die Politik den Rundfunk skeptisch: Was würden die Massen mit dieser Technik anstellen? Doch Radiopionier Hans Bredow, der bei der Post für den Aufbau eines Rundfunknetzes zuständig war, konnte die Bedenken zerstreuen. Er sah im Rundfunk vor allem die Möglichkeit, die Hörer zu bilden und zu unterhalten. Allerdings wollte der Staat zur Zeit der Weimarer Republik sowohl die Inhalte als auch die Technik kontrollieren. Die Radio-Industrie wurde daher dazu verpflichtet, nur Geräte herzustellen, mit denen nur ein enger Mittelwellenbereich empfangen und nicht selbst gesendet werden konnte. Da die Technik aus der Telegrafie kam, war die Reichspost für Sende- und Empfangstechnik zuständig: Das Radio für zu Hause musste bei der Post mit einer Urkunde genehmigt werden. Außerdem hatte jeder Radiobesitzer eine Gebühr zu entrichten.

Archivbild: Adolf Hitler vor einem Radiomikrofon (Rechte: AKG)

Die Nazis machten sich das Radio zunutze

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Drittes Reich - das Radio wird Massenmedium

Nach ihrer Machtübernahme 1933 kontrollierten die Nationalsozialisten den Rundfunk. Da schon in der Weimarer Republik Sendeanlagen und Empfangstechnik staatlich kontrolliert waren, hatten die neuen Machthaber nicht viel Mühe, den Rundfunk ganz in den Dienst ihrer Ideologie zu stellen. Dazu machten die Nationalsozialisten, allen voran Propagandaminister Joseph Goebbels, zunächst das Radio zum Massenmedium und ließen ein billiges Gerät produzieren: den Volksempfänger, im Volksmund auch "Goebbelsschnauze" genannt. Zwar war es möglich, mit einem Volksempfänger ausländische Sender zu empfangen, allerdings war das Hören von "Feindsendern", insbesondere der britischen BBC, streng untersagt. Auf die Weitergabe der "Feindsender"-Informationen stand die Todesstrafe. Gerade in der Anfangszeit wurde diese zur Abschreckung tatsächlich auch verhängt und vollstreckt.

Archivbild: Radiohörerin in den 50er Jahren (Rechte: Interfoto)

Demokratie, Aufklärung und Unterhaltung

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Nachkriegszeit - staatsfern und dezentral

Nach ihrem Sieg im Zweiten Weltkrieg entzogen die Alliierten den Deutschen sofort die Kontrolle über den Rundfunk. Am 13. Mai 1945, fünf Tage nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands, verstummte der Sender Flensburg, die letzte Station des Propagandafunks. Nach dem Willen der drei westlichen Siegermächte durfte das Radio in Deutschland nie mehr zentrales Instrument der Informationsvermittlung werden. Eine staatsferne, öffentlich kontrollierte Rundfunkordnung sollte errichtet werden. Man entschied sich für das System der BBC: gebührenfinanziert, dezentral organisiert und durch Gremien kontrolliert.

Bald wurden wieder politische Informationen verbreitet und der Rundfunk zur Verbreitung demokratischer Ideen benutzt. Eingeführt wurden zum Beispiel Diskussionen und Sendungen mit Hörerbeteiligung. Auch Bildung und Unterhaltung spielten wieder eine Rolle, dazu kam Aufklärungsarbeit über den Nationalsozialismus. Von den Nürnberger Prozesse wurde mehrmals am Tag berichtet. Und Kultur war wichtig, denn die Deutschen hatten viel aufzuholen: Von der internationalen Entwicklung in Musik und Literatur waren sie lange abgeschnitten gewesen, viele große Künstler waren ins Exil gegangen. Jetzt konnte man sie wieder dank Hörspielen und Lesungen im Radio erleben. 1949 wurden die Sender in deutsche Hände gegeben. 1950 schlossen sich die Anstalten zur ARD zusammen, der Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands.

Die Einführung des UKW-Radios

Bis Mitte der 1950er Jahre sendete man in Europa vor allem auf Mittelwelle. Die Mittelwelle hatte sehr große Reichweiten, mit ihr ließen sich nationale Programme ausstrahlen. Nach dem Krieg wurden die Frequenzen auf der Kopenhagener Wellenkonferenz von 1948 neu verhandelt. Die Beschlüsse traten 1950 in Kraft. Deutschland als besetzte Nation war nicht vertreten und bekam nur ganz wenige, schlechte Frequenzen: Die Deutschen sollten ja sowieso keinen zentralen Rundfunk mehr haben. Die Alternative war die Ultrakurzwelle, die anders als die Mittelwelle nur sehr kurze Reichweiten, dafür aber eine bessere Qualität hatte.

Die ersten UKW-Sender Mitte der 50er Jahre hatten zunächst nur wenige Hörer, denn für den Empfang waren teure Radiogeräte nötig. Doch im Wirtschaftswunderland Deutschland konnten sich schnell immer mehr Menschen diese Radios leisten.

Archivbild: Mann hat Radio auf der Schulter und hört zu (Rechte: WDR)

Mehr Abwechslung, mehr Nachrichten, viel Musik

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Entwicklung des Popradios in Deutschland

Bis in die 70er Jahre schalteten die Hörer das Radio ganz gezielt für eine bestimmte Sendung ein. Auf die Hitparade folgte Klassik, dann Nachrichten und dann ein Hörspiel. Jeder Hörer hatte so seine Lieblingszeit aber keinen Lieblingssender. Das änderte sich mit der Einführung des Fernsehens, das dem Radio große Konkurrenz machte. Die Hörer sollten nun nicht mehr warten, bis "ihre" Sendung im Radio kam, sondern das Radio sollte sie durch den Tag begleiten . Die Folge waren mehr Abwechslung, mehr Nachrichten, schnellere Berichterstattung und viel Musik. Man passte sich den veränderten Hörgewohnheiten an.

Anfang der 70er Jahre starteten die ARD-Anstalten zusätzliche Pop- und Servicewellen. Pioniere waren Bayern 3 (Sendestart 1971), HR 3 (1972) und vor allem SWF 3 (1975). Die SWF 3-Sendung "Pop Shop" wurde zum Hörermagnet. Vorbild war wieder einmal die BBC. Sie hatte als erste europäische Anstalt eine Popwelle entworfen: BBC1. Popkultur, freche Moderation und die neusten Hits machten den Sender zum Kult.

Der Privatfunk entsteht

1981 machte das Bundesverfassungsgericht mit einem Urteil den Weg für den privaten Rundfunk frei. Stadtradios und landesweite Programme eroberten den Radiomarkt. Schwierige Zeiten für die öffentlich-rechtlichen Sender, die sich einerseits dem Zeitgeist und damit dem privaten Sound anpassen und andererseits eigene Akzente setzen mussten. Eine Folge war, dass die unterschiedlichen Programme der Öffentlich-Rechtlichen stärker nach Alter und Musikfarbe von einander abgegrenzt wurden. Um nicht noch mehr jugendliche Hörer an die Privaten zu verlieren, wurden neben den Pop- auch Jugendwellen etabliert.

Junger Mann mit MP3-Player (Rechte: Mauritius)

Hören, wann und wo man will

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Internet als Zukunft des Radios

Mittlerweile hat das Internet das Radio als "schnellstes Medium" überholt. Und während die Radiopräsenz für viele Musiker früher überlebenswichtig war, stellen viele von ihnen ihre neuen Lieder heute im Internet vor. Immer weniger Jugendliche besitzen überhaupt noch ein Radiogerät. Sie hören und kaufen Musik über das Internet. Deshalb sind die Radiosender auch im Netz präsent. Dort versorgen sie ihre Hörer nicht nur mit Artikeln und Fotos, sondern auch mit einem Livestream ihres Programms. Und ungezählte Webradios in der ganzen Welt bedienen den persönlichen Musikgeschmack rund um die Uhr. Weitere große Vorteile der Radioprogramme im Internet sind Podcasting und "Audio on demand" (Audio auf Abruf): Der Hörer kann genau die gewünschten Beiträge abonnieren beziehungsweise herunterladen, sie dann auf seinen Computer oder MP3-Player übertragen und jederzeit anhören. Manche Beiträge kann er zwar nicht herunterladen, dafür aber auf der Webseite des Senders anhören.

Christiane Gorse / Daniel Schneider, Stand vom 24.01.2012

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