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Jesus von Nazareth

Schauplatz ist das Palästina am Anfang unserer Zeitrechnung. Aus dem Nichts taucht ein jüdischer Wanderprediger auf, der mit mächtigen Worten und Gleichnissen die Menschen in seinen Bann zieht. Er redet vom nahenden Gottesreich und der Zeit der Umkehr. Er erzählt von einem liebenden, solidarischen Gott, der die Menschen unterschiedslos annimmt. Einige Juden erkennen in ihm den Messias, den "Gesalbten des Herrn", der das unterjochte Israel erlösen soll. Doch die Jerusalemer Führungsschicht sieht in ihm einen Aufrührer und Gotteslästerer. Der Mann wird gefangen genommen und von der römischen Besatzungsmacht gefoltert und hingerichtet. Doch sein Tod ist erst der Anfang.

Jesus Christus mit Dornenkrone am Kreuz. Detail eines gotischen Kruzifixes aus dem 15.Jahrhundert. (Rechte: dpa)

Sein Tod ist erst der Anfang

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Das Martyrium Jesu Christi

Im christlichen Glauben spielt der Kreuzestod Christi eine zentrale Rolle. Jesus ist als einziger Mensch ohne Schuld und musste dennoch einen entsetzlichen Tod erdulden. Diesen Tod hat er stellvertretend für den Südenfall jedes Menschen erlitten. Doch Jesu Leben endet nicht im Tod sondern mit einem Geheimnis. Am dritten Tag nach der Kreuzigung soll er wieder auferstanden sein und analog zu seiner Auferstehung verspricht er den Menschen auf dem ganzen Erdkreis das ewige Leben nach dem Tode.

Gemälde von Ferrando de Alme: Um den Leichnam Christi stehen und hocken mehrere Frauen. (Rechte: AKG)

Pontius Pilatus ließ Jesus kreuzigen

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Hoffen auf den Messias

Glaube und Mysterium des Christentums beruht auf historischen Wurzeln, die in ihrer Zeit gesehen werden müssen und damals durchaus nicht ungewöhnlich waren. Palästina war zur Zeit Jesu ein ständiges Pulverfass. Die Juden wurden politisch von den Römern schwer unterdrückt und finanziell geschröpft. Sie verfügten über keinerlei politische Rechte und hatten keine eigenen Gerichte. So konnte der jüdische Hohepriester Kajaphas Jesus damals nur anklagen, aber nicht hinrichten lassen. Nur die Römer konnten Todesurteile vollstrecken und der römische Präfekt Pontius Pilatus ließ Jesus schließlich kreuzigen.
Allerdings waren die Römer in religiösen Angelegenheiten liberal und ließen die religiöse Bräuche der unterworfenen Nationen zu. Doch die politische Unterjochung führte zu ständigen Auseinandersetzungen zwischen Juden und Römern.
Palästina entwickelte sich mehr und mehr zu einer instabilen Provinz des Römischen Reiches, denn im jüdischen Volk regte sich allmählich Widerstand gegen die Besatzer. Eine Befreiungsbewegung begann versteckt im Untergrund zu operieren, mit Gewalt sollten die verhassten Römer mit vertrieben werden. Di Zustände in der Provinz Judäa entgleiten immer mehr der Kontrolle der Römer, bis die zum Gegenschlag ausholen. Im Jahr 70 nach Christus kommt es dann zur großen Eskalation, Jerusalem wird von dem römischen Feldherrn Titus mit seinen Legionen vernichtet. Der berühmte Tempel der Juden wird geplündert, seine wertvollen Schätze als Kriegsbeute nach Rom gebracht. Die Besatzer stecken das Gotteshaus in Brand und zerstören systematisch die Stadt. Die Katastrophe im Jahr 70 nach Christus ist der Anfang vom Ende des alten jüdischen Staates.
Für die Juden war die Not durch die Unterdrückung der Römer zu Lebzeiten Jesu groß. In ihrer Bedrängnis erwarteten sie laut den Schriften des Alten Testaments die Befreiung durch einen Messias, der sie machtvoll retten und das Reich Gottes errichten würde. So war Palästina zur Zeit Jesu ein brodelnder Kessel unterschiedlicher religiöser Vorstellungen und Erwartungen. Es waren goldene Zeiten für Prediger, Seher und Propheten. Neben Jesus traten gleichzeitig viele weitere Charismatiker und Prediger auf, die sich als Heilsbringer verstanden und das Nahen des Reiches Gottes verkündeten.

Gemälde: Das heilige Abendmahl. (Rechte: AKG)

Aufrichtige Hinwendung zum Mitmenschen

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Hinwendung zum Mitmenschen

Jesus muss damals eine lokale Berühmtheit gewesen sein. Er muss Ausstrahlung gehabt haben, weil er die Menschen im Innersten berührte und dazu brachte ihm zuzuhören und zu folgen. Er muss ungeheuer anziehend gewesen sein, weil er sich rückhaltlos über allen Konventionen hinweg für die Menschen, besonders für die Armen uns Ausgestoßenen am Rande der Gesellschaft eingesetzt hat. Kernpunkt seiner Lehre ist damals wie heute die aufrichtige Hinwendung zum Mitmenschen, der Kampf gegen den Egoismus, die Ablehnung von Macht, Reichtum, Unterdrückung und Unmenschlichkeit. In seiner berühmten Bergpredigt geht er ausführlich darauf ein, dass die wirklich Not leidenden Menschen Gott am nächsten stehen und auf den bedingungslosen Beistand Gottes vertrauen dürfen. Ein zweiter wichtiger Punkt der Lehre Jesu besteht in der Möglichkeit zur Umkehr: Jesus holt die Menschen da ab wo sie sind. Für Jesus hat nicht allein der gesetzestreue, gerechte Mensch Zugang zu Gott sondern auch der, der bisher alles falsch gemacht und nicht gottesfürchtig gelebt hat. Jeder Mensch kann seine Fehler bereuen und auf Vergebung hoffen. Gott ist gemäß der Lehre Jesu für den Menschen da, er ist wie ein Vater, dem das Wohl seiner Kinder am Herzen liegt. Der Gott Jesu ist ein liebender Gott, der die Menschen annimmt, ohne irgendwelche Bedingungen zu stellen.

Das Gemälde zeigt Jesus mit Dornenkrone, Umhang und einem Stock. (Rechte: AKG)

Jesus ist kein Sozialrevolutionär

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Reformer und Erlöser

Zwangsläufig hat sich Jesus durch seine sehr eigenwillige Auslegung der jüdischen Schriften, sowie sein neues Gottesbild viele Feinde gemacht. Missstände im Judentum hat Jesus scharf angegriffen, zum Beispiel zögert er nicht die jüdischen Händler aus dem heiligen Tempel zu vertreiben. Jesus stellt die aufrichtige, unverstellte Beziehung zwischen Gott und den Menschen über alle jüdischen Gebote und Gesetze hinaus in den Mittelpunkt. "Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat." Aber Jesus ist kein Sozialrevolutionär, der bestehende gesellschaftliche Verhältnisse radikal umformen will. Er widersetzt sich den römischen Besatzern nicht politisch und nicht mit Gewalt, was ihm viele Anhänger verübeln. Jesus sagt selbst von sich, dass er nicht gekommen ist, um die Menschen von ihren irdischen Sorgen und Nöten zu befreien: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt". Jesus verkündet eine religiöse, keine irdische Botschaft, er ruft die Menschen zum Innehalten auf, zur Umkehr und zur Hoffnung in den Glauben an den Einen Gott. Der Kern seiner Botschaft ist die Erlösung durch die Auferstehung, das Versprechen Gottes an die Menschen, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern der Anfang vom ewigen Leben, dem Leben bei Gott.

Gregor Delvaux de Fenffe, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Götter, Priester, Heiligtümer - Von den Wurzeln des Glaubens, 18.12.2007

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Bildcollage zum Thema Weltreligionen (Rechte: SWR)

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