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Der historische Jesus

Der Theologe Rudolf Bultmann hat den treffenden Satz geprägt "Von Jesus wissen wir historisch eigentlich gar nichts; das, was wir sicher wissen, passt auf eine Postkarte". Es ist also sehr schwieriges Gelände, klare Fakten über die Gestalt Jesu zu ermitteln, da kaum verlässliches Quellenmaterial über den historischen Jesus existiert.

Gemälde der Geburt Jesu. (Rechte: AKG)

Tacitus erwähnte Jesu Geburt beiläufig

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Was wir von Jesus wissen

Jesus selbst hat seine Lebensgeschichte nicht aufgeschrieben und er hat uns weder irgend welche Schriften hinterlassen noch gibt es überlieferte Augenzeugenberichte. Wir besitzen keine Biographie Jesu, keine auf historische Tatsachen gestützte Beschreibung seines Lebens. Hinweise auf die Existenz Jesu gibt es in einigen jüdischen und römischen Quellen, die aber frühestens 100 Jahre nach seinem Tod erst verfasst wurden. So erwähnt etwa der römische Geschichtsschreiber Tacitus beiläufig Jesus 120 Jahre nach dessen Geburt in seinen Annalen "Der Stifter dieser Sekte, Christos, ist unter der Regierung des Tiberius durch den Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden."

Evangelium des Johannes in einer Bibel von 1706. (Rechte: AKG)

Die zentralen Texte der christlichen Religion

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Christliche Quellen

Die Geschichte Jesu findet sich insbesondere in den Jesus-Beschreibungen der vier Evangelisten wieder. Diese Beschreibung sind christliche Quellen und die zentralen Texte der christlichen Religion. Das Evangelium (griechisch: frohe Botschaft) des Neuen Testaments ist von vier unabhängigen Autoren verfasst worden, zwischen 65 und 100 nach Christus: Markus, Matthäus, Lukas und Johannes. Zwischen den ersten drei Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas gibt es viele übereinstimmende Passagen (Synopse). Das Evangelium des Johannes hat dagegen eine Einzelstellung und ist entscheidend von der griechisch-hellenistischen Philosophie geprägt. Die christlichen Quellen des neuen Testaments interessieren sich allerdings kaum für den historischen Jesus und biographische Einzelheiten aus seinem Leben. Wir erfahren nicht, was genau Jesus getan hat, bevor er Prediger wurde. Wir können nur Vermutungen darüber anstellen, ob er Geschwister hatte, wer seine Freunde und Lehrer waren, oder wie er aussah. Die Evangelien verstehen sich als Glaubenszeugnisse der Lehre Jesu, damals interessierten sich die Menschen für das Außergewöhnliche, die göttliche Botschaft, die von Jesus ausging und nicht für seine persönliche Biographie. Besonders deutlich kommt diese Auffassung von der Bedeutung Jesu auch in den Briefen des Apostels Paulus vor. Die paulinischen Briefe sind die ältesten christlichen Quellen, über die wir verfügen. Sie entwerfen Jesus fast als ein mystisches Wesen, dessen Menschsein nur eine vorübergehende, unwichtige Rolle gespielt hat.

Jesus und die Pharisäer, Bibel-Illustration von 1706. (Rechte: AKG)

Jesus richtet seine Botschaft an alle

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Historische Bestandsaufnahme

Jesus ist um das Jahr 4 oder 6 vor unserer Zeitrechnung geboren. Er stammt aus Nazareth. Wahrscheinlich hat Jesus den gleichen Beruf ausgeführt wie sein nicht-leiblicher Vater Josef: Bauhandwerker. Seine Mutter Maria war bei der Geburt Jesu sehr jung. Jesus ist vermutlich 31 bis 33 Jahre alt geworden. Die letzten zwei bis drei Jahre seines Lebens bis zu seinem Tode "steigt er aus", verlässt Familie und soziale Bindungen. Jesus hat aramäisch gesprochen, wahrscheinlich auch griechisch und sicherlich hebräisch, da er als Rabbiner in Synagogen lehrte und aus der heiligen Schrift las. Er schließt sich der Johannes-Bewegung an. Johannes, der damals als Prophet auftauchte und "der Täufer" genannt wurde, tauft Jesus im Jordan. Kurz darauf gründet Jesus seine eigene Bewegung. Er sammelt Anhänger um sich, und verkündet die bald hereinbrechende Herrschaft Gottes. Jesus verbringt viel Zeit mit den Ausgestoßenen und Randgruppen der Gesellschaft, er predigt und lebt einen außerordentlichen Altruismus. Er richtet seine Botschaft an Sklaven, Schwerkranke, an die Verachteten und Verschmähten. Er erzählt den Menschen von Gott und seiner nahenden Ankunft und benutzt dafür eingängige Bilder und Geschichten, die sogenannten Gleichnisse. Auf seinen Wanderungen soll er viele Wunder vollbracht haben, so die wunderbare Brotvermehrung, die Heilung von unheilbar Kranken, die Auferweckung des toten Lazarus, die Austreibung böser Geister. Sein Wirken als Mensch endet mit der Gefangennahme in Jerusalem und dem sich daran anschließenden Kreuzestod.

Gregor Delvaux de Fenffe, Stand vom 10.04.2012
Sendung: Jesus von Nazareth - Ein Wanderprediger verändert die Welt!, 11.04.2012

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Bildcollage zum Thema Weltreligionen (Rechte: SWR)

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