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Australisches Outback

Wir schreiben das Jahr 1862. Der Engländer John McDouall Stuart ist mit seiner Mannschaft unterwegs, um Teile des australischen Hinterlandes zu erforschen, die Tausende von Kilometern von Sydney entfernt liegen. Auf seinem monatelangen Abenteuer dringt er in Landstriche vor, die nie zuvor ein weißer Mensch gesehen hat. Wenig später folgen ihm Goldsucher und Landwirte ins unwirtliche Innere des Kontinents.

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Tiere Australiens (3'45'')
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Australisches Outback
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Australien - Kontinent der Einwanderer
Leben im Outback
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Ab durch die Mitte

Stuart war wie viele seiner Zeitgenossen von einem starken Pioniergeist beseelt. Das gigantische Ausmaß des australischen Hinterlandes faszinierte ihn genauso wie die 2000 Pfund, die die britische Regierung für die Durchquerung des Kontinents ausgesetzt hatte. Einmal quer durch das australische Hinterland - das hatte bis dahin noch keiner gewagt, obwohl die ersten Siedler schon seit 1788 in Australien lebten.

Wärmebild von Australien. Gelbe und rote Farben zeigen, dass es in der Mitte Australiens viel heißer (bis zu 60 Grad Celsius) ist als in den Küstenregionen (im Schnitt 25 bis 30 Grad Celsius), die blau dargestellt sind. (Rechte: NASA)

In den gelb markierten Gegenden wird es bis zu 60 Grad Celsius heiß

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Stuart und seine Leute wussten, wie groß die Gefahr war: Der Großteil des australischen Landesinneren besteht aus trostloser Steppe, Wüste und Weideland. Temperaturen bis zu 60 Grad Celsius mancherorts machen das Leben dort fast unerträglich. Für die Australier gehören alle Gegenden im Landesinneren, die nicht dicht besiedelt sind, zum Outback. Demnach nimmt es 90 Prozent der Fläche Australiens ein.

Das Bild zeigt einen überdimensionalen Lastkraftwagen mit zwei Anhängern. (Rechte: dpa)

Road Trains, Könige des Stuart Highways

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Ein Kontinent wird erschlossen

Die Durchquerung des Outbacks von Süden Richtung Norden war ein letzter entscheidender Schritt in der Besiedlung Australiens. Dort, wo Stuart einst als erster den Kontinent durchquerte, verläuft heute der Stuart Highway, eine wichtige Nord-Süd-Verbindung. Auf seiner Route wurde die erste Telegrafenlinie gezogen, die den Süden Australiens mit dem Rest der Welt verband.

Die Besiedlung des australischen Hinterlandes erlebte Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt. Der Grund: Auf dem fünften Kontinent brach der Goldrausch aus. Glücksritter aus aller Welt strömten ins Outback, um dort nach Gold zu graben. Viele von ihnen wurden fündig und kamen zu Geld. Mitten in der Einöde bildeten sich kleine Dörfer und Städte. Auch die Farmer haben schon früh das Outback für sich entdeckt. Die Weideflächen scheinen unendlich und bieten genug Platz für die über 100 Millionen Schafe, die in Australien leben.

Skyline von Sydney. Im Vordergrund ist Wasser zu sehen, auf dem Segelboote ankern. Dahinter überspannt eine Eisenbrücke das Wasser. Im rechten Bildhintergrund sind die Wolkenkratzer der Innenstadt zu sehen. (Rechte: dpa)

Sydney ist die größte Stadt Australiens

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Mit vollem Tank zum Nachbarn

Trotz allem ist das Outback kein Landstrich, der die Australier anzieht. Nur wenige Menschen, die in den Großstädten wie Sydney oder Melbourne leben, besuchen das Outback oder planen gar, dorthin auszuwandern. Entsprechend niedrig ist dort auch die Bevölkerungsdichte. In Australien leben im Durchschnitt 2,3 Menschen auf einem Quadratkilometer. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 220 Menschen auf der gleichen Fläche. Wenn man dabei beachtet, dass 80 Prozent der insgesamt gut 21 Millionen Australier in den Großstädten an den Küsten leben, bekommt man eine Vorstellung davon, wie einsam das Leben im Outback sein muss. Wenn das nächste Haus 80 Kilometer entfernt ist, spricht der australische Landbewohner noch von Nachbarschaft. Steht dem Farmer oder Goldgräber am Wochenende der Sinn nach ein wenig Gesellschaft, sind die hundert Kilometer bis zur nächsten Kneipe für ihn fast ein Katzensprung.

Das Bild zeigt die Front eines Geländewagens, der an einer Kreuzung vor einem gelben Schild steht, auf dem ein Känguru abgebildet ist. (Rechte: dpa)

Ohne Vierrad-Antrieb läuft hier kaum etwas

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Allein ins Outback

Die Abenteuerlust, die schon früher die Menschen ins Outback getrieben hat, gibt es immer noch. Heute sind es allerdings meist Touristen, die jedes Jahr zu Hunderttausenden das australische Hinterland auf mittlerweile ziemlich ausgetretenen Pfaden erkunden. Besonders die Touristen aus Europa unterschätzen dabei die Größe des Steppenlandes. Sie sind gewohnt, in Ländergrenzen zu denken und vergessen oft, dass Australien ein Kontinent ist, der circa 20 mal so groß ist wie Deutschland. Besonders gefährlich sind diese Fehleinschätzungen, wenn Amateure versuchen, das Outback ohne ausgebildeten Führer, also auf eigene Faust, zu erkunden. Von Norden nach Süden streckt sich das Outback auf einer Länge, die der Entfernung zwischen der Südküste Englands bis zur Mitte Italiens entspricht. Die staatlichen Behörden haben bereits vielfältige Erfahrung mit "Freizeit-Crocodile-Dundees" gemacht. Daher raten sie jedem, den es ins Hinterland zieht, sich bei den lokalen Behörden abzumelden, für jeden Tag im Outback mindestens fünf Liter reines Trinkwasser mitzunehmen und nur mit einem Geländewagen die Reise anzutreten.

Das Bild zeigt den Ayers Rock aus einer Entfernung von circa zwei Kilometern. Der Berg ist rot. Er verjüngt sich nicht nach oben, sondern es sieht so aus, als fehle die Spitze des Berges. (Rechte: dpa)

Uluru - größtes Heiligtum der Aborigines

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Piste der Pioniere

Viele Touristen, die weniger sich selbst als vielmehr das Land entdecken wollen, schließen sich einer organisierten Reisegruppe an. Auf den Spuren John McDouall Stuarts befahren sie das Outback über den Stuart Highway. Vorbei an den Telegrafenmasten, die das Land zerteilen, an alten Goldgräberstädten, vorbei an der Stelle, an der die legendären "Flying Doctors" gegründet wurden, führt der Stuart Highway auch zum Ayers Rock. Der riesige, rot schimmernde Felsen ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Australiens - neben dem Great Barrier Reef und der Oper in Sydney. Tagsüber ziehen sich Tausende Touristen wie eine Schlange über den Berg. Für die Aborigines, die Ureinwohner Australiens, ist die Besteigung ihres heiligen Berges "Uluru" reiner Frevel. An der Aufstiegsstelle des Berges haben sie Schilder angebracht, auf denen die Touristen gebeten werden, den Berg nicht zu betreten. Die meisten halten sich jedoch nicht an diese Bitte.

Großaufnahme eines älteren Aborigines mit dichtem grauen Vollbart während eines traditionellen Tanzes vor der schwarz-rot-gelben Flagge der Ureinwohner. Oberkörper und Gesicht sind mit rot-weißen Streifen geschminkt, in den Händen hält er Holzspeer und Holzkeule. (Rechte: dpa)

Noch heute leben viele Aborigines im Outback

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Aborigines - Zusammenprall der Kulturen

Bei ihren Streifzügen ins Hinterland machten die ersten Siedler zwiespältige Erfahrungen mit den australischen Ureinwohnern: Einige Stämme sahen die Weißen als Eindringlinge und bekämpften sie. Andere hingegen retteten den fremden hellhäutigen Menschen das Leben, indem sie ihnen zeigten, wie sie in der lebensfeindlichen Umgebung Wasser und Nahrung finden können. Noch heute leben viele Aborigines im Outback. Zu ihren Reservaten haben Weiße und Touristen keinen Zutritt. Auch die Aborigines, die einmal in den Städten Australiens gelebt haben, zieht es oft in die Einsamkeit des Landes zurück, um dort wieder zu ihren spirituellen Wurzeln zu finden. Das Leben in der Stadt, fernab von den traditionellen Stätten ihrer Ahnen, hat ihnen die Orientierung genommen. Die meisten Aborigines können sich nicht mit dem Leben in der Stadt arrangieren. Nur wenige bekleiden hohe Positionen in Wirtschaft oder Politik. Die meisten sind arbeitslos oder haben schlecht bezahlte Jobs. Die Verlierer beim Zusammenprall der Kulturen waren und sind die Aborigines. Ihr niedriger sozialer Status innerhalb der australischen Gesellschaft vererbt sich genauso wie ihre Armut von Generation zu Generation. Diese widrigen Lebensumstände haben dazu geführt, dass viele der Ureinwohner in den Städten zu Alkoholikern wurden. Im Zuge der Rückbesinnung auf traditionelle Werte ist deshalb Alkohol in vielen Aborigines-Communities im Outback verboten.

Im Licht der untergehenden Sonne ist eine kleine Bergkette, deren Berge wie Kegel aussehen, rötlich gefärbt. (Rechte: dpa)

Touristenmagnet im Outback: die Olgas

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Einmal Outback und zurück

Endlose Weiten, wildes Land. Genau das ist es, was viele zu einer Reise auf eigene Faust ins Outback treibt: eine Grenzerfahrung, weitab vom Komfort der zivilisierten Welt. Viele Hobby-Abenteurer berichten jedoch, dass die Durchquerung des australischen Kontinents durch das Outback mehr Tortur als Abenteuer ist. Bei den meisten reicht schon eine längere Fahrt über eine bucklige, unwegsame Piste und die abenteuerlichen Gedanken verlieren sich in der endlosen Weite.

Es geht auch einfacher: Durch relativ günstige Flüge ist es mittlerweile problemlos möglich, touristische Ziele wie etwa den Ayers Rock, die Felsformation der Olgas oder Alice Springs, die Stadt in der Mitte des Outbacks, direkt von den australischen Metropolen aus anzufliegen.

Götz Bolten, Stand vom 29.10.2009
Sendung: Extremes Australien - Kontinent mit zwei Gesichtern, 29.10.2009

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Collage aus Ayers Rock, Aborigine und einem Schild, das vor Kängurus warnt (Rechte: dpa/Mauritius)

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Bildcollage zum Thema Wüste (Rechte: WDR/SWR)

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