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Wissensfrage

Im Zusammenhang mit den Nordseeinseln spricht man immer vom wohltuenden Reizklima. Stimmt es, dass das Reizklima tatsächlich bei vielen Krankheiten heilend wirkt?

Das Bild zeigt einen dunkel gekleideten Mann von hinten, der direkt am Meer steht. Er blickt auf die unruhige See; im Hintergrund ist ein Schiff zu sehen. (Rechte: Rudolf Blum, Visipix.com)

Direkt am Meer wirkt das Reizklima besonders intensiv

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"Das Meer wäscht alle Beschwerden weg" - das glaubte schon der griechische Philosoph Platon, auch wenn er den Begriff des sogenannten Reizklimas wohl noch nicht kannte. Vom Reizklima spricht man heute aber nicht nur an Ost- und Nordsee, sondern auch im Mittel- oder Hochgebirge. Der starke Wind, die niedrigen Temperaturen beziehungsweise starken Temperaturschwankungen, die hohe UV-Strahlung oder die salzhaltige Luft - all diese Faktoren sind ungewöhnliche Herausforderungen für das Immunsystem. Sie reizen unser Abwehrsystem und regen es dazu an, sich besser zu rüsten.

Wer als Patient von diesem Effekt profitieren will, sollte sich genau informieren, welches Reizklima für ihn geeignet ist. So sind beispielsweise Allergiker, die auf Pollen und Hausstaubmilben reagieren, im Gebirge über 1500 Meter gut aufgehoben. Starke Temperaturschwankungen und die hohe ultraviolette Strahlung kurbeln hier das Immunsystem an. Gleichzeitig bleiben die allergenen Reize weitgehend aus, weil die Allergieauslöser in dieser Höhe nicht überleben. Bei Bluthochdruck wird häufig das schonende Reizklima der Ostsee empfohlen, während Rheumakranke besser im Binnenland aufgehoben sind.

Auf den Nordseeinseln mit ihren hohen Windgeschwindigkeiten, der erhöhten UV-Strahlung und der Seeluft herrscht ein kräftiges Reizklima. Besonders intensiv wirkt es direkt am Meeresstrand, denn gesundheitsfördernd sind vor allem die winzigen salzhaltigen Tröpfchen Meerwasser, die beim Brechen der Wellenkämme in die Luft gelangen. Man bezeichnet sie als Brandungsaerosol. Die Seeluft hat einen hohen Gehalt an Salz, Jod, Magnesium und Spurenelementen. Dadurch regt sie besonders die Immunreaktion der Haut und der Atemorgane an. Empfehlenswert ist ein Aufenthalt im Reizklima der Nordsee deshalb vor allem für Menschen, die unter Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte leiden. Auch bei Patienten mit chronischen entzündlichen Erkrankungen der Atmungsorgane kann ein mehrwöchiger Nordsee-Aufenthalt kleine Wunder bewirken. Durch das Inhalieren der Seeluft löst sich der Schleim in den Atemwegen - wer unter chronischer Bronchitis leidet, vermag wieder befreit aufzuatmen. Asthmatikern kommt auch zugute, dass die saubere Seeluft der Inseln in der Regel frei von allergieauslösenden Abgasen und schädlichen Dämpfen ist. Sogar die Krankenkassen haben den wohltuenden Effekt des Seeklimas erkannt und bewilligen vielen Patienten eine Therapie.

Britta Schwanenberg/ Annette Holtmeyer, Stand vom 01.06.2009

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