Schwangerschaft

Eine Zellanhäufung: ein drei Tage alter Embryo.

Anatomie des Menschen

Schwangerschaft

Alles beginnt mit einem Sprung, dem Eisprung. Und auch die Schwangerschaft geht ganz schön sportlich vor sich. Wenn man bedenkt, dass in neun Monaten aus einem winzigen Ei und einem mikroskopisch kleinen Spermium in fast rasantem Tempo ein richtiger Mensch wird – mit allem drum und dran.

Der Eisprung

Bei den meisten Frauen gibt der Eierstock etwa zwei Wochen nach Beginn der letzten Regelblutung ein reifes Ei frei – und zwar das größte von 15 bis 20 gereiften Eiern. Es wird in die Eileiter gespült.

Von diesem Moment an ist die Frau fruchtbar. Trifft in diesem Zustand ein Spermium auf das Ei, kann es befruchtet werden und die Schwangerschaft beginnt.

Die Befruchtung

Bei der Befruchtung verschmelzen das Spermium des Mannes und das Ei der Frau zu einer neuen Zelle, der Zygote. Aus dieser entwickelt sich dann durch zahlreiche Zellteilungen das Kind. Schon jetzt ist festgelegt, ob die Zygote zu einem Mädchen oder einem Jungen wird und welche Haar- und Augenfarbe das Kind nach der Geburt haben wird.

Wenn eine Eizelle mit ihrem X-Chromosom mit einem Spermium mit Y-Chromosom verschmilzt, entsteht ein Junge. Finden sich ein X-Ei und ein X-Spermium, wird es ein Mädchen.

Manchmal kommt es vor, dass die Eierstöcke zur Zeit des Eisprungs zwei Eier freisetzen. Wenn sie beide befruchtet werden, kommen später zweieiige Zwillinge zur Welt. Diese können gleichen oder unterschiedlichen Geschlechts sein.

Es gibt außerdem die Möglichkeit, dass sich ein bereits befruchtetes Ei später noch teilt – dann spricht man von eineiigen Zwillingen, die immer das gleiche Geschlecht haben.

Die Einnistung (2. Monat, 4. bis 6. Schwangerschaftswoche)

In der 4. bis 6. Schwangerschaftswoche nistet sich der Embryo in der Gebärmutterschleimhaut ein. Am Anfang der 4. Woche schlägt bereits sein Herz und weitere Organe werden angelegt. Am Ende des zweiten Monats hat der Embryo Arm- und Beinknospen. Auch Hals, Gesicht, Augen, Nase und Ohren sind zu erkennen.

Vom Embryo zum Fötus (3. Monat, 7. bis 12. Schwangerschaftswoche)

Im dritten Monat sind sämtliche Organe angelegt und formen sich sehr schnell weiter aus. Das Kreislaufsystem entwickelt sich, Hände und Füße werden richtig sichtbar. Am Ende der achten Schwangerschaftswoche ist deren Entwicklung weitgehend abgeschlossen.

Nun wird das kleine Lebewesen nicht mehr Embryo, sondern Fötus genannt. Nach zehn Wochen misst er fünf, nach zwölf Wochen schon 7,5 Zentimeter.

Das erste Daumenlutschen (4. Monat, 13. bis 16. Schwangerschaftswoche)

Porträtaufnahme eines Babys, das am Daumen lutscht und in die Kamera lächelt.

Das konnte es auch schon im Bauch

Am Ende des vierten Monats ist der Fötus etwa zehn bis zwölf Zentimeter lang und wiegt knapp 100 Gramm. Das Kind ist jetzt ständig in Bewegung und hat mittlerweile Reflexe ausgebildet wie Greifen, Strecken und Saugen. Es schneidet Grimassen, runzelt die Stirn, lutscht am Daumen und manchmal trinkt es auch vom Fruchtwasser.

Das erste zaghafte Boxen (5. Monat, 17. bis 20. Schwangerschaftswoche)

Das Baby wiegt am Ende der 20. Woche etwa 250 Gramm und ist rund 15 Zentimeter groß. Bei der Ultraschalluntersuchung kann jetzt oft schon erkannt werden, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird. Die Gewichtszunahme des Kindes geht nicht mehr so schnell, aber alles wird kompletter und vollkommener. An den Zehen sind schon winzige Nägel, auf dem Kopf dünne Härchen.

Die meisten Mütter spüren jetzt zum ersten Mal die Bewegungen ihres Kindes. Manche beschreiben es wie das Zerplatzen einer Seifenblase, andere als einen "Blubb". Dieser Zeitpunkt ist der beste, um das Baby mit Hilfe von Ultraschall anzusehen. Zu diesem Zeitpunkt kann man noch alle Einzelheiten gut erkennen, ehe das Baby zu groß wird und die ganze Gebärmutter einnimmt.

Action im Bauch (6. Monat, 21. bis 24. Schwangerschaftswoche)

Im sechsten Monat schlägt das Baby schon mal einen Purzelbaum oder hat ab und zu einen Schluckauf. Zu diesem Zeitpunkt sind auch die Gleichgewichtsorgane in den Ohren bereits entwickelt.

Und das Kind kann hören: das Rauschen des Blutes in den Adern seiner Mutter, ihren Herzschlag, die Magen- und Darmgeräusche. Natürlich kann das Baby auch die Stimme der Mutter hören – wenn auch etwas gedämpft.

Die sogenannte Käseschmiere, der weiße Film auf der Haut des Kindes, der in den Talgdrüsen produziert wird und es vor dem Fruchtwasser schützt, wird nun immer dicker.

Die Mutter spürt das Kind deutlicher in seinen Bewegungen, es turnt regelrecht im Bauch herum. Das kann man jetzt sogar an kleinen Beulen von außen sehen. Kein Wunder: Das Baby wiegt am Ende der 24. Woche auch schon 500 bis 600 Gramm und ist 28 bis 30 Zentimeter groß.

Der erste Augen-Blick (7. Monat, 25. bis 28. Schwangerschaftswoche)

Im siebten Monat öffnet das Baby zum ersten Mal seine Augen. Das Gesicht des Kindes bekommt nun immer deutlichere Züge, Wimpern und Augenbrauenhaare werden länger. Es kann die Finger schon zur Faust ballen und macht seine ersten motorischen Erfahrungen.

In diesem siebten Schwangerschaftsmonat verdoppelt sich sein Gewicht fast. Es erreicht etwa 1000 bis 1200 Gramm bei einer Größe von 34 bis 36 Zentimetern.

Erster Platzmangel (8. Monat, 29. bis 32. Schwangerschaftswoche)

Ein Fötus liegt zusammengerollt in der Gebärmutter.

Langsam wird es eng

Obwohl das Kind sein Gewicht bis zur Geburt noch einmal fast verdoppeln muss, ist es jetzt schon ganz gut auf das Leben außerhalb des Bauches vorbereitet. Frühgeburten haben ab diesem Zeitpunkt sehr gute Überlebenschancen.

Das Baby wiegt am Ende der 32. Woche etwa 1800 Gramm und ist 40 Zentimeter groß, das heißt, es hat kaum noch Platz im Bauch der Mutter. Es macht sich so richtig breit und drückt gegen ihr Zwerchfell und ihre inneren Organe: Herz, Darm, Leber und Nieren der Mutter werden zunehmend zusammengedrückt.

Der Endspurt (9. Monat, 33. bis 36. Schwangerschaftswoche)

Das Kind legt nun Babyspeck an, der Platz in der Gebärmutter wird langsam eng. Viele Babys drehen sich in diesem Monat schon in die Ausgangslage für die Geburt, die Kopflage. Dabei tritt der Kopf in das Becken der Mutter ein. Täglich trinkt das Baby jetzt bis zu drei Liter Fruchtwasser und scheidet es wieder über Nieren und Blase aus.

Auch die Muskeln der Augenlider werden durch Öffnen und Schließen der Augen trainiert. Nach der Geburt kann das Kind daher direkt auf Licht reagieren. Durch Lutschen am Daumen wird der zum Stillen wichtige Saugreflex geübt. Das Baby wiegt am Ende der 36. Woche rund 2750 Gramm und ist rund 45 Zentimeter groß.

Es ist soweit (10. Monat, 37. bis 40. Schwangerschaftswoche)

Ein neugeborenes Baby unmittelbar nach der Geburt.

Endlich ist es da

Es ist soweit, das Kind ist "fertig", das heißt, es ist voll entwickelt. Jetzt kann es sogar die Stimme seiner Mutter von anderen unterscheiden. Die Gebärmutter senkt sich und schiebt das Kind tiefer in den Beckenraum – Startposition für die Geburt.

Wenn das Baby "pünktlich" kommt, erblickt es genau in der 40. Schwangerschaftswoche das Licht der Welt. Viele werden aber auch ein, zwei Wochen früher oder später geboren.

Es ist ein wenig verwirrend, dass für Mediziner eine Schwangerschaft 40 Wochen, also zehn Monate, dauert, der Volksmund aber von neun Monaten spricht. Dieser Unterschied ergibt sich daraus, dass Ärzte in Wochen rechnen, ein Kalendermonat aber nicht genau vier Wochen hat.

Mediziner zählen ab dem ersten Tag der letzten Periode. Die beiden Wochen vor der Befruchtung werden mitgezählt, weil man nicht genau weiß, wann diese stattgefunden hat. Demnach dauert eine Schwangerschaft 280 Tage, das entspricht zehn Schwangerschaftsmonaten oder neun Kalendermonaten.

Autorin: Martina Peters

Stand: 21.09.2016, 16:26

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