Unsere Aktion Apfelblütenland
"Messgerät" Apfelbaum
Da Apfelbäume sehr geeignete "Messgeräte" für den Klimawandel sind, steigt mit jedem weiteren Beobachtungsjahr die Chance, in den Verlaufsdaten der Apfelblüte Spuren des Klimawandels zu finden. Wird das Klima wärmer, sollten die Bäume über die Jahre hinweg immer früher blühen.
Die ersten vier Projektjahre zeigten bereits, wie unterschiedlich der Blühverlauf von Jahr zu Jahr sein kann: Auf einen sehr späten Blühbeginn 2006 folgte 2007 ein rekordverdächtig frühes Aufbrechen der Knospen. 2008 wiederum war im Süden Deutschlands ein frühes Blühjahr, im Norden dagegen ein eher sehr spätes. Hauptmerkmal des Frühlings 2009 war ein recht abrupter Wechsel von winterlicher zu fast schon sommerlicher Witterung und einem in der Folge doch noch überraschend frühen Aufblühen der Apfelbäume.
Die Apfelblüte beginnt immer früher
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass sich bereits in den vergangenen dreißig Jahren der durchschnittliche Blühbeginn je nach Region um 6 bis 10 Tage im Kalender nach vorne verschoben hat. Die spannende Frage ist nun, ob mit Hilfe der Zuschauermeldungen im Rahmen des Planet-Wissen-Projekts dieser Trend auch für die kommenden Jahre bestätigt werden kann.
Aber das ist nicht die einzige Fragestellung, die im Rahmen des Projekts beantwortet werden soll. Ein durchaus unterhaltsamer Bestandteil jeder Beobachtungskampagne ist auch die Suche nach der allerersten Apfelblüte in Deutschland. Heißer Favorit ist die traditionell frühjahrswarme Region um den Kaiserstuhl in Südbaden, aber auch der Großraum Köln oder Leipzig sind nicht chancenlos.
Wissenschaftlich interessant ist die Messung der Geschwindigkeit, mit der die Blütenzone vom warmen Oberrheintal an die Nord- und Ostsee wandert. Warme Wetterlagen von hoher Beständigkeit sorgten im Jahr 2007 für hohe Werte von bis zu 80 Kilometern pro Tag. In einem von Kälteeinbrüchen geprägten Frühjahr wie 2008 reduzierte sich dieser Wert auf gerade einmal 48 Kilometer pro Tag. Ein Erwärmung des Klimas sollte sich in den kommenden Jahren in tendenziell höheren Frühlingsgeschwindigkeiten bemerkbar machen.
Vergleich Tal- und Gebirgslagen
Auch der Vergleich von Apfelbäume in Tal- und Gebirgslagen kann Hinweise auf den Klimawandel liefern. Die Frage "Wie flink klettert die Apfelblüte vom Tal in die Berge?" beantwortet die Redaktion in Zusammenarbeit mit der baden-württembergischen Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz. Deren Experten dokumentieren das Blühverhalten ausgewählter Apfelbäume in den verschiedenen Höhenlagen des Murgtals im Schwarzwald.
Die aktuellen Beobachtungen werden wir auch wieder in diesem Jahr in unserem Tagebuch und mit Hilfe von Landkarten veröffentlichen. Damit wird sichtbar, was selbst Satelliten aus der Erdumlaufbahn nicht dokumentieren können: wie innerhalb von sechs bis acht Wochen die Apfelblüte von Südwest nach Nordost durch Deutschland "wandert".
Die Redaktion bittet alle Zuschauerinnen und Zuschauer und insbesondere auch Schulklassen um Meldungen zum Beginn der Apfelblüte. Die Meldungen zur Blüte können über unser Internetformular (s. "Mehr zum Artikel") abgegeben werden. Besonders interessant für die Klimaforscher sind Daten von Bäumen, von denen die geographischen Koordinaten ebenso bekannt sind wie ihre Meereshöhe und von denen zumindest eine grobe Beschreibung des Standorts vorliegt. Schön wären auch Angaben zur Apfelsorte, die da blüht.
WDR/SWR, Stand vom 18.03.2010







