Erdöl
Frühe Nutzung
Erdöl, das als zähe schwarze Masse an die Erdoberfläche gelangt, kennen die Menschen schon lange. Schon in der Steinzeit befestigten Jäger mit diesem klebrigen Bitumen (manchmal auch Pech oder Teer genannt) Pfeilspitzen. In der Gegend des heutigen Iraks dichtete man damit bereits vor mehr als 5000 Jahren Boote ab.
Später diente es auch kriegerischen Zwecken. So tauchten zum Beispiel persische Bogenschützen ihre Pfeile in Bitumen und zündeten sie an. Die alten Griechen haben mit der erdölhaltigen Masse regelrechte Flammenwerfer gebaut. Auch die ersten Erdölbohrungen liegen lange zurück: Bereits vor mehr als 2000 Jahren bohrte man in China nach Öl.
Der erste Erdöl-Boom
Die Ausbeutung des Rohöls im großen Stil begann im 19. Jahrhundert. Grund dafür war die Suche nach einem guten und billigen Lampenbrennstoff, denn Walöl war nur für die Reichen erschwinglich, Talgkerzen rochen unangenehm, und Gasflammen gab es nur in wenigen, modernen Häusern. Der kanadische Arzt und Geologe Abraham Gesner entdeckte ein Verfahren, mit dem man aus Kohle Petroleum (auch Kerosin oder Steinöl genannt) gewinnen konnte, einen relativ sauber brennenden, preisgünstigen Lampenbrennstoff. Als noch ergiebiger und billiger erwies sich aber das Petroleum, das man aus Erdöl gewinnen konnte. Es verdrängte das Walöl aus Lampenbrennstoff und sorgte für eine riesige Nachfrage nach Erdöl.
Schon lange war bekannt, dass bei Bohrungen nach Wasser und Salz gelegentlich Erdöl in die Bohrlöcher einsickerte. Also hatte man die Idee, direkt nach Öl zu bohren. Mitte der 1840er Jahre wurde in Baku am Kaspischen Meer, im heutigen Aserbaidschan, nach Öl gebohrt. Wenn die Angaben, wann diese Bohrung genau stattgefunden hat, auch zwischen 1844 und 1849 variieren, gilt sie dennoch als erste industrielle Ölbohrung der Welt.
Auch in Deutschland wurde gebohrt, zum Beispiel 1858 in Wietze in Niedersachsen, westlich von Celle. Weltberühmt wurde jedoch die Bohrung, die Edwin L. Drake im August 1859 am Oil Creek im US-Bundesstaat Pennsylvania durchführte. Drake bohrte im Auftrag des amerikanischen Industriellen George H. Bissell und stieß in nur 21,2 Metern Tiefe auf die erste amerikanische Ölquelle. Zehn Jahre nach dem Goldrausch begann so in Amerika der Öl-Boom.
Bis in die 1920er Jahre blieb die Verwendung als Leuchtmittel die wichtigste Nutzung von Erdöl. Doch dann trat das Automobil seinen Siegeszug an und mit ihm das Erdöl – als Treibstoff.
Verarbeitung von Rohöl
Rohöl ist ein Stoffgemisch aus mehr als 500 Komponenten. Es besteht hauptsächlich aus Kohlenwasserstoffen mit unterschiedlichen Siedepunkten. Das nutzt man aus, um in einer Raffinerie mittels Destillation die verschiedenen Erdölprodukte zu gewinnen. Zunächst wird das Rohöl auf rund 400 Grad Celsius erhitzt. Es verdampft und strömt in einen Destillationsturm mit verschiedenen Ebenen (Glockenböden), eine sogenannte Kolonne. Die Glockenböden haben unterschiedliche Temperaturen. Jede dieser Ebenen ist kühler als die darunterliegende. So kann man das Stoffgemisch des Rohöls trennen. Die Stoffe des Rohöls kondensieren entsprechend ihren Siedepunkten.
Bei etwa 360 Grad Celsius kondensieren zum Beispiel Heizöl und Diesel. Das Mitteldestillat bei rund 250 Grad Celsius ist Ausgangsstoff für Petroleum und Kerosin. Leichtbenzin kondensiert schon bei 100 Grad Celsius und die Gase Methan, Ethan, Propan und Butan bei 30 bis 50 Grad Celsius. Teile des Leichtbenzins und der Gase werden in einem besonderen Destillationsverfahren weiter verarbeitet, um daraus Grundbausteine für Kunststoffe und andere Erdölprodukte zu gewinnen. Es gibt kaum einen Gegenstand des täglichen Bedarfs, in dem nicht ein Teil des Erdöls steckt.
Was man aus Erdöl machen kann
Mehr als zwei Drittel des Erdöls blasen wir schlicht durch den Schornstein. Es dient als Energiequelle für Heizungsanlagen oder wird in Heizkraftwerken zur Stromerzeugung genutzt. Weiterverarbeitet zu Benzin oder Kerosin dient es als Brennstoff für unsere Autos und Flugzeuge.
Öl steckt in vielen Produkten, die wir im Alltag nutzen. Es sind chemische Stoffe, die aus dem Rohöl gewonnen werden. PVC (Polyvinylchlorid) etwa steckt in Fensterrahmen, Fußbodenbelägen und medizinischem Gerät, zum Beispiel in Schläuchen. Polyurethan eignet sich für Schaumstoffe in Polstermöbeln und Matratzen. Polystyrol findet sich in jeder Styropor-Verpackung.
Ohne Polyethlyn gäbe es keine thermoplastischen Kunststoffe, also keine Gießkannen, Eimer, Fernsehgehäuse, Tupperdosen, Staubsauger. Polyamid ist der Stoff für Synthetikfasern, zu denen auch die Nylons gehören. Wasch- und Reinigungsmittel bauen auf Ethylenoxid auf. Von Behältnissen für die Nahrungsmittelindustrie, über CDs und DVDs bis zu pharmazeutischen Produkten – ohne Erdöl gäbe es vieles davon nicht.
Harald Brenner, Stand vom 17.05.2013
Sendung: Ohne Plastik leben – Eine Familie probiert's aus, 17.05.2013
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