Jungsteinzeit

Urzeit

Jungsteinzeit

In der Jungsteinzeit, dem Neolithikum, tauschen die Menschen ihr wildbeuterisches Leben nach und nach gegen die Sesshaftigkeit. Sie bestellen Felder für den Ackerbau und machen aus Wildtieren Haustiere. Sie fangen auch an in größeren Gemeinschaften zu leben – zusammen mit ihren Haustieren. Die Schafe und Ziegen liefern nicht nur Milch und Fleisch. Ihr Fell wird zum Beispiel zu Kleidungsstücken verarbeitet. Einer der bekanntesten Handlungsreisenden aus der Jungsteinzeit ist Ötzi. Sein Fund hat das Bild dieser Zeit deutlich verfeinert.

Der Mann vom Hauslabjoch

Wann genau es so weit war, lässt sich schwer sagen. Außerdem hat sich das Sesshaftwerden nicht überall zur gleichen Zeit eingestellt. Die frühesten Zeugnisse von Ackerbau und Viehzucht reichen 10.000 Jahre zurück. Gefunden wurden sie von Archäologen in einem Gebiet, das Fruchtbarer Halbmond genannt wird. Es ist die Region, in der das heutige Syrien, der Irak und Iran oder auch die Türkei liegen. Hier gibt es Wildgetreide und vor allem Wildschafe und Ziegen. Genetische Nachfahren dieser Tiere kommen dann um das Jahr 5500 vor Christus in unsere Breitengrade. Mitgebracht von Bewohnern der Region des Fruchtbaren Halbmonds.

Nahaufnahme des Kopfes des Similaun-Mannes: Die 5300 Jahre alte gefrorene Mumie "Ötzi"

Ötzi ist 5300 Jahre alt

Einen, der vor etwa 5300 Jahren in den Ötztaler Alpen unterwegs gewesen ist, kennen wir seit 1991 als Ötzi. Sein Körper und alles, was er bei sich hatte, ist im Eis vollständig erhalten geblieben. Mit seiner Kleidung aus Fell und vor allen Dingen den Schuhen, deren Sohlen ihm im Schnee besonders guten Halt boten, war er bestens ausgerüstet für diese Extremtour. In einer Tasche hatte er Zunderschwamm und Feuersteine, am Gürtel trug er einen Dolch. Experten meinen, dass er zu den Wohlhabenderen seiner Zeit gehört haben muss. Denn ihm gehörte auch ein Beil mit Kupferklinge. Und Kupfer war damals besonders wertvoll. Dass er schon Kupfer kannte, zeigt, dass Ötzi gegen Ende der Jungsteinzeit gelebt hat.

Alles Lebensnotwendige kommt aus der Natur

Bevor die Menschen das Umherziehen komplett aufgaben, um sich an einem festen Platz niederzulassen, lebten sie noch eine Weile als Jäger und Sammler. Grund für diese Übergangsphase war eine Veränderung des Klimas. Denn nach der Altsteinzeit wurde es wärmer, und damit veränderte sich auch die Vegetation. Die Bewaldung nahm zu. Für Tiere wie zum Beispiel Mammuts bot diese Umgebung keine geeigneten Lebensbedingungen. Sie wanderten in kältere Regionen ab und verschwanden schließlich gänzlich. Bis dahin waren sie einer der wichtigsten Fleischlieferanten für den Menschen.

An ihre Stelle rückten allmählich andere, kleinere Tiere - etwa Hirsche oder Rehe. Für sie war der neue Lebensraum Wald optimal. Sie machten auch keine jahreszeitlichen Wanderungen. Um solche Fluchttiere zu erlegen, mussten allerdings andere Jagdtechniken her, vor allen Dingen leisere. Es war wichtig, sich vorsichtig an die scheuen Rudeltiere anzupirschen, ohne dass sie die Flucht ergriffen. So nah wie an Mammuts kam man nicht an sie heran. Deshalb war auch ein schwerer Speer untauglich, weil er nicht weit genug geworfen werden konnte. Pfeil und Bogen dagegen erhöhten die Ausbeute erheblich.

Dieses Jagdwerkzeug, so wie auch alle anderen Arbeitsgeräte, wurde immer weiterentwickelt und an die Lebensumstände angepasst. Die Natur lieferte das entsprechende Material: Aus Feuerstein machte man Pfeilspitzen und Klingen für Äxte oder Messer. Der Bogen für die Jagd wurde mit Tiersehnen gespannt. Auch Holz war natürlich ein sehr beliebter Rohstoff zum Werkzeugbau. Es war in unbegrenzter Menge vorhanden und es ließ sich gut und vielfältig verarbeiten: vom Geschirr bis hin zu tragenden Elementen beim Hausbau. Eine ganz besondere Rolle spielte das Holz bei den jungsteinzeitlichen Pfahlbauten, wie man sie rund um den Bodensee gefunden hat. Das Haus stand auf Holzpfählen, die angespitzt und in die Erde gerammt wurden. Die Wände waren aus Holzbohlen, die man zum Schutz gegen Wind und Wetter mit Lehm verschmierte.

Die Vertreibung aus dem Paradies

Jungsteinzeit-Menschen waren die ersten, die in kleinen dörflichen Gemeinschaften lebten. In diesen Verbund integriert waren auch ihre domestizieren Tiere. Sie blieben aber nicht die einzige Nahrungsquelle. Denn langsam kam der Ackerbau auf. Angepflanzt wurden Getreide wie Emmer, Dinkel, Einkorn und Gerste. Das Aussäen und Ernten erforderte eine neue Art von Geschick und Ausdauer. Ob die Anbautechnik die richtige war, konnte man erst Monate später sehen, wenn die Ernte eingebracht wurde. Mit der Zeit entwickelte sich dann ein bestimmter Rhythmus, den die Erntezeiten der jeweiligen Getreidesorten vorgaben.

Comic-Zeichung: Ein Ochse pflügt einen Acker

Mit dem Ackerbau endete das Nomadentum

Der beginnende Ackerbau mit seiner Bewirtschaftung der urbar gemachten Felder setzte dem Jäger- und Sammlerdasein der Menschen also endgültig ein Ende. Regelmäßige Feldarbeit wie Jäten oder Pflügen bestimmten jetzt den Arbeitsalltag, um das Überleben zu sichern. Außerdem mussten die Felder vor Wildschweinen und Dieben geschützt werden. Nicht zuletzt deshalb heißt es von dieser Epoche der Menschheitsgeschichte, hier habe die "Vertreibung aus dem Paradies" stattgefunden.

Hart erarbeitetes Essen

Doch bevor die Körner des angebauten Getreides zum Verzehr geeignet waren, mussten sie gemahlen werden. Die Kornmühlen der Jungsteinzeit waren Reibsteine. Ein langwieriges und täglich wiederkehrendes Prozedere, bis das Korn unter großer Anstrengung zwischen den Steinen zerrieben war. Dann musste es noch von den Spelzen getrennt werden, den Hülsen, die das Korn umgeben. Sie sind nicht nur trocken, sondern vor allen Dingen auch hart und verursachen leicht extrem schmerzhafte Verletzungen im Mundraum.

Comic-Zeichnung: Drei Personen dreschen Getreide

Ein langwieriges Prozedere

Heutzutage wird diese ursprüngliche Lebensweise von vielen gerne romantisiert und vielleicht assoziieren sie damit auch ihren letzten Abenteuerurlaub. Fest steht wohl: Das Überleben in der Jungsteinzeit war mit großen körperlichen Anstrengungen und Strapazen verbunden. Viele für uns harmlose Krankheiten waren für die Menschen damals lebensbedrohlich und endeten mit dem Tod. Auch die Kinder mussten schon früh bei der täglichen Arbeit mithelfen. All das hat seine deutlichen Spuren hinterlassen. Denn nicht umsonst lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei etwa 35 Jahren.

Autor/in: Lothar Nickels

Stand: 23.10.2014, 13:00

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