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Der Lebensweg einer Ameise

Plötzlich schwirrt und schwärmt es in der Luft, eine schwarze Wolke surrt durch den Wald: Tausende von geflügelten Ameisen sind unterwegs und treffen sich an ihren Paarungsplätzen. Sie halten "Hochzeitsflug", bei dem die Ameisenmännchen die geschlechtlich aktiven Weibchen begatten.

Geflügelte Männchen der Gelben Wiesenameise verlassen ein Erdnest. (Rechte: Joachim K. Löckener)

Ameisenmännchen auf dem Weg zum Hochzeitsflug

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Hochzeitsflug

Meist findet der eindrucksvolle Hochzeitsflug der Ameisen im Frühling statt. Je nach Ameisenart ist der Zeitpunkt des Fluges jedoch verschieden und abhängig von Jahreszeit und Witterung. Beim Hochzeitsflug empfangen die Weibchen, die nach der Begattung als Königinnen bezeichnet werden, viele Millionen Samenzellen. Diese bewahren sie in der sogenannten Samentasche mehrere Jahre lang auf, in manchen Fällen sogar mehr als 20 Jahre. Dieser Vorrat muss der Königin für ihr ganzes Leben reichen. Die Arbeiterinnen werden nicht begattet, sie sind unfruchtbar.

Nach der Begattung sterben die Männchen. Die befruchteten Weibchen werfen ihre Flügel ab und gründen entweder einen neuen Staat oder sie finden eine schon bestehende Ameisenkolonie, in der sie aufgenommen werden. Vom Frühjahr bis zum Herbst sind die Königinnen dann mit der Eiablage beschäftigt. Waldameisen-Königinnen bringen es täglich auf rund 300 Eier, eine Treiberameisen-Art schafft sogar 50 Millionen im Jahr.

Arbeiterinnen und Larven der Gelben Wiesenameise. (Rechte: Oxford Scientific/Mauritius)

Gelbe Wiesenameisen bei der Brutpflege

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Vom Ei zum Insekt

Nach der Eiablage übernehmen die Arbeiterinnen sofort das Ei und bringen es zu einer Nestkammer, in der optimale Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen herrschen. Hier belecken "Ameisen-Ammen" regelmäßig die Eier und speicheln sie ein, damit sie sauber bleiben und nicht austrocknen. Schlüpft die kleine Ameisenlarve schließlich aus dem Ei, beginnt die Larvenzeit.

Ameise schlüpft mit Hilfe der Brutpflegerin aus dem Kokon (Rechte: BR)

Die Brutpflegerin hilft beim Schlüpfen

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Die Ameisenlarven sind madenförmig, ohne Beine und Augen. Noch immer müssen die Larven von den Brutpflegerinnen gefüttert und gereinigt werden. Trotz der weichen Larvenhaut, muss die heranwachsende Ameise immer wieder die alte, zu klein gewordene Körperhülle abwerfen. Dieser Vorgang kann sich zwischen drei- und sechsmal wiederholen. Häutet sich die Larve zum letzten Mal, wird die sogenannte Vorpuppe zur eigentlichen Puppe, bei der man bereits die typischen Kennzeichen einer Ameise erkennen kann: die Gliederung des Körpers, die Mundwerkzeuge und Fühler. Auch die Puppen werden durch die Arbeiterinnen betreut und bewacht. Zuletzt hilft die Brutpflegerin der voll entwickelten Ameise beim Schlüpfen aus dem Kokon.

Männchen oder Weibchen?

Die Entwicklung vom Ei zur Ameise dauert bei den verschiedenen Arten unterschiedlich lang. Bei der Waldameise sind es etwa sechs Wochen. Die Lebenserwartung einer Ameise ist ebenfalls abhängig von Art und Geschlecht. Während die Männchen bereits kurz nach dem Hochzeitsflug sterben, leben die Arbeiterinnen durchschnittlich zwei Jahre lang. Nur die Königinnen sind sehr langlebig, sie werden zwischen zehn und 20 Jahre alt.

Ob sich aus dem Ei ein Männchen oder ein Weibchen entwickelt, bestimmt allein die Königin. Erhalten die Eier bei der Ablage keine Spermien, bleiben sie also unbefruchtet, entwickeln sich daraus Männchen. Arbeiterinnen und geschlechtlich aktive Weibchen (die späteren Königinnen) entstehen aus befruchteten Eiern. Ob aus der Larve eine Arbeiterin oder ein geschlechtlich aktives Weibchen wird, entscheiden viele Faktoren: die Menge und Qualität der Nahrung, die Temperatur und Feuchte im Nest, die Tageslänge, die Größe und der Dottergehalt der Eier sowie das Alter der Königin

Susanne Wagner, Stand vom 28.12.2012

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