Spinnen

Spinnennetz vor dunklem Hintergrund

Insekten und Spinnentiere

Spinnen

Sie krabbeln seit mehreren hundert Millionen Jahren über die Erde und gehören noch immer zu den am wenigsten erforschten Tieren: Spinnen. Wissenschaftler haben bisher mehr als 46.000 Arten entdeckt, Tendenz steigend. In Deutschland leben rund 1000 Arten.

Wichtig fürs Ökosystem

Die Vielfalt ist riesig: von millimeterklein bis zu fünfzehn Zentimeter lang, von tiefschwarz bis knallbunt, von harmlos bis sehr giftig. Manche bauen sich ein Netz, um Beute zu fangen, andere lauern ihrem Opfer lieber auf und packen es mit den Klauen, wieder andere laufen ihm hinterher.

Auf Bäumen und Wiesen, in Erdhöhlen, zwischen Felswänden, im Wüstensand, im Süßwasser – es gibt kaum einen Lebensraum, den die Spinne nicht für sich erobert hat.

"Spinnen sind sehr wichtig fürs Ökosystem", sagt Thomas Lübcke. Der Biologe leitet im Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz das Vivarium. "Spinnen bilden einen großen Anteil der Bodentiere, sie wirken regulierend auf die Bodengemeinschaft."                                        

Spinnen heißen korrekt Webspinnen (Aranee) und gehören zu den Spinnentieren – wie Weberknechte, Skorpione, Pseudoskorpione und Milben, inklusive Zecken. Sie sind unterteilt in Gliederspinnen (Mesothelae), Vogelspinnenartige (Mygalomorphae) und Echte Webspinnen (Araneomorphae).

Spinnennetz der Baldachinspinne im Gras

Rasenschmuck: die Netze der Baldachinspinne

Hohe Kunst des Netzbaus

Die meisten Spinnen haben vier paar Augen, doch ihr Supersinn ist das Tasten. Sie haben sogenannte Becherhaare an den Beinen. Damit spüren sie nicht nur ihre unmittelbare Umgebung und eventuelle Hindernisse, sondern auch feinste Luftbewegungen und Schallwellen.

Dieser Mechanismus ist so akkurat eingestellt, dass sie sogar die Entfernung und Richtung orten können, aus der ein Angreifer sich nähert – oder ein Opfer.

Zusätzlich befinden sich an den Beinen die Spaltsinnesorgane, mit denen die Spinne Vibrationen wahrnimmt. Landet Beute im Netz, merkt sie die Veränderungen über die Fäden und macht sich auf den Weg zum Festmahl.

Und damit nicht genug, es gibt noch einen weiteren Spezieleffekt: Viele Spinnen riechen mit Geruchshaaren, die – genau – sich an den Beinen befinden. Das Ganze funktioniert über chemotaktile Reize und wird von den Tieren unter anderem auf der Partnersuche eingesetzt.

Wofür wir die Spinne am meisten bewundern, ist die hohe Kunst des Netzbaus.

Die Spinnennetze variieren je nach Art:

  • Es gibt die Raumnetze, die beim Hausputz stören, weil sie in den Ecken rumhängen.
  • Die Trichternetze und Fangschläuche, die sehr engmaschig zu Trichtern und Schläuchen gesponnen sind, wie es der Name vermuten lässt.
  • Die Baldachinnetze, die sich wie kleine Pavillons über Grashalme spannen.
  • Und dann natürlich die großen, symmetrisch gearbeiteten Radnetze, die in Gärten, Hecken und Wäldern hängen. Ein solches Netz ist gut durchdacht und an den Alltag der Spinne angepasst.

Ein solches Radnetz ist gut durchdacht und an den Alltag der Spinne angepasst. Es gibt ein Fangnetz. Das ist der Teil, in dem die Spinne wohnt und sich versteckt, bis die Beute kommt.

Das Netz verfügt über viele Hilfsfäden, die unterschiedliche Funktionen haben und etwa als Spannhilfe, Stolperfalle, Signal oder Kommunikationsmittel dienen.

Der Bau eines Netzes folgt einem Plan: Die Spinne spannt zunächst Hilfs- und stabilisierende Fäden, ehe sie ans Feintuning geht. "Das ist ein sehr komplexer Vorgang und eine echte Leistung für ein vergeichsweise einfach gebautes Lebewesen wie die Spinne", sagt der Biologe Thomas Lübcke.

Kreuzspinne im Radnetz

Kunstwerk im Garten: ein Radnetz

Wachstum per Häutung

Acht Beine unfallfrei zu koordinieren ist ein weiteres Kunststück, das der Spinne gelingt. Sie kann jedes Bein einzeln, unabhängig von den anderen bewegen.

Das kann man mitunter beobachten, wenn eine Spinne in der Sonne sitzt und scheinbar nur sieben Beine hat – eines hat sie unter den Körper abgeknickt.

"Das Laufen erfolgt nach einer bestimmten Choreographie: das 1. und 3. Bein auf der einen Seite werden gleichzeitig mit dem 2. and 4. auf der anderen bewegt, immer abwechselnd", sagt Thomas Lübcke.

Kraushaar-Vogelspinne bei Häutung

Ein paarmal im Leben wechselt die Spinne ihre Hülle

Verliert die Spinne mal ein Bein, ist das nicht dramatisch. Sie kommt auch mit weniger zurecht. "Problematisch wird es erst, wenn nur noch die Hinterbeine übrig sind, damit gestaltet sich das Laufen schwierig", sagt Lübcke.

Wenn die Spinne Glück hat, hat der Beinverlust im jungen Alter stattgefunden. Dann wächst es nach und wird bei der nächsten Häutung freigegeben. Spinnen haben ein festes Außenskelett, dass ihnen nur ein begrenztes Wachstum ermöglicht. Sie wachsen deshalb per Häutung.

Jedes Mal, wenn sie ihren Panzer vollständig abschmeißen, sind sie etwa ein Fünftel größer als zuvor.

Spinnengift gegen Krebs?

Obwohl es so viele Spinnenarten gibt, weiß die Forschung noch vergleichsweise wenig über diese Tiere. Ständig werden neue Arten entdeckt, deren Lebensweise untersucht wird.

"Springspinnen zum Beispiel haben sehr spannende Kommunikationsrituale", sagt Thomas Lübcke. Wie intelligent sind Spinnen? Welche Rolle spielt ihr Sozialverhalten? Und wie wirkt sich ihr Vorhandensein oder Nichtvorhandensein auf Nahrungsketten aus?

Springspinne

Wie kommuniziert die Springspinne?

Es gibt unzählige Fragen, die Wissenschaftler noch beantworten wollen.

Zu den spannenden Themen derzeit zählt auch das Gift der Gliederfüßer. Um ihre Beute zu betäuben oder zu töten, spritzt die Spinne geringe Dosen eines hoch wirksamen Giftes über die Beißklauen direkt in den Körper. Für Menschen ist das nur selten und bei wenigen Arten gefährlich.

Die Pharmaindustrie interessiert sich sehr für diese Zellgifte. "In der Onkologie ist man darauf aus, möglichst effektive und gleichzeitig Gewebe schonenden Stoffe zur Tumorbekämpfung zu isolieren – so etwas hofft man bei den Spinnen zu finden", sagt Lübcke.

Autorin: Claudia Füßler

Stand: 29.11.2016, 10:41

Darstellung: