Bäume

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Bäume

Wer vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht, hat sprichwörtlich den Überblick verloren. Doch wer den einzelnen Baum im Wald oder Park einmal genauer betrachtet, stößt auf Lebenskünstler mit einer faszinierenden Vielfalt von Eigenarten. So können schlechte Bodenbeschaffenheit oder Lichtverhältnisse den Bäumen das Leben ganz schön schwer machen. Allen widrigen Umständen zum Trotz haben sie Strategien entwickelt, Haltung zu bewahren.

Der Baum - eine außergewöhnliche Pflanze

Ein Baum ist, botanisch gesehen, eine langlebige Pflanze mit ausgeprägt verholztem Stamm. In der Regel verzweigt er sich ab einer bestimmten Höhe und bildet eine sogenannte Krone aus belaubten Zweigen. Manche Bäume wie Baumfarne und Palmen verzweigen sich nicht. Vielmehr enden sie in einem Schopf großer Blätter.

Es gibt Bäume, deren Blätter zu langen spitzen Nadeln geformt sind. Andere tragen Blätter verschiedenster Formen. Zudem wird zwischen immergrünen und sommergrünen (Laub abwerfenden) Bäumen unterschieden. Wie andere Pflanzen blühen Bäume, um sich zu vermehren. Sie können Höhen von über 100 Metern erreichen und mehrere tausend Jahre alt werden. Ihr Alter lässt sich an der Anzahl der in ihrem Holz gebildeten Jahresringe ablesen: Jedes Jahr entwickelt sich beim wachsenden Baum im Innern des Stammes eine neue Schicht.

Lebensraum Wald

Foto von unten in die Kronen mehrerer Bäume.

Wichtiger Bestandteil der Pflanzenwelt

Bäume sind ein wichtiger Teil unserer Pflanzenwelt. In den tropischen Wäldern sowie in der gemäßigten und der nördlichen Klimazone sind sie sogar die vorherrschende Pflanzengruppe. In gesunden Wäldern gibt es meist eine bunte Mischung von verschiedenen Bäumen. Durch unterschiedliche Höhe und Wuchsformen nutzen sie das Angebot an Licht, Wasser und Nährstoffen optimal aus.

Mit ihren vielfältigen Formen bieten sie wiederum anderen Pflanzen Lebensräume: Diese wachsen in ihrem Schatten, ranken wie Lianen an ihnen empor oder siedeln auf ihren Ästen. Entsprechend vielfältig sind auch die Tierarten, die in Bäumen leben. Knapp unter 30 Prozent der Landmasse der Erde sind bewaldet. Doch der Baumbestand geht mehr und mehr zurück. Dies hat vor allem mit der wirtschaftlichen Bedeutung der Bäume zu tun.

Der Baum als Wirtschaftsgut

Das Holz der Bäume ist weltweit ein wichtiger nachwachsender Energielieferant. Außerdem dient es als Bau- und Rohstoff für alle möglichen Materialien wie zum Beispiel Zellulose (Papierherstellung) und Viskose (Textilherstellung). Weitere Baumprodukte sind Früchte, Samen und Harze. Obst und Nüsse werden geerntet und verspeist. Aus Ästen und Blättern werden Harze, Gerb-, Bitter- und Farbstoffe gewonnen.

Weltweit gibt es etwa 30.000 Holzarten, von denen jedoch nur etwa 1000 eine größere wirtschaftliche Bedeutung haben. Viele Länder treiben Raubbau mit ihren Wäldern: Sie schlagen mehr Holz als nachwachsen kann. Die Folge ist eine jährliche Verringerung des Waldbestandes um mehr als zehn Millionen Hektar. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ist die Waldfläche in Deutschland seit 1960 angewachsen. Allerdings werden häufig große Flächen mit nur einer Baumart (Monokulturen) angebaut, wie etwa schnellwüchsigem Nadelholz.

Hartnäckige Sauerstofflieferanten: Stadtbäume

Eine von Autos befahrene Allee in einer Stadt.

Alleen dienen nicht nur der Stadtverschönerung

Bäume gehören in den Wald, denkt so mancher Stadtmensch, der sich über den schattigen Baum vor seinem Küchenfenster ärgert. Dabei übersieht er, dass die Bäume in unseren Städten wichtige Funktionen erfüllen: Ein einzelner Baum produziert pro Stunde bis zu 1200 Liter Sauerstoff. Oder anders gerechnet: Während seiner Wachstumsperiode im Sommer produziert er die Atemluft für zehn Menschen.

Aber das ist noch längst nicht alles: Innerhalb einer Stunde verarbeitet ein Straßenbaum rund 2,4 Kilogramm Kohlendioxid. Außerdem bindet er mehr als 100 Kilogramm Staub im Jahr. Bis zu 400 Liter Wasser verdunstet er an einem sonnigen Tag, erhöht dadurch die Luftfeuchtigkeit und kühlt seine Umgebung um einige Grad ab.

Das alles leistet er unter ausgesprochen schwierigen Bedingungen: Die feinen Partikel von Staub und Abgasen dringen in die sogenannten Spaltöffnungen seiner Blätter ein und schädigen dort das Gewebe. Seine Wurzeln müssen im städtischen Boden immer wieder Umwege um Beton, Rohre und Leitungen machen. Vielen Bäumen bleiben nur wenige Quadratmeter offener Boden rund um ihren Stamm. Für die Bäume ist unbedecktes Erdreich jedoch lebenswichtig, damit das Wasser bis zu ihren Wurzeln sickern kann. Diese viel zu kleinen Flächen werden zudem oft zugeparkt oder durch Betreten verdichtet.

In Großstädten blühen Bäume in der Regel früher als auf dem Land. Die Durchschnittstemperatur in den Städten liegt im Sommer wie im Winter um einige Grad Celsius höher als im Umland. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Asphalt- und Betonoberflächen heizen sich durch die Sonne auf, viele Häuser sind nur schlecht isoliert. Außerdem führt die Anreicherung der Atmosphäre mit Kohlendioxid aus den Autoabgasen zum Treibhauseffekt. Die Folge: Bäume und Sträucher beginnen früher zu blühen. Und zwar mit jedem zusätzlichen Grad um eine Woche früher.

Bäume in der Kulturgeschichte

Ein weiß-blauer Maibaum wird aufgerichtet.

Ein Maibaum ist Tradition

Bäume galten und gelten noch heute in vielen Kulturen als Sitz von Göttern und Geistern. Unter den Bäumen wurden ihnen Opfer gebracht. Auch christliche Heilige erschienen der Legende nach nicht selten in der Nähe von Bäumen oder Hainen. Viele Wallfahrtsorte sind so entstanden.

Manchem großen, alten Baum schreiben Menschen eine Seele zu. Das Pflanzen von Bäumen wird daher in vielen Kulturen von religiösen oder magischen Zeremonien begleitet. Vom Gedeihen eines Baumes, der anlässlich einer Geburt oder einer Hochzeit gepflanzt wurde, versprach man sich Auskunft über das Schicksal der betreffenden Menschen. Und auch Weihnachtsbaum oder Maibaum erinnern noch heute an die Zeit, als Bäume im magisch-religiösen Leben der Menschen eine wichtige Rolle spielten.

Autorin: Rita Gudermann

Stand: 23.03.2016, 10:44

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