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Gefahren im Eis

Der Nordpol war schon erreicht, als 1910 der Wettlauf in die Antarktis beginnt. Wochenlang liefern sich der Norweger Roald Amundsen und der Engländer Robert Scott ein spannendes Rennen - mit tragischem Ausgang. Beide wollen sich in dem Ruhm sonnen, als erster den Südpol erreicht zu haben.

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Herausforderung am Südpol

Der Südpol stellt die Polarforscher vor ganz andere Herausforderungen als der Nordpol. Anders als die nördliche Polarregion ist die Antarktis kein Eismeer, sondern ein Kontinent, den eine kilometerdicke Eisschicht bedeckt. Außerdem wird das Gebiet ringsum von einer gewaltigen Eisbarriere geschützt. Alle Versuche, den Südpol zu erkunden, waren bisher gescheitert. Jetzt hat Scott für 1910 eine neue Expedition angekündigt. Wenn Amundsen gewinnen will, darf er keine Zeit verlieren. Er befürchtet aber, dass seine Sponsoren eine überstürzte und riskante Südpol-Expedition nicht genehmigen. Deshalb täuscht er vor, seine geplante Nordpol-Expedition weiter vorzubereiten. Nur seine engsten Mitarbeiter weiht er ein.

Foto: Roald Amundsen, Portraitaufnahme, um 1920. (Rechte: dpa)

Roald Amundsen

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Die Expedition des Roald Amundsen

Am 9. August 1910 sticht Amundsen mit der "Fram" in See. An Bord 18 Mann Besatzung, 100 Huskys, ein Kanarienvogel, 3000 Bücher, ein zerlegbares Fertighaus und ein Grammofon. Offizielles Ziel: die Arktis. In Madeira macht die "Fram" zum letzten Mal fest. Jetzt lässt Amundsen die Katze aus dem Sack und teilt seiner Besatzung mit: Unser Ziel ist nicht der Nord-, sondern der Südpol. Wer damit nicht einverstanden sei, könne aussteigen. Alle blieben. Dem Rivalen Scott telegrafiert er knapp: "Fram auf Weg in die Antarktis". Der Wettlauf zum Pol beginnt.

Am 13. Januar 1911, geht Amundsen in der Walfischbucht vor Anker. Scott erreicht die Antarktis zur gleichen Zeit und schlägt sein Lager im "McMurdo-Sund" auf, 650 Kilometer von Amundsen entfernt. Beide Expeditionen müssen überwintern. Amundsen hat alles minuziös vorbereitet. "Wenn wir gewinnen wollen, darf kein Hosenknopf fehlen", schärft er seiner Mannschaft ein. Im Eis lässt er unterirdische Werkstätten bauen und legt auf dem Weg zum Pol in regelmäßigen Abständen Vorratslager an. Er trainiert mit den Hunden, von denen das Leben der Menschen abhängt, und ist begeistert von deren Ausdauer.

Foto: Robert Scott, Portraitaufnahme, um 1910. (Rechte: dpa)

Robert Scott

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Die Expedition des Robert Scott

Scotts Ausrüstung ist aufwändiger, seine Mannschaft doppelt so groß. Er setzt auf modernste Technik, hat drei Motorschlitten mitgebracht - der erste versinkt schon beim Ausladen im Meer. Statt auf Hunde setzt Scott auf mandschurische Ponys.

Karte der Südpolar-Expedition. (Rechte: dpa)

Karte der Südpolar-Expedition

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Der Wettkampf

Am 19. Oktober 1911 beginnt Amundsens Angriff auf den Pol - fünf Männer, 54 Hunde und vier Schlitten. Der Norweger legt ein mörderisches Tempo vor. In vier Tagen überwindet er die Gletscher des Küstengürtels und erreicht das Hochplateau der Antarktis. Vor ihm eine weiße Einöde, soweit das Auge reicht. Bis zum Pol gibt es jetzt kein Hindernis mehr. Amundsen lässt alle Hunde erschießen, die er nicht mehr braucht - Frischfleisch für das Team. Die kleine Gruppe jagt über die schneebedeckte Hochebene wie bei einem olympischen Skilanglauf. Am 14. Dezember sind sie am Ziel: Der Pol ist erreicht, ein fiktiver Punkt 3000 Meter über dem Meeresspiegel. Geschafft - Sie sind die Ersten! Sie setzen die norwegische Flagge und Amundsen schreibt später: "Ich kann nicht sagen, dass ich da vor dem Ziel meines Lebens stand. Der Nordpol hatte es mir von Kindesbeinen an angetan, und nun befand ich mich am Südpol. Kann man sich etwas Gegensätzlicheres vorstellen?" Abends im Zelt, feiern sie den Sieg mit Seehundfleisch und Zigarren. Vier Tage später treten sie in bester Stimmung den Rückweg an.

Scott bricht erst einen Monat nach Amundsen auf, ebenfalls mit vier Mann. Ihr Marsch steht aber von Anfang an unter keinem guten Stern. Die Motorschlitten streiken, die Ponys müssen erschossen werden, weil sie sich als untauglich erweisen. Die Männer haben keine Wahl, sie müssen die schweren Schlitten selbst ziehen - ein mörderisches Unterfangen, obendrein hat Scott die schwierigere Route gewählt. Zu Tode erschöpft erreichen die Engländer am 18. Januar 1912, einen Monat nach Amundsen, den Südpol. Resigniert notiert Scott in sein Tagebuch: "Die Norweger sind uns zuvorgekommen - Amundsen ist der Erste am Pol! Eine furchtbare Enttäuschung! All die Mühsal, all die Qual - wofür? Mir graut vor dem Rückweg..."

Der Rückweg wird zur Katastrophe. Einer nach dem anderen bleibt in der weißen Hölle liegen. Scotts letzter Tagebucheintrag vom 29. März 1912 lautet: "Der Tod kann nicht mehr fern sein. Um Gottes willen, sorgt für unsere Hinterbliebenen!" Zu diesem Zeitpunkt ist Amundsen bereits in Tasmanien, lässt es sich im Schatten von Palmen gut gehen. Er hat den Rückmarsch in Rekordzeit bewältigt: 99 Tage nach ihrem Aufbruch, nach insgesamt 2500 Kilometern, sind die Norweger wieder auf der "Fram". Sie erfreuen sich bester Gesundheit und haben unterwegs sogar zugenommen. Vom Schicksal der Engländer wissen sie zu diesem Zeitpunkt nichts. Die Leichen Scotts und seiner Gefährten werden erst im folgenden Polarsommer gefunden. Sie liegen nur 20 Kilometer vom nächsten Vorratslager entfernt.

Der britische Südpolarforscher E. Henry Shackleton war Mitglied der "Discovery"-Expedition von R.F. Scott von 1901 bis 1904 und Entdecker des südlichen magnetischen Erdpols 1909. (aufgenommen 1922) (Rechte: dpa)

Ernest Shackleton

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Der dritte Pionier: Ernest Shackleton

Einen dritten Pionier hat die Öffentlichkeit allerdings schon vor der Eroberung des Südpols in ihr Herz geschlossen: Ernest Shackleton. 1902 fuhr er als Offizier unter der Führung von Scott erstmals in die Antarktis. Diese Expedition sollte den Grundstein einer tiefen Abneigung und Konkurrenz zwischen den beiden legen. Scott leitete zwar die Expedition, aber Shackleton war bei der Mannschaft sehr beliebt und dadurch zum Rivalen geworden. Sein Traum, einmal eine eigene Antarktis-Expedition zu leiten, ging 1907 in Erfüllung. Shackleton startete an der McMurdo-Bucht und konnte sich dem Südpol immerhin auf 180 Kilometer nähern. Statt den Rekord durchzusetzen, kehrte Shackleton zurück, um nicht das Leben aller zu riskieren. Es war ein Erfolg und Scheitern zugleich.

1914 versuchte er erneut sein Glück in der Antarktis. Dieses Mal wollte er die gesamte Antarktis durchqueren. Aber auch diese Expedition scheiterte. Sein Schiff, die "Endurance" fror fest und wurde vom Eis zerdrückt. Aber wieder schaffte es Shackleton, seine Mannschaft sicher wieder nach Hause zu bringen. Und so ging er in die Geschichte ein als der Südpol-Pionier, der sich durch Menschlichkeit und einen enormen Mannschaftsgeist auszeichnete, und dem das Leben wichtiger war als der Ruhm.

Harald Brenner, Christiane Gorse, Stand vom 02.12.2011
Sendung: Wett­ren­nen im Ewi­gen Eis - Die Er­obe­rung des Süd­pols, 07.12.2011

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