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Sklaven in Gambia

In den 70er Jahren rückten der Roman und die Fernsehserie "Roots" das Verbrechen des kolonialen Sklavenhandels ins Bewusstsein Amerikas und Europas. Die authentische Geschichte des Sklavenjungen Kunta Kinte beginnt in Gambia, einem der Hauptumschlagsplätze des Sklavenhandels. Sie ist nur ein Beispiel für die die unvorstellbaren Greueltaten, die europäische Sklavenhändler auf dem afrikanischen Kontinent verübten. Heute erinnert eine Insel im Gambia-Strom an diese grausame Zeit.

Gemälde: Weiß gekleidete Sklavenjäger überfallen einafrikanisches Dorf und nehmen Schwarze als Sklaven (Rechte: AKG)

Tausende Sklaven wurden aus Gambia verschleppt

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Sklaverei und Sklavenhandel in Westafrika

Sklaverei und Sklavenhandel ist eines der schlimmsten Verbrechen der Menschheit. Für den transatlantischen Sklavenhandel von Afrika nach Amerika, der vom 16. bis ins 19. Jahrhundert dauerte, waren viele europäische Nationen verantwortlich, vor allem Briten, Franzosen, Spanier, Portugiesen und Niederländer, aber auch Deutsche und Skandinavier. Teils wurden die Afrikaner geraubt, teils von ihren Häuptlingen und Königen verkauft. Der Sklavenhandel war Teil eines Dreieckhandels: Westafrikas Häuptlinge bekamen für ihre Menschenware von den Europäern Textilien, alte Gewehre, billigen Schnaps und Glasperlen. Die Besitzer der überseeischen Plantagen zahlten die europäischen Sklavenhändler mit ihren Erzeugnissen aus: Zucker, Tabak, Baumwolle, Gewürze und Kaffee.

Wie viele Afrikaner vom 16. bis 19. Jahrhundert versklavt wurden, ist umstritten. Die Schätzungen schwanken zwischen 15 und 60 Millionen. Ein Großteil starb bereits auf der Überfahrt in die "Neue Welt". Die westafrikanischen Staaten Gambia und der Senegal waren jedoch nicht das Zentrum des afrikanischen Sklavenhandels. Zwischen 1700 und 1850 wurden aus "Senegambia" schätzungsweise 427.000 Sklaven verschleppt. Das entspricht lediglich knapp fünf Prozent aller Sklaven, die aus Afrika nach Amerika deportiert wurden. Die Staaten am Golf von Guinea oder auch Angola waren weitaus stärker betroffen.

Auktionsankündigung von 1829

Menschen als Ware: Bei Auktionen wurden auch Sklaven angeboten

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Die Kolonialmächte am Gambia River

Die Herren der Sklaverei wechselten stetig, auch in Gambia. Zentrum des gambischen Sklavenhandels war vom 17. bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts James Island, eine Insel im mangrovenbestandenen Gambia-Strom, die Festung und Sklavenumschlagplatz war. Im 17. und 18. Jahrhundert deportierten vor allem britische und französische Kolonialherren von hier aus zehntausende Sklaven nach Amerika und in die Karibik. Davor war die Insel in der Hand von Portugiesen, die hier ihre Seefahrer bestatteten. 1651 pachtete der deutsche Herzog von Kurland die Insel und startete von dort Sklaventransporte in die Karibik. Doch schon bald verkaufte der Herzog die Insel wieder an die Holländer, ehe 1661 die Briten James Island eroberten und ihr Fort bauten. Franzosen rissen die Insel zweimal an sich, ehe der Vertrag von Versailles 1763 die britischen Rechte an Gambia festschrieb. 1807 verbot Großbritannien den Sklavenhandel in den Kolonien und versuchte den Sklavenhandel anderer Nationen am Gambia-Strom zu unterbinden.

Schwarz-Weiß-Foto eines Schwarzen in Ketten.

Mandingo-Angehörige wurden in Gambia häufig versklavt

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Orte der Erinnerung: Juffure und James Island

Gegenüber von James Island, am Ufer des Gambia, liegt das Dorf Juffure. Juffure und James Island sind heute Wallfahrtsorte für schwarze Amerikaner, die auf der Suche nach ihren Wurzeln sind. Vor Ort erzählen Fremdenführer von der Zeit der Sklavenverschleppung, als wäre sie erst gestern zu Ende gegangen. "Manchmal wurden die Sklaven von den Aufsehern getötet, wenn ein Fluchtversuch schief ging", berichtet ein Fremdenführer in Juffure. "Wer Probleme machte, der kam vor Gericht. Die Richter haben dann entschieden, wer getötet wurde und wer in die Dungeons kam." Die "Dungeons" sind dunkle Kellerverliese, in die widerspenstige Schwarze eingesperrt wurden. Noch immer sind die Eisenketten in die Kerkerwände eingelassen.

Das alte Fort auf James Island ist längst eine Ruine. Die Geschützstellungen sind vom Tropenklima verwittert. Die unterirdischen Kerker verbreiten aber heute noch die Atmosphäre kalten Grauens. Hier saßen die aufsässigen Sklaven ein, ohne Licht, ohne Kleidung, angekettet, bei Wasser und Brot. Die anderen Sklaven, Männer wie Frauen, erlebten James Island nur kurz. Sie wurden nach Gorée Island deportiert, eine Insel vor der Küste Senegals - auch ein Synonym des Sklavenhandels. Von dort aus ging es in die Karibik und nach Amerika.

Haley und die Geschichte von Kunta Kinte

Einer, der überlebte und dessen Geschichte Weltruhm erlangte, war der Mandingo-Junge Kunta Kinte aus Juffure. Er wurde im Jahr 1767 als 17-jähriger beim Holzsammeln im Wald von Sklavenjägern überfallen, in Ketten gelegt, nach Amerika deportiert und an einen Südstaatenfarmer verkauft. Viermal versuchte er zu fliehen, bis ihm zur Strafe ein Fuß abgeschlagen wurde. Der schwarze US-Schriftsteller Alex Haley setzte dem Sklavenjungen 1976 mit der Familiensaga "Roots" ("Wurzeln") ein literarisches Denkmal. Roman und Fernsehverfilmung gingen um die Welt. Zwölf Jahre und viele Reisen nach Westafrika kostete es Haley, seine eigenen Wurzeln in Gambia zu finden und die Geschichte seines Urahnen Kunta Kinte zu rekonstruieren. Wahrheit und Fiktion vermischen sich in dem Roman.

Der kleine Ort Juffure am Gambia-Fluss ist längst eine Größe im Afrika-Tourismus. Aus dem Dorf selbst sollen etwa 600 Dorfbewohner im Laufe der Jahrhunderte versklavt worden sein. Dass viele von ihren eigenen Häuptlingen und Familienoberhäuptern an die Sklavenhändler verschachert wurden, erwähnen weder der noch heute im Ort ansässige Clan der Kintes, noch das örtliche Sklaverei-Museum.

Kai Althoetmar, Stand vom 28.07.2008

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