Bronzezeit
Aufbruch in ein neues Zeitalter
Rückblickend betrachtet erscheint es geradezu als Revolution, dass die Menschen zum Ende des 3. Jahrtausends vor Christus damit begannen, Bronze herzustellen und zu verarbeiten. Eine Technologie, die fortan das Leben in allen Bereichen entscheidend veränderte und prägte. Doch es war kein plötzlicher Übergang, keine "Revolution" sondern eine Evolution, also ein kontinuierlicher Prozess.
Die Wurzeln der Bronzezeit liegen in der Kupferzeit. Genau genommen handelt es sich bei der Kupferzeit um die jüngsten Zeitabschnitte der Jungsteinzeit. Die Kupferzeit bildet den Übergang von der Jungsteinzeit zur frühen Bronzezeit. Damals entstanden die grundlegenden Techniken der Metallgewinnung und Verarbeitung. Allerdings beschränkten sie sich damals noch auf elementar vorkommende Metalle wie Gold, Silber und vor allem Kupfer.
Möglicherweise gab es zu Beginn der Bronzezeit Lagerstätten, in denen es mehr unfreiwillig zu einer Mischung von Metallen kam, die dann auch gemeinsam verarbeitet wurden. An manchen Funden lässt sich feststellen, dass das Material eine andere Zusammensetzung hat, eben nicht nur reines Kupfer ist. Wann der Mensch willentlich erstmals eine Zinnlegierung vorgenommen hat, ist schwer zu bestimmen. Das Hauptproblem ist, dass Zinn archäologisch nicht nachzuweisen ist, weil es schnell oxidiert und damit für Untersuchungen der Archäologie nicht genutzt werden kann. Es sind daher kaum reine Zinnbarren zu finden, die darauf hindeuten, wie dieses Metall in der Bronzezeit genau behandelt wurde, damit die Menschen es für ihre Zwecke benutzen konnten.
Nur selten hat die Wissenschaft das Glück eines solchen Zinnfundes. Das spätbronzezeitliche Handelsschiff von Uluburun, ein Segelschiff, das vor der Südwestküste der Türkei gesunken ist, ist ein solcher Glücksfall. Aus dem Inneren des Schiffswracks konnten die Archäologen rund eine Tonne Zinnbarren bergen. Das Metall hatte hier unter Luftabschluss die Jahrtausende überdauert. Neben zahlreichen anderen Schätzen, die den Handel der damaligen Zeit belegen, fanden sich auch fast 500 Kupferbarren an Bord. Es stellte sich heraus, dass die beiden Metalle in einem Verhältnis von zehn Teilen Kupfer zu einem Teil Zinn auf dem Schiff transportiert wurden. Interessanterweise ist das genau das Mischungsverhältnis, das für die Herstellung von Bronze gebraucht wird.
Wirtschaft im Wandel - die Metallurgiekette
Frühe komplexe Gesellschaftsformen entstanden immer in Verbindung mit Metall. Metall bedeutete eine leistungsfähigere Wirtschaft. Wirtschaft bedeutete Veränderung in der Gesellschaft. Landwirtschaft gab es seit der Jungsteinzeit im 6. Jahrtausend vor Christus. Von da an bis zur Kupferzeit ab zirka 3900 Jahren vor Christus. lebten die Menschen in Mitteleuropa ohne hierarchische Strukturen. Einen Staat oder eine zentrale Herrschaft gab es nicht. Sie waren Bodenbauer und Tierhalter, die innerhalb ihrer Abstammungsgruppen lebten. Die oberen Instanzen innerhalb der Gesellschaft waren die Ritualexperten oder Priester. Das änderte sich im Zuge der Metallgewinnung und -verarbeitung zunehmend, beginnend bereits in der Kupferzeit, im 4. und 3. Jahrtausend vor Christus. Schon in dieser Zeit ist die materielle und gesellschaftliche Grundstruktur vorgegeben, die in der Bronzezeit zur Reife kommt.
Die Bronzezeit umfasst eine sehr lange Periode: vom Ende des 3. bis zu Beginn des 1. Jahrtausends vor Christus. Nach und nach differenzierten sich die gesellschaftlichen Strukturen weiter aus. Die Entwicklung von Hilfsmitteln aus Metall erleichterte und veränderte das Leben der Menschen. Zum Beispiel war es möglich, mit landwirtschaftlichen Geräten wie dem Pflug die Felder effektiver zu bewirtschaften. Das wiederum erlaubte es, größere Äcker anzulegen. Im Zuge der Metallverarbeitung benötigten die Menschen Nachschub an natürlichen Rohstoffen, die nun systematisch ausgebeutet wurden: Feuerstein, Sole, Buntmetall. Die Produkte, die sie daraus schufen, machen ihnen das Leben angenehmer. Mit der Bronze, einer Legierung aus zirka 90 Prozent Kupfer und zirka 10 Prozent Zinn, stand unseren Vorfahren ein Material zur Verfügung, das sie nach Belieben bearbeiten und formen konnten. Zu Werkzeugen, Waffen, Haushaltsgeräten und Schmuck. Bronze wurde wertvoll, hauptsächlich deshalb, weil die nötigen Rohstoffe nicht überall in der Landschaft vorkamen. Je nachdem, in welcher Region die Menschen lebten, musste es über weite Strecken, oft bis zu 2000 Kilometer hinweg, besorgt werden. Vor allem Zinn war rar und in der Regel erwarben es die Menschen über weite Handelswege im Austausch gegen andere Waren.
So kam ein Teil des Materials aus den Alpen, wie reines Kupfer aus dem Bergbau in Mitterberg. Zinn gab es unter anderem im englischen Cornwall. Salz war in unseren mitteleuropäischen Regionen eine wichtige und wertvolle Handelsware. Es diente dazu, Speisen haltbar zu machen und war daher sehr begehrt. Salz machte den Reichtum einer Region aus. Mancherorts wurde es industriel abgebaut. Das Salzbergwerk von Hallstadt in Österreich ist einer der ältesten Belege aus der Bronzezeit. Den systematischen Salzabbau belegen dort noch heute Gräberfelder und Reste alter Halteseile in den Bergwerken. Eine der wesentlichen bronzezeitlichen Erfindungen ist sicherlich der "prämonetäre" Warenwert. Ab dem Zeitpunkt des Handels mussten die Menschen in der Lage sein, den Dingen Werte zuzuordnen. Somit war eine bestimmte Ware mehr wert als eine andere, von der man dafür dann entsprechend mehr bekam.
Wie reichhaltig diese Warenschätze waren, belegen die Funde untergegangener Schiffe. Mit Hilfe solcher archäologischer Schätze ist es auch möglich, Handelswege in der Bronzezeit nachzuvollziehen. Aber nicht nur zu Wasser haben die Menschen damals weite Strecken zurück gelegt – sie müssen ganz offenkundig hervorragende Schiffsbauer gewesen sein – auch zu Land gab es ein breites Netzwerk von Handelswegen. Interessanterweise gingen in Deutschland die Haupthandelswege durch die Region Halle. Das entspricht der heutigen Bundesstraße 9. Zwar gab es auch schon in der Steinzeit Handelswege, aber die waren bei weitem nicht so ausgefeilt und durchstrukturiert wie in der Bronzezeit. Die Menschen der Bronzezeit entwickelten eine echte Metallurgiekette.
Entwicklung einer gesellschaftlichen Hierarchie
Die Metallurgiekette mit ihrem blühenden Handel bedingte noch weitere gesellschaftliche und strukturelle Veränderungen. Die Menschen wurden sesshaft, vornehmlich an den Knotenpunkten des Metallhandels. Sie bauten Siedlungen, bestellten Felder und züchteten Nutztiere. Diese Zentren waren stabilisierende Eckpunkte eines dauerhaften Netzwerkes, das auf dem überregionalen Austausch von Rohstoffen und Prestigegütern beruhte, wie Kupfer, Zinn, Gold, Bernstein und Salz. Am wichtigsten und wertvollsten war aber das Metall. Es gibt Hinweise, dass die Menschen wegen der knappen Vorräte sogar irgendwann mit Recycling begannen.
Ein blühender Handel setzt strategisches Arbeiten voraus. Dazu gehört eine gute Organisation, Arbeitsteilung und Spezialisierung. Für die Arbeiten rund um die Metallgewinnung und -verarbeitung waren besondere Fähigkeiten und spezielles Wissen von zentraler Bedeutung. So entwickelte sich eine berufliche Spezialisierung, die charakteristisch war für die Bronzezeit. Da gab es zum Beispiel Bergleute, Handwerker, Händler, Korbflechter, Glasperlenmacher und vor allem die Metallurgen - die Bronzegießer.
Und genauso entwickelten sich die Arbeitsteilung und das Konzept des Eigentums. Letzteres führte zu einem dafür typischen Phänomen: Es gab auf einmal Arm und Reich. Eigentum war ungleich verteilt. Erstmals entwickelten sich Dynastien. Die bronzezeitliche Gesellschaft war in Hierarchien aufgebaut mit Herrschern, Fürsten, Untertanen. Wissen ist Macht. So standen zu Beginn der Bronzezeit die Metallverarbeiter, die Bronzegießer, an der Spitze der Gesellschaft. Die "Staatsoberhäupter" hatten gesellschaftliche Vorteile, sie waren wirtschaftlich besser gestellt und besaßen sehr wahrscheinlich auch religiöse Autorität.
Geographische Entwicklung
Für die Wissenschaftler spielte sich die Bronzezeit mit ihren Handelsnetzwerken im Mittelmeerraum und im Vorderen Orient ab. Nach dem heutigen Kenntnisstand hat sich die Bronzezeit in unterschiedlichen Zentren entwickelt. Als Ausgangspunkt, von dem aus sowohl das Material als auch das nötige Wissen der europäischen Bronzetechnologie exportiert wurde, gilt Vorderasien. Basierend auf den Funden, die bis heute entdeckt wurden, haben die Menschen in Palästina bereits um 3300 vor Christus Bronze herstellen können, in Ägypten um 2700 vor Christus. Danach folgen Mitteleuropa (zirka 2200 vor Christus) und Nordeuropa (zirka 1800 vor Christus).
Durch diese unterschiedlichen Entwicklungsstufen der Bronzezeit ergaben sich viele verschiedene und regional geprägte archäologische Kulturen, wie zum Beispiel die Glockenbecherleute in Süd-, West- und Mitteleuropa. Ihre Kultur dauerte von 2600 bis 2200 vor Christus. Ihr Ursprung liegt in Spanien. Nahezu zeitgleich gab es aber auch die Schnurkeramiker, 2800 bis 2200 vor Christus, die nach der charakteristischen Art der Gefäßverzierungen benannt sind - mit Schnüren eingedrückte Keramikverzierungen. Beide Kulturen hatten ihre eigenen Trachten und Traditionen. In anderen Länder beziehungsweise Erdteilen gab es eine andere Entwicklung. In Afrika gab es in dem Sinne keine Bronzezeit. Hier fängt die Metallgesellschaft unmittelbar mit dem Eisen an. Auch die geschichtliche Entwicklung in Asien und Amerika sind nicht mit der bronzezeitlichen vergleichbar.
Andrea Wengel, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Bronzezeit - Von Fürsten, Kriegern und Händlern, 09.11.2007









