Riechen

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Echte und künstliche Supernasen

Nase vor blauem Himmel.

Der Mensch besitzt zirka 30 Millionen Geruchsnerven und eine fünf Quadratzentimeter große Riechschleimhaut. Das klingt beachtlich, aber im Vergleich zu vielen Tieren sind wir mit einem sehr bescheidenen Geruchssinn ausgestattet - selbst wenn wir 10.000 Gerüche unterscheiden können.

Der Mensch besitzt zirka 30 Millionen Geruchsnerven und eine fünf Quadratzentimeter große Riechschleimhaut. Das klingt beachtlich, aber im Vergleich zu vielen Tieren sind wir mit einem sehr bescheidenen Geruchssinn ausgestattet - selbst wenn wir 10.000 Gerüche unterscheiden können.

Ein Hund etwa besitzt eine Milliarde Geruchsnerven und kann durch eine andere Atemtechnik und Nasenkonstruktion Gerüche wahrnehmen, die Menschen erst in einer eine Million Mal stärkeren Konzentration riechen.

Deshalb sind abgerichtete Suchhunde oft für Zoll und Polizei im Einsatz. Sie spüren Drogen, Waffen, Sprengstoff und selbst Bargeld und illegal geschmuggelte Tierpräparate auf. Auch Tage und Wochen nach einem Brand können sie noch erkennen, ob Brandbeschleuniger eingesetzt wurde.

Bei der Bergung von Menschen nach Lawinen oder Erdbeben sind Hunde dank ihrer feinen Nase unverzichtbare Helfer. Auch die Fährte von vermissten Personen können Hunde aufnehmen, indem sie etwa an einem Kleidungsstück des Gesuchten riechen.

Schweine haben ebenfalls ein feines Näschen, mit dem sie nicht nur Trüffeln finden. Auch Drogen oder Sprengstoff können sie problemlos aufspüren. Eine Alternative zu Hunden sind sie für Polizei oder Zoll dennoch nicht. Schweine sind zu unbeweglich und auch schwerer an Menschen zu gewöhnen, deren Anweisungen sie befolgen sollen.

Auch Ratten sind mit einem feinen Geruchssinn gesegnet. Sie helfen in Kriegsgebieten bei der Suche nach Landminen und können sogar Krankheiten erschnüffeln. US-Forscher fanden in Experimenten heraus, dass Ratten krebskranke Artgenossen am Urin erkennen. Die Forschungsergebnisse sollen benutzt werden, um die Krebsvorsorge zu verbessern.

Doch Tiere als riechende Helfer haben auch Nachteile: Sie müssen trainiert werden, brauchen Pausen, sind tagesformabhängig und büßen mit der Zeit an Spürsinn ein. Deshalb kommen immer häufiger künstliche Nasen wie diese zum Einsatz, die den Fäulnisprozess von Obst und Gemüse kontrolliert.

Elektronische Nasen sind immer dort im Einsatz, wo es für Mensch und Tier zu gefährlich wird. Dieses Gerät ist vom Prinzip her der menschlichen Nase nachempfunden und arbeitet mit unterschiedlich empfindlichen Gassensoren. So kann es Lecks in Chemieanlagen aufspüren.

In bestimmten Bereichen können es künstliche Nasen durchaus mit Hunden aufnehmen oder diese sogar übertreffen. Allerdings sind sie immer nur in einem engen Geruchsspektrum einsetzbar. So sind manche auf Fäulnisgase spezialisiert, andere können winzige Spuren von Sprengstoff wahrnehmen, riechen aber nichts anderes. Bis sie die ganze Bandbreite einer natürlichen Nase abdecken, werden noch Jahrzehnte vergehen.

Der Geruchssinn von Haien gilt als besonders ausgeprägt. Tatsächlich können sie eine Substanz richtig gut riechen: Blut. Selbst wenn dieses in einem Verhältnis von 1 zu 10.000.000.000 verdünnt ist, nehmen sie es wahr.

Doch Haie sind nicht die besten Unterwasserriecher. Das ist der Aal, der auf dem Weg zum Laichen an seinem Heimatplatz in der atlantischen Sargasso-See bis zu 6000 Kilometer zurücklegt. Dabei führt ihn allein sein Geruchssinn, der so fein ist, dass er einen Fingerhut Rosenwasser in einem See wahrnehmen könnte, der 60 Mal so groß wie der Bodensee ist.

Ein Nachtfalter nimmt mit seinen Antennen am Kopf Gerüche wahr. Diese sind so sensibel, dass er reagiert, wenn lediglich fünf Moleküle eines Sexuallockstoffs eine Sekunde lang dort landen. Das bedeutet Weltrekord – ein feinerer Geruchssinn ist in der Tierwelt bislang nicht bekannt.

Stand: 07.07.2017, 09:00 Uhr

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