Symbolik der Haare

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Symbolik der Haare

Von Nathalie Muntermann

Klischees über Frisuren und ihre Träger gab und gibt es viele: Hexen haben demnach rote Haare, unangepasste Männer lange und Karriere-Frauen kurze. Männern mit Glatze sagt man eine erhöhte Potenz nach. Haare sind auch heute noch symbolisch aufgeladen.

Lange Haare

Schon in der Bibel sind Männer mit langen Haaren zu finden: Samson etwa, dessen Kraft ebenso legendär war wie seine Haarpracht. Als Dalilah sein Geheimnis verriet und seine Feinde ihm darauf die Haare abschnitten, verlor er auch seine Kraft.

Lange Haare stehen für Natürlichkeit, dem Gegenteil von kultivierter Erscheinung. Mit politischen Motiven behaftet waren die langen Haare bei den 68ern – als Rebellen, die sich gegen die gesellschaftlichen Zwänge auflehnen und provozieren wollten. Bei den Hippies überwog der Gedanke der Natürlichkeit.

Bei Frauen stehen lange Haare für Weiblichkeit und Verführungskraft, so wie bei Eva, die immer mit langen Haaren abgebildet ist.

Zwei Hippies in Nordamerika im Jahr 1968.

Hippie-Frisuren sind für sie und ihn

Haare schneiden

Die Haare abzuschneiden ist mit unterschiedlichen Inhalten verbunden, aber es hat im weitesten Sinne stets etwas mit Kontrolle zu tun. In vielen Kulturen verbreitet ist die Ansicht, das Haar dürfe nicht geschnitten werden, weil man sonst die Kraft (oder das Leben) verliere. Indem man das Haar abschneidet, gerät man in die Gewalt (oder Obhut) desjenigen, der in den Besitz des Haares gelang.

Auch bei Dalilah und Samson symbolisiert der Vorgang des Haareschneidens sowohl den sexuellen Akt als auch die Kastration des Mannes. Ein radikaler Bruch mit dem Frauenbild machte der Bubikopf in den 1920er Jahren: Frauen brachen mit ihrer bisherigen Rolle aus, die ersten Schritte der Emanzipation.

Haare abzuschneiden kann zudem stehen für soziale Kontrolle, Sich-Einordnen in die Gesellschaft, Disziplinierung (zum Beispiel im Militärdienst, im Gefängnis) oder auch Askese (durch vollständige Kopfrasur bei unterschiedlichsten Mönchsgruppen).

Haare bändigen

Schöne und erotische Haare erscheinen als Geschenk der Natur, genauso wie schöne Körper. Körperbehaarung gilt aber auch als animalischer Rest, als zivilisatorischer Fremdkörper. Besonders die exponierten Kopfhaare müssen kultiviert werden.

Haare abzuschneiden, zusammenzubinden, hochzustecken oder kunstvoll zu frisieren hat mit Entsexualisierung zu tun, mit Kultivieren und Einschränken. Dafür ist das Rokoko ein gutes Beispiel, mit den gepuderten Zöpfen der Männer, den Riesenreifröcken und kunstvoll aufgetürmten Hochfrisuren der Frauen.

Auch die 1950er Jahre waren "gebändigte" Jahre, in der Politik wie in der Frisurenmode: toupierte, hochgesteckte Haarspray-Frisuren dominierten.

Rasieren oder stehen lassen? Planet Wissen 28.11.2017 03:34 Min. UT Verfügbar bis 15.02.2022 WDR

Weiterführende Infos

WDR | Stand: 16.07.2020, 13:45

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