Modellbau

Ein Mann hält ein Streichholz neben eine Miniaturlandschaft zum Größenvergleich.

Spiele und Spielzeug

Modellbau

Die meisten Menschen haben schon einmal ein Modell gebaut: eine Stadt aus Pappe, ein Schiffchen aus Holz, ein Auto aus Lego. Anspruchsvolle Modellbauer müssen gute Handwerker sein und sehr kreativ, die Faszination entsteht aus der Kombination von Technik und Fantasie.

Weihnachtsgeschenke für die Oberschicht

Die erste deutsche Eisenbahn fuhr am 7. Dezember 1835 von Nürnberg nach Fürth. Schon kurz danach tauchten in den Zeitungen Werbeanzeigen für sogenannte "Bodenläufer" auf, kleine Fahrzeuge, die man an einer Schnur hinter sich herziehen konnte. Sie ähnelten nur grob dem Vorbild der Ludwigseisenbahn. Einem bestimmten Maßstab entsprachen sie schon gar nicht. Es waren Kinderspielzeuge.

Das alte Foto zeigt einen kleinen Jungen, der mit dem Finger eine Modelleisenbahn berührt.

Wer konnte, schenkte eine Eisenbahn

Genau wie die erste Eisenbahn mit Uhrwerkantrieb, die Märklin 1891 präsentierte. Solche fahrenden Eisenbahnen waren für ärmere Haushalte zunächst unbezahlbar.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kamen auch die ersten Modellautos auf. Sie waren wie die echten Automobile mit Dampfkesseln ausgestattet oder hatten eine bewegliche Kurbel, die ein Schwungrad im Inneren des Spielzeugs in Bewegung versetzen konnte. Dieses trieb dann die Räder des Autos an und ließ es einige Meter vorwärts rollen.

Auch die Autos erinnerten zunächst nur vage an ihre Vorbilder – bis die Hersteller sie als Werbemittel entdeckten. Getreu seinem Motto: "Die ersten Worte, die ein Kind sprechen können muss, sind Papa, Mama und Citroën", ließ der französische Autoproduzent André Citroën ab 1922 vom Spielwarenhersteller Fernand Migault winzige, nahezu perfekte Kopien seiner Autos herstellen. Andere Autoproduzenten folgten seinem Beispiel.

Der Trend zum naturgetreuen Nachbau hielt an. Eisenbahnen und Autos, aber auch Flugzeuge, Schiffe und Gebäude orientierten sich zunehmend an Vorbildern in der großen Welt. Und die Modelle galten immer weniger als Spielzeug: Modellbau wurde zum respektierten Hobby für Erwachsene.

Ein Hobby für Bastler

In den 1960ern entwickelte sich die elektrische Eisenbahn zum beliebten Weihnachtsgeschenk. Allerdings wurde die Bahn in den meisten Haushalten auch nur einmal im Jahr hervorgeholt – an Weihnachten.

Ein Mann betrachtet eine Modelleisenbahn.

Die Welt im Miniaturformat

Echte Modellbauer jedoch verpacken ihre Bahn nicht in Kisten, sie bauen ihr eine Welt. Im Handel gibt es eine breite Palette an Produkten, die bei der Gestaltung helfen können. Aber sie haben auch einen hohen Preis: Eisenbahn-Modellbau gehört sicherlich zu den teuren Hobbys. Und zu den zeitaufwändigen – auch ein Grund, warum die meisten Modellbauer entweder sehr jung oder sehr alt sind.

Modellbauclubs bieten ihren Mitgliedern die Möglichkeit, in Dimensionen zu bauen, die in einer Wohnzimmerecke undenkbar wären. Und Modellbau-Veranstaltungen eröffnen die Möglichkeit, sich Lob und Ehre oder Ideen und Ansporn zu holen.

Für die ferngesteuerten Modelle gibt es Wettkämpfe in verschiedenen Disziplinen, in denen es um Schnelligkeit oder kunstvolle Manöver geht – für Lkws, Flugzeuge, Hubschrauber oder Schiffe. Im Plastikmodellbau gibt es vor allem Punkte für die sorgfältige Verarbeitung und naturgetreue Wiedergabe in einem bestimmten Maßstab.

Das Image-Problem

Erwachsene Menschen, die mit kleinen Autos, Schiffen, Zügen oder Flugzeugen spielen? Es gibt viele, die dafür kein Verständnis haben. Und es gibt viele erwachsene Modellbauer, die kein Verständnis dafür haben, dass man ihnen unterstellt, sie "spielten" mit ihren Modellen.

Ein Modellboot.

Maßstabsgetreues Modellboot

Bei manchen steht der "Fahrspaß" tatsächlich im Hintergrund. Sie betreiben ihr Hobby mit großem Ernst, schließlich erfordert es große Geduld und höchste Präzision.

Um klarzustellen, welcher Gruppe man angehört, unterscheiden passionierte Mini-Eisenbahner manchmal in "Spielbahner" und "Modelleisenbahner". Spielbahner brausen durch die Gegend, haben Spaß daran und kümmern sich wenig um den Maßstab; Modellbahner halten Fahrpläne ein und fahren mit der vorbildlichen Modellgeschwindigkeit.

Konkurrierende Systeme

Der Maßstab ist für viele Modellbauer sehr wichtig – und für Laien ziemlich verwirrend. Das gilt besonders für die Modelleisenbahn, bei der es bis heute viele unterschiedliche Systeme gibt.

Der häufigste Maßstab einer Modelleisenbahn ist 1:87, das heißt, der Zug ist 87-mal kleiner als das Original. Züge in diesem Maßstab fahren auf Gleisen der Nenngröße H0, die entweder 16,5 Millimeter, 12 Millimeter oder 9 Millimeter Spurbreite haben, je nachdem, ob es sich um eine Regelspurbahn oder eine Schmalspurbahn handelt.

Die H0-Schiene ist so beliebt, weil die Fahrzeuge noch eine handliche Größe haben, aber schon klein genug sind, um auf relativ kleinem Raum eine vielseitige Landschaft um sie herum zu entwickeln.

Ein Mann fährt mit einer Modelleisenbahn durch den Garten.

Modelleisenbahn im Garten

Die Nenngrößen III (Maßstab 1:16) und II (Maßstab 1:22,5) sind die ältesten. Diese Modelle werden viel gesammelt und von einigen Herstellern auch noch in Kleinserien produziert.

Die Nenngröße I (Maßstab 1:32) galt zwischenzeitlich schon als ausgestorben, wurde 1970 aber von Märklin wiederbelebt.

Je größer das Modell, desto einfacher ist der Selbstbau. Deshalb sind auch viele der sogenannten "Gartenbahnen" im Maßstab 1:22,5 gebaut. Fahrzeuge, Signale und Zubehör sind tritt- und winterfest.

Die Zukunft des Modellbaus

Das Hobby wurde immer wieder totgesagt. Tatsächlich hat der Modellbau Nachwuchsprobleme und es gibt sicher viele Freizeitbeschäftigungen, die beliebter sind. Aber auch die komplexesten Computerspiele haben den Modellbau nicht völlig verdrängt.

Ein reales Flugzeug durch den Himmel zu steuern, ist eben nicht das Gleiche, wie ein digitales über den Bildschirm zu lenken. Auch wenn letzteres vielleicht sogar den realistischeren Eindruck vom Fliegen verschafft.

Aber viele Modellbauer reizt eben nicht nur das fertige Produkt, sondern das Erschaffen. Das erfordert neben Geschicklichkeit und handwerklichem Geschick auch eine Menge Kreativität.

Autorin: Christine Buth

Stand: 04.01.2018, 10:00

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