Spione in Film und Literatur

Sean Connery als James Bond in "Sag niemals nie"

Spione

Spione in Film und Literatur

Spione arbeiten im Verborgenen, das Wissen über sie und ihr Leben ist klein. Umso größer scheint das Bedürfnis nach Büchern und Filmen zu dem Thema. Von John Le Carré bis zum "Leben der Anderen" – Geschichten über Agenten und Spione wurden und werden oft zu Kassenschlagern. Doch was ist Fiktion und was real an James Bond und Co?

James Bond prägte das Bild des Agenten

Der bekannteste Geheimagent aller Zeiten trinkt seinen Martini geschüttelt statt gerührt und hat die Lizenz zum Töten. Sein Name? Bond, James Bond. 1952 schrieb Ian Fleming, der im Zweiten Weltkrieg selbst für den britischen Geheimdienst tätig war, seinen ersten Agentenroman.

Als Vorlage für den Protagonisten soll ihm der britische Offizier Patrick Dalzel-Job gedient haben, der im Zweiten Weltkrieg hinter den deutschen Linien agiert hatte. Den Namen lieh sich Fleming von einem Vogelkundler.

Schon Flemings Bücher wurden vor allem in England viel gelesen, doch der weltweite Erfolg stellte sich erst ab 1962 ein, als Filmversionen der Stoffe in die Kinos kamen.

Sean Connery und später Roger Moore, Pierce Brosnan und Daniel Craig prägten das Bild des alerten und technisch hochgerüsteten Geheimagenten, der viel Wert auf Umgang und Stil legt und reihenweise Frauen ins Bett kriegt.

Die Filme der James-Bond-Reihe gehören zu den erfolgreichsten überhaupt und spielten bis 2015 weltweit über 15 Milliarden Dollar ein.

Christopher Lee und Roger Moore als "James Bond" stehen Rücken an Rücken mit einer Pistole in der Hand

Roger Moore (rechts) prägte den James Bond in den Siebzigern

"M" und die Lizenz zum Töten

Doch wie viel hat das Jet-Set-Leben von James Bond mit dem echten Agentendasein gemein? Zumindest in der technischen Ausrüstung sind natürlich auch die Geheimdienste bemüht, ihre Agenten immer auf dem neuesten Stand zu halten. Uhren mit Laserstrahlen oder Aston Martins mit eingebauten Raketenwerfern gehören allerdings nicht zu ihrem Arsenal.

Auch die Selbstverständlichkeit, mit der Bond unter echtem Namen in Hotels eincheckt und Drohungen gegen seine Gegner ausstößt, sind sehr unrealistisch. Echte Agenten halten sich so lange es geht bedeckt.

Die Darstellung des britischen Geheimdiensts weist allerdings ein paar detailreiche Anspielungen auf. So sind die Geheimdienstchefs (bei James Bond heißen sie "M") tatsächlich oft unter dem Anfangsbuchstaben ihres Nachnamens bekannt. Dieser Brauch geht auf Mansfield Smith-Cunning zurück, der ab 1910 dem Secret Service vorstand und Dokumente nur mit "C" abzeichnete.

Zwar werden den Agenten keine Doppelnull-Nummern oder offizielle Lizenzen zum Töten verliehen, aber genau wie James Bond sind sie für den Fall der Festnahme im Ausland ganz auf sich allein gestellt. Um politische Affären zu vermeiden, distanzieren sich die Geheimdienste in solchen Fällen von ihren Angestellten und verweigern die Unterstützung – zumindest die sichtbare.

Daniel Craig in "Spectre"

Jet-Set-Agent mit Lizenz zum Töten

John Le Carré: Spannung und Realismus

Auch John Le Carré war vor seiner Schriftstellerkarriere für das britische Außenministerium sowie den Secret Service tätig. Er zeichnet allerdings ein differenzierteres und realistischeres Bild der Agententätigkeit. Seine Protagonisten sind keine gut aussehenden und sportlichen Lebemänner, die im Vorübergehen die Welt retten.

In Romanen wie "Der Spion, der aus der Kälte kam" spielen auch psychologische Motive eine Rolle. Die Protagonisten zweifeln meist an ihrer Rolle und ihrem Auftrag und stellen sich Fragen nach der moralischen Legitimation ihres Handelns.

Le Carrés immens spannende Bücher spielen oft vor dem Hintergrund des Kalten Krieges. Dabei verzichtet er auf schematische Schwarz-Weiß-Zeichnungen und besticht mit akribischen Details sowie mit großem politischem und geheimdienstlichem Verständnis. Viele seiner Bücher wurden verfilmt, darunter "Der Spion, der aus der Kälte kam", "Das Russland-Haus" und "Der ewige Gärtner".

Potraitfoto John le Carré

Vom Geheimagenten zum Schriftsteller: John Le Carré

Stasi-Spitzeleien: Das Leben der Anderen

Ebenfalls realistisch geht es im Film "Das Leben der Anderen" zu. Regisseur und Autor Florian Henckel von Donnersmarck recherchierte jahrelang im Umfeld der früheren Staatssicherheit der DDR, sprach mit Zeitzeugen, holte sich erfahrene Berater an Bord und besuchte die historischen Stätten.

Auch die Dreharbeiten fanden teilweise an Originalschauplätzen wie der früheren Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit statt, als Requisiten dienten ebenfalls viele Originalgegenstände wie Mikrofone und Aufnahmegeräte.

Der Film erzählt die Geschichte des DDR-Theaterautors Dreyman (Sebastian Koch), der als systemkritisch gilt. Deshalb ordnet die Staatssicherheit seine Überwachung an; Stasi-Hauptmann Wiesler (Ulrich Mühe) installiert in Dreymans Wohnung Wanzen und richtet im Dachboden des Hauses eine Abhörstation ein.

Wiesler ist zunehmend fasziniert vom Lebensstil und den Ansichten Dreymans, er entwickelt Sympathien und vermerkt in seinen Berichten nur Belangloses.

"Das Leben der Anderen" ist nach Ansicht vieler Kritiker der erste deutsche Film, der sich realistisch mit dem Thema Stasi und Überwachung auseinandersetzt. Er wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, unter anderem dem Deutschen Filmpreis und dem Oscar für den besten ausländischen Film.

Schauspieler Ulrich Mühe bei einem Lauschangriff auf seine Nachbarn (Bild aus: "Das Leben der Anderen").

Spionagedrama aus Deutschland: Das Leben der Anderen

Autor: Ingo Neumayer

Stand: 20.03.2017, 13:00

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