Die Macht der Banken

Die Euro-Skulptur in Frankfurt am Main vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank.

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Die Macht der Banken

Von Lothar Nickels

"Geld regiert die Welt!" Das war schon in der Anfangszeit des Bankwesens so. Dynastien der frühen Neuzeit wie die Medici in Florenz oder die Fugger in Augsburg hatten großen Einfluss auf weltliche und kirchliche Herrscher. Die waren oft auf finanzielle Unterstützung angewiesen und mussten entsprechend kooperativ sein.
Heute liegt diese Macht bei Großbanken wie Goldman Sachs. Seinen politischen Einfluss sichert sich das Finanzimperium, indem es ehemalige Mitarbeiter in höchste politische Ämter hievt.

Von Präsidenten und Beratern

Das Vermögen von Goldman Sachs soll etwa 700 Milliarden Euro betragen. Dass diese riesige Summe noch weiter anwächst, dafür sorgen 30.000 Mitarbeiter auf der ganzen Welt. Und dass große Wirtschaftsunternehmen und sogar Regierungen der skrupellosen Gewinnmaximierung keinen Strich durch die Rechnung machen, darum kümmern sich ehemalige Goldman-Sachs-Mitarbeiter.

Ihre Anzahl ist beachtlich. Ebenso wie die Schlüsselpositionen, die sie nach dem Austritt aus der mächtigsten und einflussreichsten Bank der Welt innehaben. Einer von ihnen ist der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt, Mario Draghi.

Zu den Hauptaufgaben der Behörde gehört es, die Wirtschafts- und Währungspolitik in der Europäischen Union (EU) zu gestalten. Bevor Mario Draghi Präsident der EZB wurde, lenkte er von 2002 bis 2005 als Vizepräsident die Geschicke von Goldman Sachs in London.

Der ehemalige italienische Ministerpräsident Mario Monti war trotz seines hohen politischen Amtes, das ihn zum viertmächtigsten Mann Italiens machte, eng mit Goldman Sachs verbandelt. Als internationaler Berater bediente er offiziell das Finanzunternehmen mit seinem Wissen.

Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich einen Goldman-Sachs-Mitarbeiter als Berater zur Seite gestellt: Alexander Dibelius war bis Oktober 2014 Vorsitzender von Goldman Sachs Deutschland.

Die flächendeckende Vernetzung von ehemaligen und noch aktiven Mitarbeitern des US-Finanzriesen mit der Politik hat eine gewisse Brisanz, denn Interessenkonflikte sind praktisch vorprogrammiert.

Porträt von Alexander Dibelius, der an der Kamera vorbei schaut

Berät die Bundeskanzlerin: Alexander Dibelius

Goldman Sachs und die Krise

Außerdem spielte der Wall-Street-Gigant beim Finanzcrash 2008 in den USA eine entscheidende Rolle. Nicht nur, dass Goldman Sachs involviert war: Das Unternehmen schlug sogar Profit aus der Krise.

Damals hatte Goldman seinen Kunden ein Investmentprodukt verkauft, das absichtlich aus belasteten Wertpapieren zusammengestellt war. Diese Information allerdings wurde den Käufern bewusst verschwiegen. Ihnen soll ein Schaden von einer Milliarde Dollar entstanden sein. Goldman musste für diesen Betrug eine Strafe von 400 Millionen Euro zahlen. Ein Betrag, den das Unternehmen binnen zwei Wochen an der Börse gewinnt.

Die Tatsache, dass auch Goldman Sachs die Finanzkrise 2008 überlebt hat, ist nicht verwunderlich. Das ist sicherlich mit ein Verdienst von Henry Paulson. Von 1999 bis 2006 war er geschäftsführendes Vorstandsmitglied bei Goldman. Dann ernannte ihn George W. Bush zum Finanzminister. Auf dem Höhepunkt der Krise war er für die Rettung der US-Banken verantwortlich.

Der Hauptsitz von Golman Sachs in New York zwischen zwei Hochhäusern

Der New Yorker Hauptsitz von Goldman Sachs

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Stand: 20.07.2018, 15:30

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