Gerhard Polt – bayerischer König der Satire

Gerhard Polt steht auf einer Bühne vor einem Mikrofon

Bayerische Traditionen

Gerhard Polt – bayerischer König der Satire

Von Annette Holtmeyer

"Die Zahl der bayerischen Klischeeträger wird immer kleiner, das Klischee aber seltsamerweise immer größer", soll Gerhard Polt einmal geäußert haben. Als scharfzüngiger Kabarettist entlarvt er nicht nur Klischees, die sein Heimatland Bayern betreffen. Bevorzugte Zielscheiben seiner satirischen Bühnenauftritte, Filme und Bücher sind Politiker und ihre Machtspiele sowie das deutsche Spießbürgertum.

Der "Übeltäter" im Wallfahrtsort

Aufgewachsen ist der 1942 in München geborene Polt im katholischen Wallfahrtsort Altötting, was seiner Ansicht nach "sehr günstig ist, wenn man Komiker werden will". Seine Kindheit und Jugend in den Nachkriegsjahren beschreibt er auf amüsante Weise in seinem Buch "Hundskrüppel – Lehrjahre eines Übeltäters", in dem der Leser viel über die Streiche erfährt, die der Junge und seine Spielkameraden den Erwachsenen spielen.

Nach dem Abitur kehrt Gerhard Polt nach München zurück, wo er zunächst Geschichte, Politische Wissenschaft und Kunstgeschichte studiert. Aber auch Sprachen haben es ihm angetan – 1962 geht er für vier Jahre nach Schweden, wo er sich der Skandinavistik widmet. Zurück in München arbeitet er als Lehrer, Übersetzer und Dolmetscher.

Polt wird entdeckt

Ins Licht der Öffentlichkeit gerät Polt, als ihn ein Hörspiel-Redakteur für das Radiostück "Als wenn man ein Dachs wär’ in seinem Bau" entdeckt. Schon damals beweist Polt, der in dem Hörspiel rund 50 verschiedene Rollen spricht, sein komödiantisches Talent.

Als Kabarettist stellt er sich zum ersten Mal 1976 in der Münchner Freiheit mit der "Kleinen Nachtrevue" vor und wird kurz darauf am Berliner Schiller-Theater engagiert. Schließlich wird er durch die Sketchreihe des BR "Fast wia im richtigen Leben" auch überregional bekannt.

Seine Partnerin ist die Schauspielerin Gisela Schneeberger. In kleinen Geschichten, die in eine Rahmenhandlung eingebettet sind, zeigen die Schauspieler die tragischen und komischen Seiten des Alltags auf eine Art und Weise, dass den zahlreichen Fans zuweilen das Lachen im Hals stecken bleibt.

Preisgekrönter Moralist

Für eine bissige Glosse in Dieter Hildebrandts Satire-Sendung "Scheibenwischer", mit der er den Unmut der bayerischen Staatsregierung hervorruft, erhält der Kabarettist 1982 einen Grimme-Preis in Silber. Es folgen ungezählte Bühnenauftritte, Kinofilme, Bücher, Platten, CDs und Lesungen, mit denen Polt Kritiker und Publikum gleichermaßen begeistert.

Zusammen mit der Günzlhofener Musikgruppe "Biermösl Blosn" geht er regelmäßig auf Tournee. Zu den zahlreichen Preisen, die Polt für seine Arbeit erhält, zählt auch die höchste Literaturauszeichnung Bayerns: der Jean-Paul-Preis für Literatur, mit denen seine Verdienste als Satiriker und Moralist gewürdigt werden.

Bis heute ist Polt, der privat als gebildeter, bescheidener und zurückhaltender Mensch gilt, seinem Motto treu geblieben: "Komik ist für mich ein Ausweg, um gewisse Dinge nicht ernst nehmen zu müssen".

Biermösl Blosn

Mit den "Biermösl Blosn" geht Polt oft auf Tournee

Polt im Kino

Faschingsball bei einem Münchner Versicherungsunternehmen: Verschiedene Alleinunterhalter erzählen immer wieder den gleichen pointenlosen Witz, der Vorstand verliest Kündigungen und weibliche Angestellte erläutern ihr ausgeklügeltes Diätsystem, um sich dann hemmungslos aufs Buffet zu stürzen – die Ideen zu seinem Kinodebüt "Kehraus" (1983) soll Gerhard Polt in einer Versicherungskantine gesammelt haben.

Für seine Rolle als Gabelstaplerfahrer Weitel, der ausgerechnet am Faschingsdienstag versucht, seine ruinösen Versicherungsverträge wieder rückgängig zu machen, erhält Polt glänzende Kritiken.

Fünf Jahre später kommt sein zweiter Film "Man spricht Deutsh" in die Kinos. Polt spielt Erwin Löffler, der gemeinsam mit Frau und Sohn den letzten Tag des alljährlichen Italienurlaubs verbringt.

Auch wenn der Film nach Ansicht einiger Kritiker nicht ganz so pointenreich daherkommt wie "Kehraus", ist "Man spricht Deutsh" unbestritten eine grandiose Darstellung des deutschen Spießertums, das zwar Italiens Klima und Strände schätzt, sich aber ansonsten an allem stößt, was sich von der vertrauten Umgebung zuhause unterscheidet.

Man spricht deutsh

"Man spricht Deutsh" spielt am Strand in Italien

Sein Debüt als Regisseur liefert Polt mit seinem dritten Kinofilm "Herr Ober" 1991. Im Mittelpunkt steht diesmal der dichtende Ober Ernst Held, natürlich gespielt von Polt, der auch das Drehbuch geschrieben hat. Der sympathische Protagonist schafft nach vielen Rückschlägen den Durchbruch zum dichtenden Fernsehstar, aber schwört am Ende dem neuen Ruhm entnervt ab.

13 Jahre dauert es, bis Polts nächster Spielfilm "Germanikus" im Kino anläuft. Die Römer-Persiflage spielt im Jahre 9 nach Christus und schildert das Leben des faulen Bavaren Germanikus.

Obwohl es auch in diesem Film den einen oder anderen Lichtblick für Polt-Fans geben mag, kann das Werk weder die Fans noch die Kritiker überzeugen. Statt auf Satire – so der Tenor der Kritik – werde hier vor allem auf billigen Klamauk gesetzt, daran änderten auch die Auftritte von Gaststars wie Anke Engelke, Rufus Beck oder Tom Gerhard nichts.

Polt könne bei einem Stoff, der kaum Bezug zur deutschen Gegenwart habe, seine Stärken wie die gnadenlose Beobachtungsgabe und provokante Bissigkeit nicht genügend einbringen.

2014 kommt sein bislang letzter Film "Und Äktschn!" über einen leidenschaftlicher Cineasten und Amateurfilmer in die Kinos.

Weiterführende Infos

Stand: 23.07.2019, 11:20

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