Tokyo Tower

Die Skyline der japanischen Hauptstadt Tokio mit dem Fernsehturm "Tokyo Tower".

Tokio

Tokyo Tower

Von Mareike Potjans

Japaner haben eine Vorliebe fürs Imitieren: Kaum jemand außer den Deutschen schunkelt so begeistert zu Oktoberfest-Musik und singt dabei "Ein Prosit". Auf Odaiba, einer künstlichen Insel vor Tokio, steht eine Kopie der amerikanischen Freiheitsstatue. Und selbst vor dem Eiffelturm haben die Tokioter nicht halt gemacht: Er heißt hier "Tokyo Tower" und dient als Aussichts- und Fernsehturm. Vom Original in Paris unterscheidet ihn nicht viel. Aber seine Wirkung ist eine völlig andere.

Hauptsache größer

In Paris ist der Eiffelturm omnipräsent und prägt das Stadtbild – in Tokio kann ein Tourist Tage verbracht haben, ohne den "Tokyo Tower" wahrgenommen zu haben. Ohne Frage liegt das am Umfeld: Tokio ist eine Wolkenkratzer-Stadt, ständig versperren andere riesige Gebäude die Sicht auf den 333 Meter hohen Turm im Stadtteil Shiba.

Hat man dann doch einmal freien Blick auf den "Tower" – zum Beispiel vom Kaiserpalast aus – wirkt die knallige orange-weiße Bemalung zunächst befremdlich und wenig ästhetisch. Sie soll Flugzeuge früh genug vor dem riesigen Bau warnen. Japanische Sicherheitsvorkehrungen machen vor so gut wie nichts halt.

Erbaut wurde der "Tokyo Tower" 1958, also fast 70 Jahre später als der Eiffelturm. Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte Japans Regierung ein Bauwerk errichten, das die wieder erstarkende Wirtschaftsmacht Japan symbolisieren sollte. Auf der Suche nach einer Idee ging der Blick nach Westen – und fiel auf den imposanten Pariser Eiffelturm. Also ließ die Regierung eine Kopie des Turmes bauen, den die Pariser 1889 zur Weltausstellung errichtet hatten und der zum Wahrzeichen der französischen Hauptstadt geworden war.

Aber Kopie hin oder her – größer sollte er schon sein. Heute ist der "Tokyo Tower" samt Antenne 333 Meter hoch, der Pariser Eiffelturm misst, seit er im August 2000 neue Antennen bekommen hat, 324 Meter. Wichtig ist den technikverliebten Japanern auch, dass – obwohl der Turm in Tokio eindeutig größer ist als der in Paris – der "Tokyo Tower" viel weniger wiegt: nämlich knapp 4000 Tonnen im Gegensatz zum 7000 Tonnen schweren Stahlbau in Paris.

Touristenmagnet

Noch immer zieht der "Tokyo Tower" jährlich Millionen Besucher an, obwohl mittlerweile auch der benachbarte "Mori Tower" (erbaut 2003, 238 Meter hoch) und das Tokioter Rathaus (erbaut 1991, 243 Meter hoch) im Stadtbezirk Shinjuku einen beeindruckenden Blick auf die Mega-City bieten – beim Rathaus muss man nicht einmal Eintritt bezahlen. Der ist beim "Tokyo Tower", wie fast alles in Tokio, recht teuer, und anders als beim Eiffelturm kann sich der Besucher auch nicht entscheiden, ob er Treppen bevorzugt.

Blick vom 'Tokyo Tower' auf die Stadt bei Nacht. Man sieht viele beleuchtete Hochhäuser und Straßenzüge.

Beeindruckender Blick auf Tokio

Hinauf und hinab geht es nur im Aufzug. Eine erste Aussichtsplattform befindet sich in 150 Metern Höhe, eine zweite in 250 Metern. Erst bei Nacht wird der Blick auf die funkelnde Stadt richtig beeindruckend. Allerdings sind die Plattformen dann meist auch sehr voll – und man kann den Fuji, den höchsten Berg Japans, nicht mehr sehen. Dieser ist aber auch tagsüber nur bei klarem Wetter auszumachen.

Der neue "Tokyo Tower"

Wird in den japanischen Comics (Mangas) mal wieder Tokio zerstört, bleibt oft als einziges Gebäude der "Tokyo Tower" etwas windschief in den Trümmern stehen und kennzeichnet so trotz allem noch den Handlungsschauplatz. Auch in den in Japan sehr beliebten Anime-Filmen dient der Turm oft als Schauplatz für spektakuläre Kämpfe.

Doch inzwischen muss die Manga- und Filmindustrie umdenken. 2012 wurde der "Tokyo Skytree" fertig gestellt, der mit 634 Metern höchste Fernsehturm der Welt.

Bei der Errichtung des neuen Turms ging es zum einen darum, die riesigen Gebäude der großen asiatischen Konkurrenten wie China und Malaysia in den Schatten zu stellen. Andererseits war der "Tokyo Tower" mittlerweile zu klein geworden, um Tokio und das östliche Japan mit Rundfunkwellen zu versorgen, da in der unmittelbaren Nähe immer mehr Wolkenkratzer errichtet wurden.

Trotzdem hat der neue Turm, der von einer Bahngesellschaft und sechs Radio- und Fernsehsendern finanziert wurde, auch Aussichtsplattformen bekommen. Der riesige Stahlbau, auch "Second Tokyo Tower" ("zweiter Tokyo Tower") genannt, ist anders als sein kleinerer Vorgänger auch in einer Stadt wie Tokio kaum zu übersehen.

Stand: 26.07.2019, 12:00

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