Wissensfragen

Tipis, Zelte der Oglala-Lakota Indianer

Indigene Völker Nordamerikas

Wissensfragen

Von Anette Kiefer, Uwe Leonhardt und Wolfgang Neumann-Bechstein

Ist der Begriff "Indianer" diskriminierend?

Eine einfache Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Die Sprache wandelt sich stetig und damit auch die Ansichten, die wir mit bestimmten Begriffen verbinden.

Der Ursprung der Bezeichnung "Indianer" beruht auf einem historischen Irrtum – dass Christoph Kolumbus dachte, er sei in Indien an Land gegangen – und ist damit eine geografische Fehlbezeichnung. Das allein macht den Begriff aber nicht zur Diskriminierung.

Dennoch ist die Bezeichnung "Indianer" belastet. Denn sie ruft immer Assoziationen wach, die stark von Klischees geprägt sind und mit der Wirklichkeit wenig zu tun haben. Gerade in Deutschland verbindet man mit dem "Indianer" zwar viele positive Eigenschaften – geprägt von Karl Mays Winnetou und Figuren wie der Zeichentrickserie Yakari.

Doch auch ein positives Stereotyp wird den Menschen dahinter, auch was ihre kulturelle Vielfalt angeht, nicht gerecht. Außerdem stammt der Begriff aus der Zeit des Kolonialismus und der so genannten Völkerschauen.

Viele Angehörige indigener Stämme empfinden den Begriff als problematisch oder sogar als kränkend.

Doch welchen Begriff soll man stattdessen verwenden? Viele Menschen bevorzugen den englischen Ausdruck "Native Americans" (zu deutsch etwa "Gebürtige Amerikaner"). Dieser stammt aber aus der Verwaltungssprache der US-Behörden und wird deshalb von Teilen der Bevölkerung abgelehnt. In Kanada ist der Begriff "First Nations" ("Erste Nationen") gängig, allerdings nur für die Völker auf kanadischem Territorium. Das Konstrukt "Indigene Völker Nordamerikas" wird von vielen als sperrig und kompliziert empfunden und wirft oft die Frage auf, ob damit "die Indianer" gemeint seien.

Auch hier gibt es also keine einfache Lösung.

Warum wurden die indigenen Völker als "Rothäute" bezeichnet?

Die Hautfarbe der Ureinwohner Amerikas ist je nach ihrer Heimatregion eher gelblich bis braun. Den Namen "Rothaut" gaben ihnen im Laufe der Zeit die weißen Eroberer.

Einige Stämme hatten die Angewohnheit, sich im Krieg Gesicht und teilweise auch den kompletten Körper rot anzumalen. Die Farbe Rot sollte dabei die kriegerische Absicht signalisieren. Außerdem sollte sie beim Gegner Angst verursachen, sie galt als furchterregend.

Die Körperbemalung diente allerdings auch der besonderen Zierde der Ureinwohner bei festlichen Anlässen. Neben den rein ästhetischen Gesichtspunkten hatte das Bemalen nämlich auch eine religiöse Bedeutung. Mit der roten Farbe wurde die Nähe der indigenen Völker zur Mutter Erde bekundet.

Heute gilt der Begriff "Rothaut" als diskriminierend.

Ist das Tipi die typische Wohnform?

Winnetou hoch zu Ross, mit buntem Kopfschmuck aus Adlerfedern, im Hintergrund die Tipis und das Lagerfeuer. So sieht in Deutschland das Indianer-Klischee aus.

Indigene Völker, die in Tipis wohnten und den Büffelherden nachstellten, gab es nur unter den Prärie-Völkern und das Zelt als Wohnstatt war keineswegs die Regel. Pferde kamen ohnehin erst durch die Europäer ab Ende des 15. Jahrhunderts nach Amerika.

Im Nordosten Amerikas lebten die Ureinwohner in Wigwams aus Holz und Rinde, im Süden bauten sie Dörfer aus Lehmziegeln. Jene, die in festen Häusern wohnten, lebten vom Ackerbau und standen in einer jahrtausendealten Tradition.

Schon 1500 vor Christus, also schon lange vor den antiken Hochkulturen der Römer und Griechen, gab es im heutigen US-Bundesstaat Arizona Ackerbaukulturen mit aufwendigen Bewässerungssystemen. Angebaut wurden etwa Mais, Bohnen oder Kürbisse. Bereits damals spielte ein ausgeprägter Totenkult eine wichtige Rolle.

Wenn die indigenen Völker gerne als kriegslüsterne Nomadenstämme dargestellt wurden, denen einzig die weißen Siedler Zivilisation und Kultur vermitteln konnten, diente ein solches Bild ausschließlich dazu, die weiße Vorherrschaft zu rechtfertigen.

WDR / SWR | Stand: 01.12.2020, 15:00

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