Landschaften

Landschaften

Warum wir Weitblick mögen

Zwei Fußgänger kreuzen einen Allee mit grünen, ausladenden Bäumen in einem Park.

Ein ausgedehnter Spaziergang im Grünen lässt den stressigen Alltag oft verblassen. Denn wenn es um Landschaften geht, teilen alle Menschen gewisse Vorlieben – die Forscher sprechen von Landschaftspräferenzen. Studien haben gezeigt ...

Ein ausgedehnter Spaziergang im Grünen lässt den stressigen Alltag oft verblassen. Denn wenn es um Landschaften geht, teilen alle Menschen gewisse Vorlieben – die Forscher sprechen von Landschaftspräferenzen. Studien haben gezeigt ...

… dass Menschen bestimmte Landschaftstypen weltweit ähnlich erleben. Dieses Empfinden ist offenbar angeboren, steckt also in den menschlichen Genen. Die sogenannten Habitattheorien versuchen, dieses Phänomen zu erklären. Der Schweizer Forscher Marcel Hunziker hat herausgefunden, dass es dabei nicht auf Details wie diese einzelne Blume ankommt. Vielmehr ist es das Zusammenspiel bestimmter Komponenten, …

… das den Menschen gefällt. Es gilt: Je größer und komplexer ein Landschaftsausschnitt ist, desto ähnlicher fallen die Bewertungen dafür aus. Die Forscher führen das auf die Evolution zurück: Landschaften, die das Überleben sichern und Freiräume bieten, bevorzugen Menschen auch heute noch instinktiv. Wichtig dafür sind Zugang zum Wasser und ausreichend Weitsicht – wie etwa an dieser Stelle am See Genezareth in Israel.

Ein dichter Nadelwald dagegen ist nicht jedermanns Sache: Trotz freundlicher Sonnenstrahlen wirkt der Wald im Harz zum Beispiel eher bedrohlich, denn Gefahren lassen sich hier nur schwer erkennen. Eine Erklärung für diese Vorlieben …

… liefert die sogenannte "Savannen-Theorie", die der amerikanische Soziobiologe und Ökologe Gordon Orians bereits in den 1980er Jahren aufgestellt hat. Da die ersten Menschen in der Savanne gelebt haben sollen, werden ähnliche Landschaftstypen demnach immer noch vorgezogen. Das spiegele sich beispielsweise in der Kunst oder auch in Immobilienpreisen: Häuser mit weitläufigem Ausblick, am besten auf ein Gewässer, sind immer noch die beliebtesten.

Amerikanische Psychologen haben diesen Ansatz weitergesponnen, zur Information-Processing-Theorie: Sie glauben, dass es schon immer vorrangig darum ging, den Verstand anzuregen. Ein weiter Ausblick zum Beispiel liefert uns viele Informationen und ein Fluss, dessen Ende nicht in Sicht ist, weckt unseren Entdeckerdrang.

Gleichzeitig muss die Landschaft stimmig sein – Gärtner oder Raumplaner sollten das immer beachten. Dabei geht es vor allem darum, dass der Mensch die Informationen, die er bekommt, auch verstehen kann. Dann kann auch ein Stadtpark wie der Dortmunder Westfalenpark gefallen, sofern der richtig angelegt ist. Neben angeborenen Vorlieben …

... nehmen gesellschaftliche Umstände Einfluss darauf, wie Menschen Landschaften erleben. Die Wissenschaftler sprechen von der sozialen Dimension: Im Laufe des Lebens prägt die jeweilige Kultur, der Wohnort und das Elternhaus neben vielen weiteren Faktoren. Ein Kind, das in der Stadt aufwächst, …

… erlebt Natur anders als Kinder vom Land. Denn Menschen fühlen sich in der Regel ihrem Wohnort zugehörig, es entsteht eine gewisse "Ortsidentität". Die ist nicht nur durch Natur geprägt, sondern auch durch bebaute Landschaften. Ein Kirchturm kann beispielsweise ein wichtiges Symbol sein. Doch auch wenn Kultur und Umfeld eine Rolle spielen, ...

... Studien zufolge gilt grundsätzlich: Menschen ziehen Umgebungen mit einem natürlichen Element immer einer ausschließlich bebauten Umgebung vor. Ein bisschen Natur ist immer noch besser als gar keine.

Stand: 29.08.2017, 13:18 Uhr

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