Hochgiftige Quallen

Quallen

Hochgiftige Quallen

Von Silke Uebelstädt

Manche Quallen sind so giftig, dass sie auch das Leben von Menschen bedrohen – wie zum Beispiel Würfelquallen und Portugiesische Galeeren. Jedes Jahr gibt es mehr Tote durch Quallengift als durch Haiangriffe.

Portugiesische Galeeren vor Mallorca

Hochgiftige Quallen bevorzugen die warmen Gewässer der Tropen und Subtropen. Nur Portugiesische Galeeren (Physalia physalis) – also Kolonien von Polypen, die zusammen ein quallenähnliches Wesen bilden – schaffen es manchmal, bis in unsere Breiten vorzudringen. Starke Strömungen im Atlantik können sie bis an die Badeküsten der Kanarischen Inseln, Portugals, Nordspaniens und Frankreichs treiben und sogar bis zum Ärmelkanal.

Sehr selten spült die Strömung sie bei Gibraltar ins Mittelmeer. 2018 war dies der Fall: Einige Exemplare wurden vor Ibiza und Mallorca gesichtet. Vorsichtshalber sperrten die spanischen Behörden die betroffenen Strände für kurze Zeit.

Denn der Kontakt mit Portugiesischen Galeeren kann für Menschen lebensgefährlich sein, vor allem für Schwimmer. Das Nesselgift verursacht eine heftige Schmerzreaktion, mit der Portugiesische Galeeren eigentlich Fische fangen und betäuben.

Schwimmer erschrecken durch den plötzlichen starken Schmerz, schlagen um sich, inhalieren Salzwasser und laufen dadurch Gefahr, zu ertrinken. Reisemediziner vermuten, dass so mancher ungeklärte Schwimmunfall im offenen Meer auf einen Kontakt mit Portugiesischen Galeeren zurückgeht.

Die gasgefüllte Schwimmblase einer Portugiesischen Galeere (Physalia physalis) treibt auf dem Meer

Eine Portugiesische Galeere – keine "echte" Qualle, sondern eine Polypenkolonie

Der gefährlichste Killer: die Seewespe

An exotischen Traumstränden müssen Urlauber mit giftigen Würfelquallen rechnen. Diese Quallen bilden eine eigene Klasse von Nesseltieren. Etwa 50 Arten zählen dazu. Sie heißen so, weil ihr Schirm nicht scheiben-, sondern würfelförmig ist.

Das Gift von Würfelquallen verursacht nicht nur starke Schmerzen, wie bei der Portugiesischen Galeere, sondern wirkt systemisch auf den ganzen Körper. Es kommt zu massiven Kreislaufreaktionen. Wird zum Beispiel ein Schwimmer nach Kontakt mit einer Würfelqualle zu spät behandelt, kann ihn das Quallengift töten.

Die giftigste Würfelqualle ist die Seewespe (Chironex fleckeri). Sie kommt im Nordosten Australiens vor. Die Seewespe kann gut sehen und schwimmt hervorragend – im Gegensatz zu anderen Quallen, die eher mit der Strömung treiben. Ihre Nesselzellen enthalten so viel Gift, dass ein einziges Tier theoretisch 250 Menschen töten könnte.  

Durchsichtige Würfelqualle Chironex fleckeri

Die giftigste Qualle der Welt: die Seewespe

Chemischer Nahkampf unter Wasser

Auch bei hochgiftigen Quallen genügt eine leichte Berührung der Tentakel, um ihre Nesselzellen zu aktivieren. In Sekundenbruchteilen injiziert ein Nesselfaden mithilfe einer Harpune die Giftmischung in die Haut.

Die ersten Eiweiße der Giftfracht zerstören die Zellmembrane und schaffen freie Bahn für die Neurotoxine – Eiweiße, die die Nerven schädigen.

Kleinere Beutetiere wie winzige Krebse oder Fischlarven tötet das Quallengift sofort. Größere Beutetiere wie Fische schaffen es durch den starken Schmerzreiz nicht mehr, sich ausreichend zu wehren. Die Qualle kann sie dann leichter überwältigen.

Auch die Seewespe nutzt diese effektive Jagdmethode. Ihr bevorzugtes Revier sind flache Sandstrände. Dabei kann sie auch badenden Urlaubern zu nahe kommen. Betroffene berichten von unbeschreiblichen Schmerzen, die sich siedend heiß anfühlen.

Das Problem: Das Nesselgift der Seewespe ist deutlich giftiger als das der Portugiesischen Galeere. Im menschlichen Körper kann es innerhalb von Minuten zu Herz- und Kreislaufversagen führen.

Die Seewespe – bis zu 60 Tentakel mit hochgiftigen Nesselzellen

Das Gift einer Seewespe könnte 250 Menschen töten

Das Irukandji-Syndrom

Einige Würfelquallen verursachen eine weitere lebensbedrohliche Vergiftung, das sogenannte Irukandji-Syndrom. Anfangs sind die Auswirkungen der Nesselgifte so schwach, dass der Mensch sie kaum bemerkt. Je nach Quallenart kommt es jedoch fünf bis 40 Minuten später zu Rückenschmerzen, Atemnot, Schweißausbrüchen und Krämpfen. Auch extrem hoher Blutdruck, Herzversagen und Schlaganfall sind in seltenen Fällen möglich.

"Carukia barnesi" heißt eine Quallenart, die solche Reaktionen auslöst. Es kommt nicht zu einem sofortigen Schmerzreiz beim Kontakt mit den Tentakeln. Forscher glauben, dass die winzige Qualle diese Giftwirkung nicht braucht, weil sie keine großen, wehrhaften Fische fängt.

Allergiker müssen aufpassen

An europäischen Badestränden muss niemand Angst vor lebensbedrohlichen Quallenvergiftungen haben: Die heimischen Quallenarten sind harmlos.

Zwar gibt es auch hier nesselnde Quallen, wie zum Beispiel die Haar- oder Feuerqualle (Cyanea capillata) in der Nord- und Ostsee oder die Leuchtqualle (Pelagia noctiluca) im Mittelmeer. Doch bei Gesunden lassen sich Quallenverletzungen meist schnell behandeln.

Vorsichtig sollten jedoch Allergiker sein: Wer allergisch gegen Tiergifte ist, kann auch auf das Gift der heimischen Quallen mit einem allergischen Schock reagieren.

Leuchtqualle Pelagia noctiluca schwimmt im Mittelmeer vor Mallorca

Der Kontakt mit der Leuchtqualle Pelagia noctiluca tut weh – ist aber in der Regel ungefährlich

Weiterführende Infos

Stand: 17.06.2019, 16:08

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