Kometen in der Geschichte

Stickerei: Astronomen beobachten einen Kometen.

Kometen

Kometen in der Geschichte

Für uns sind Kometen faszinierende Himmelserscheinungen, für unsere Vorfahren waren sie unheilverkündende Störenfriede in der vertrauten Ordnung des Weltalls. In fast allen Kulturen galten bis zum 16. Jahrhundert Kometen als Botschafter der Götter, Vorboten für Veränderungen, für Unglück und für Böses.

Der erste Kometenatlas der Welt

Für das Volk der Massai in Ostafrika waren Kometen Vorboten einer Hungersnot, beim Volk der Zulu in Südafrika bedeuteten sie Krieg und bei dem mittelafrikanischen Volk der Luba zeigten sie den bevorstehenden Tod eines Häuptlings an. Auch in China wurden Kometen mit Unglück verbunden. In einer der ältesten Überlieferungen zu Kometen überhaupt, einer chinesischen Schrift aus dem 15. Jahrhundert vor Christus, taucht der Satz auf: "Als der König seine getreuen Berater hinrichten ließ, erschien ein Komet".

Die Sorge vor den schlechten Auswirkungen von Kometen hielt die Chinesen jedoch nicht von einer genauen Beobachtung derselben ab. Sie schufen den ersten Kometenatlas der Welt in Form eines feingewebten Seidenstoffes, der im Grab einer Prinzessin in Mawangdui in der chinesischen Provinz Hunan gefunden wurde. Diese sogenannte "Mawangdui-Seide" entstand etwa 300 vor Christus und verzeichnet mit erstaunlicher Genauigkeit 29 verschiedene Kometen- und Schweifformen. Geht man davon aus, dass im Schnitt alle zehn Jahre ein Komet mit bloßem Auge zu sehen ist, müssen diese Beobachtungen über Jahrhunderte betrieben worden sein, um so viele verschiedene Formen zu erfassen.

Kometen als Wetterphänomen

Der Stich aus dem 17. Jahrhundert zeigt verschiedene Kometenschweife, die Pfauenfedern ähneln.

Schweifformen von Kometen

Die ersten Mutmaßungen über die Entstehung von Kometen sind von dem griechischen Philosophen Aristoteles (384 bis 322 vor Christus) überliefert. In seinen Werken zitiert er immer wieder den antiken Philosophen Demokrit. Dieser glaubte, Kometen entstünden, wenn ein Planet an einem anderen vorbeizieht. Damit lag er gar nicht so falsch, denn so stufte er Kometen als Himmelskörper ein, die durch natürliche Vorgänge entstehen.

Aristoteles jedoch war anderer Ansicht. Für ihn bildete der Mond die äußerste Grenze der irdischen Atmosphäre, er sei unveränderlich und ohne Anfang und Ende. Weil sich Kometen innerhalb weniger Tage verändern und zudem mal innerhalb, mal außerhalb der Tierkreis-Sternzeichen zu sehen sind, könnten sie nur Erscheinungen sein, die sich innerhalb der Atmosphäre befinden.

Damit waren Kometen als einmaliges und vorübergehendes Wetterphänomen abqualifiziert - eine Einschätzung, die sich fast 2000 Jahre halten sollte. Einzig der römische Dichter und Philosoph Seneca, ein Zeitgenosse Jesu, hielt in seinen "Naturbetrachtungen" dagegen: "Denn ich halte nicht dafür, dass der Komet ein augenblickliches Feuer sei, sondern dass er zu den ewigen Werken der Natur gehöre".

Nüchterne Wissenschaft kontra Aberglaube

Was sich bis ins 16. Jahrhundert an Quellen zu Kometen erhalten hat, belegt einen Aberglauben, der nichts mit der Realität zu tun hat. So wurde der Ausgang der Schlacht von Hastings 1066, welcher die Entscheidung in der englischen Thronfolge brachte, mit einem Kometen in Verbindung gebracht. Und selbst der Reformator Martin Luther (1483 bis 1546) hielt Kometen für eine Verletzung der göttlichen Ordnung, die man seit Aristoteles in der Regelmäßigkeit der Gestirne und Planetenbewegungen erkannte. Er verkündete in einer Adventspredigt:

"Die Heiden schreiben
der Comet erstehe auch natürlich
aber Gott schafft keinen
der nicht bedeute ein gewis Unglück."

Zu seiner Zeit wurde die Angst vor Kometen durch die neu entstandenen Einblattdrucke besonders angefacht. Auf diesen phantasiereich ausgeschmückten Farbdrucken wurden Kometen für Erdbeben, Dürren und Hungersnöte verantwortlich gemacht.

Eine nüchterne Betrachtung von Kometen etablierte sich erst durch den Nachweis des dänischen Astronomen Tycho Brahe (1546 bis 1601), dass sich Kometen weit außerhalb der Erdatmosphäre bewegen, und durch das Planetenmodell des Nikolaus Kopernikus, das die Sonne und nicht die Erde in das Zentrum unseres Sonnensystems stellt.

Weiterführende Infos

Autor/in: Johannes Hirschler

Stand: 10.12.2014, 12:00

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