Erdöl

Energie

Erdöl

Erdöl dient zur Erzeugung von Elektrizität und als Treibstoff. Es steckt in Kunststoffen, Farben, Medikamenten und Kosmetika. Erdöl ist in unserem Alltag allgegenwärtig, und die moderne Industriegesellschaft ohne den Rohstoff kaum vorstellbar. Doch was unseren bequemen Lebensstil sichert, sorgt andernorts für Umweltzerstörung und erbitterte Auseinandersetzungen.

Frühe Nutzung

Erdöl, das als zähe schwarze Masse an die Erdoberfläche gelangt, kennen die Menschen schon lange. Schon in der Steinzeit befestigten Jäger ihre Pfeilspitzen mit diesem klebrigen Bitumen (manchmal auch Pech oder Teer genannt). In der Gegend des heutigen Iraks dichtete man damit bereits vor mehr als 5000 Jahren Boote ab.

Später diente es auch kriegerischen Zwecken. So tauchten zum Beispiel persische Bogenschützen ihre Pfeile in Bitumen und zündeten sie an.

Die alten Griechen bauten mit der erdölhaltigen Masse regelrechte Flammenwerfer. Auch die ersten Erdölbohrungen liegen lange zurück: Bereits vor mehr als 2000 Jahren bohrte man in China nach Öl.

Cromarty Firth Scotland, Bohrinsel

Die Erdölvorräte neigen sich dem Ende zu

Der erste Erdöl-Boom

Die Ausbeutung des Rohöls im großen Stil begann im 19. Jahrhundert. Grund dafür war die Suche nach einem guten und billigen Lampenbrennstoff – denn Walöl war nur für die Reichen erschwinglich, Talgkerzen rochen unangenehm und Gasflammen gab es nur in wenigen, modernen Häusern.

Der kanadische Arzt und Geologe Abraham Gesner entdeckte ein Verfahren, mit dem man aus Kohle Petroleum (auch Kerosin oder Steinöl genannt) gewinnen konnte, einen relativ sauber brennenden, preisgünstigen Lampenbrennstoff. Als noch ergiebiger und billiger erwies sich aber Petroleum aus Erdöl. Es verdrängte das Walöl aus Lampenbrennstoff und sorgte für eine riesige Nachfrage nach Erdöl.

Schon lange war bekannt, dass bei Bohrungen nach Wasser und Salz gelegentlich Erdöl in die Bohrlöcher einsickerte. Also hatte man die Idee, direkt nach Öl zu bohren. Mitte der 1840er Jahre wurde im heutigen Aserbaidschan nach Öl gebohrt, in Baku am Kaspischen Meer. Die Bohrung fand zwischen 1844 und 1849 statt und gilt damit als erste der Welt.

Auch in Deutschland wurde gebohrt, zum Beispiel 1858 in Wietze in Niedersachsen, westlich von Celle. Weltberühmt wurde jedoch die Bohrung, die Edwin L. Drake im August 1859 am Oil Creek im US-Bundesstaat Pennsylvania durchführte. Drake bohrte im Auftrag des US-Industriellen George H. Bissell und stieß in nur 21,2 Metern Tiefe auf die erste amerikanische Ölquelle. Zehn Jahre nach dem Goldrausch begann so in Amerika der Öl-Boom.

Bis in die 1920er Jahre blieb die Verwendung als Leuchtmittel die wichtigste Nutzung von Erdöl. Doch dann trat das Automobil seinen Siegeszug an – und mit ihm das Erdöl als Treibstoff.

Zwei Hände voll Rohöl

Ein Stoff für viele Zwecke: Rohöl

Verarbeitung von Rohöl

Rohöl ist ein Stoffgemisch aus mehr als 500 Komponenten. Es besteht hauptsächlich aus Kohlenwasserstoffen mit unterschiedlichen Siedepunkten. Das nutzt man aus, um in einer Raffinerie mittels Destillation die verschiedenen Erdölprodukte zu gewinnen.

Zunächst wird das Rohöl auf rund 400 Grad Celsius erhitzt. Es verdampft und strömt in einen Destillationsturm mit verschiedenen Ebenen (Glockenböden), eine sogenannte Kolonne. Die Glockenböden haben unterschiedliche Temperaturen. Jede dieser Ebenen ist kühler als die darunterliegende. So kann man das Stoffgemisch des Rohöls trennen.

Die Stoffe des Rohöls kondensieren entsprechend ihren Siedepunkten. Bei etwa 360 Grad Celsius kondensieren zum Beispiel Heizöl und Diesel. Das Mitteldestillat bei rund 250 Grad Celsius ist Ausgangsstoff für Petroleum und Kerosin. Leichtbenzin kondensiert schon bei 100 Grad Celsius und die Gase Methan, Ethan, Propan und Butan bei 30 bis 50 Grad Celsius.

Teile des Leichtbenzins und der Gase werden in einem besonderen Destillationsverfahren weiter verarbeitet, um daraus Grundbausteine für Kunststoffe und andere Erdölprodukte zu gewinnen. Es gibt kaum einen Gegenstand des täglichen Bedarfs, in dem nicht ein Teil des Erdöls steckt.

Grafik, die die Destillation von Erdöl veranschaulicht.

Destillation von Erdöl

Was man aus Erdöl machen kann

Mehr als zwei Drittel des Erdöls blasen wir schlicht durch den Schornstein: Es dient als Energiequelle für Heizungsanlagen oder wird in Heizkraftwerken zur Stromerzeugung genutzt. Weiterverarbeitet zu Benzin oder Kerosin treiben wir damit unsere Autos und Flugzeuge an.

Öl steckt auch in vielen Alltagsprodukten: PVC (Polyvinylchlorid) etwa in Fensterrahmen, Fußbodenbelägen, medizinischen Geräten und Schläuchen. Polyurethan eignet sich für Schaumstoffe in Polstermöbeln und Matratzen. Polystyrol findet sich in jeder Styropor-Verpackung.

Spielzeug aus Kunstsoff in einem Sandkasten

Auch im Spielzeug steckt Erdöl

Ohne Polyethlyn gäbe es keine thermoplastischen Kunststoffe, also keine Gießkannen, Eimer, Fernsehgehäuse, Tupperdosen, Staubsauger. Polyamid ist der Stoff für Synthetikfasern, zu denen auch die Nylons gehören. Wasch- und Reinigungsmittel bauen auf Ethylenoxid auf. Von Behältnissen für die Nahrungsmittelindustrie, über CDs und DVDs bis zu pharmazeutischen Produkten – ohne Erdöl gäbe es vieles davon nicht.

Autor: Harald Brenner

Stand: 12.10.2018, 13:00

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