Der Lauf einer Pistole zielt in die Kamera

Erfindungen

Schusswaffen

Pistolen und Gewehre sind heute tödliche Präzisionswerkzeuge. Die ersten Modelle wurden vermutlich im 14. Jahrhundert entwickelt.

Von Katrin Lankers

Das erste Gewehr

Holzkohle, Salpeter und Schwefel – das hochexplosive Gemisch dieser drei Stoffe revolutionierte die Entwicklung der Waffentechnik. Vermutlich wurde das Schießpulver in China entwickelt. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts wurde es auch in Europa bekannt – und zwar zunächst als Lärm verursachendes Feuerwerk.

Das älteste bekannte Gewehr wurde schätzungsweise rund hundert Jahre später gebaut. Es handelte sich um ein einfaches Rohr, das an einem Ende verschlossen war. Durch ein gebohrtes Loch entzündete man die Pulverladung mit einem glühenden Draht oder einem Stück Kohle.

Aus dieser Frühform entwickelten sich bald die Arkebusen: Waffen, die mit einer Lunte gezündet wurden, aber schon über Holzgriffe verfügten. Mit diesen "Hakenbüchsen" – der Name Arkebuse kommt von dem alten deutschen Wort "Hakbuchse" – konnten gute Schützen schon erstaunlich gut zielen: Aus 50 Metern Entfernung konnten sie eine Spielkarte treffen und einen Hirsch sogar aus der doppelten Entfernung.

Leonardo da Vinci als Waffenentwickler

Leonardo da Vinci war wahrscheinlich der Erste, der Anfang des 16. Jahrhunderts den Zündradmechanismus entwickelte. Im Katalog seiner Erfindungen findet sich dazu zumindest ein Entwurf: Ein gezahntes Rädchen schlägt gegen einen Feuerstein und erzeugt einen Funken, der in die Zündpfanne geleitet wird.

Das komplizierte und teure System bestand aus mindestens drei Dutzend beweglichen Teilen. Deshalb ersetzte es beim Militär nicht das Luntenschloss, doch es ermöglichte erstmals die Herstellung von Waffen, die mit nur einer Hand zu bedienen waren – die Pistolen.

Ob die Bezeichnung für diese Handfeuerwaffen von dem tschechischen Wort "pistale" (Pfeife, Rohr) kommt oder auf die Waffenfabrik im italienschen Pistoia verweist, ist bis heute umstritten. Fest steht: Der Begriff hatte sich bereits Ende des 16. Jahrhunderts durchgesetzt und wird bis heute für alle Handfeuerwaffen gebraucht, deren Munition im Magazin liegt und nicht wie beim Revolver in einer Trommel.

Ungefähr zur selben Zeit entwickelten die Waffenhersteller eine weitere Zündvorrichtung: das Steinschloss. Ein Feuerstein wurde zwischen einem Paar Klemmbacken befestigt. Betätigte man den Abzug, schnellte der Stein nach vorne und schlug an einem Stück Stahl Funken. Die Ähnlichkeit mit einem pickenden Hahnenkopf gab diesem System seinen Namen: Schnapphahn.

Zwei reich verzierte Pistolen und ein Fläschchen liegen vor einfarbigem Hintergrund

Radschlosspistolen und Pulverflasche

Ein Pfarrer erfindet das Knallpulver

Ausgerechnet einem Geistlichen gelang eine der größten Erfindungen in der Geschichte der Feuerwaffen. Der schottische Pfarrer Alexander Forsyth pflegte zwei Hobbys: chemische Experimente und die Jagd.

Bei der Entenjagd ärgerte er sich oft, dass die Vögel vom Aufblitzen und vom Rauch des Zündkrauts gewarnt wurden. Deshalb braute er im heimischen Labor aus explosiven Salzen und weiteren Chemikalien das sogenannte Knallpulver und ließ es 1807 patentieren. Dieses Knallpulver entwickelte genug Hitze, um eine Ladung Schwarzpulver zu entzünden.

Vor der Erfindung des Knallpulvers musste zunächst mit Stein und Stahl ein Funke erzeugt werden, der dann das Zündkraut entzündete. Dieses setzte anschließend die Treibladung in Gang, welche das Geschoss durch den Waffenlauf trieb. Die Zeit vom Abziehen bis zur Zündung verkürzte sich dadurch deutlich – und der Gegner wurde nicht mehr durch den Rauch vorgewarnt.

Forsyths sogenanntes Perkussionssystem bildete die Grundlage für eine weitere Entwicklung: die Einheitspatrone, bei der Zünder, Treibmittel und Geschoss in einer Hülse aus Metall zusammengefasst sind. Sie kam ab Mitte des 19. Jahrhunderts zum Einsatz.

In einem Gürtel im Westernstil stecken nebeneinander zahlreiche Patronen

Alles drin: die Einheitspatronen

Ein Colt für alle Fälle

Colt, Samuel Colt – bis heute steht dieser Name fast gleichbedeutend für Revolver. Schon als junger Mann interessierte der US-Amerikaner Colt sich für Feuerwaffen. Die Idee zu seiner Revolver-Technik soll ihm als Matrose auf hoher See gekommen sein, während er das Steuerrad beobachtete.

Die Neuerung bestand in einer drehbaren Trommel, in der die Ladung kreisförmig angeordnet war, sodass man sechs Schüsse ohne Nachladen zur Verfügung hatte.

1836 war Colt im Besitz der Patentrechte für seine Erfindung und baute eine Fabrik in New Jersey. Doch das Geschäft lief schlecht, Colt ging nach fünf Jahren Bankrott – bis der Amerikanische Bürgerkrieg seinen Waffen den Durchbruch brachte.

Gary Cooper im Film "High Noon"

Was wären Westernhelden ohne Revolver?

08/15: Ein Maschinengewehr wird zur Redensart

Hiram Maxims Erfindung veränderte die Kriegsführung in bislang ungekanntem Ausmaß. Mit dem Verkauf von elektrischen Beleuchtungen und Stromgeneratoren hatte der Brite bereits im Alter von 40 Jahren ein beachtliches Vermögen angesammelt. Doch Maxim war kein Freund der Ruhe – und so fing er an, sich für Schusswaffen zu interessieren.

Im Jahr 1884 erfand er eine Waffe, die sich immer wieder automatisch nachlud, sobald eine Patrone verfeuert war: das erste Maschinengewehr (MG). Es nutzte den Rückstoß der Waffe für den Auswurf der leeren Hülse und das Nachladen.

Das bekannteste MG, dessen Name sogar zu einer Redensart wurde, war wohl das 08/15, das im Ersten Weltkrieg von den Deutschen verwendet wurde. Gleichbedeutend für "mittelmäßig" und "durchschnittlich" wurde der Begriff vermutlich deshalb, weil das 08/15 das erste Gewehr war, das deutschlandweit einheitlich zum Einsatz kam – bis dahin war jeder Landesteil selbst für die Ausrüstung seiner Soldaten zuständig gewesen.

Der Krieg und die Zerstörung nahmen unter anderem wegen dieser neuen Waffen ungekannte Ausmaße an. Fast zehn Millionen Menschen starben zwischen 1914 und 1918.

Schwarzweiß-Bild: Soldaten stehen um ein Maschinengewehr herum

Luftabwehr mit dem Maschinengewehr

Vom "Grabenfeger" zum "Sturmgewehr"

Die Maschinengewehre des Ersten Weltkriegs waren so unhandlich und vor allem schwer, dass sie von mehreren Soldaten bedient werden mussten – gut zur Verteidigung, für den Angriff kaum nutzbar. Der Grabenkrieg verlangte nach kleineren leichteren Waffen mit hoher Feuergeschwindigkeit.

Im Jahr 1918 lieferte die Firma Bergmann deshalb die Maschinenpistole MP18 an die deutschen Truppen aus, die bald den bezeichnenden Beinamen "Grabenfeger" bekam. Die MP18 war einer der Hauptgründe dafür, dass den Deutschen durch den Versailler Vertrag verboten wurde, Maschinenpistolen herzustellen oder zu besitzen.

Im Zweiten Weltkrieg waren die deutschen Soldaten dennoch ebenso mit Maschinenpistolen ausgerüstet wie die Soldaten aller anderen Armeen. Im Vergleich zum Gewehr hatte die Maschinenpistole allerdings eine kürzere Reichweite.

Die Deutschen entwickelten deshalb das erste "Sturmgewehr" und führten es 1944 ein. Der Begriff stammt aus der Propaganda der Nationalsozialisten. Bis heute gehören Sturmgewehre bei den meisten Streitkräften heute zur Standardbewaffnung.

Moderne Sturmgewehre

Moderne Sturmgewehre

(Erstveröffentlichung 2007. Letzte Aktualisierung 02.11.2017)

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