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Geschichte der Landwirtschaft

Beim ersten Hahnenschrei aufstehen und so lange schuften, bis die Sonne untergeht, damit es gerade einmal so zum Leben reicht - so lässt sich das Leben der Bauern durch Jahrhunderte beschreiben. Die Abhängigkeit vom Wetter und der Fruchtbarkeit der Böden erschwerte den Anbau. Schneefall im Frühling oder Dauerregen während der Erntezeit konnten die Bauern einer gesamten Region mitsamt ihren Familien an den Rand der Existenz bringen. Trotz aller Mühen und Beschwernisse aber hat die Landwirtschaft seit Jahrtausenden bis weit ins 20. Jahrhundert hinein nicht nur die Lebensweise der meisten Menschen maßgeblich bestimmt, sondern auch die Landschaften in Europa geformt.

Gemälde: 'Gebet des Heiligen Bernhard um gute Ernte' (1500). (Rechte: AKG)

Im Umfeld von Klöstern wurden die ersten Ackerböden bewirtschaftet

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Vom Mittelalter zur Bauernbefreiung

Seit dem frühen Mittelalter waren es Bauern im Umfeld von Klöstern, aber auch Mönche selber, die dem Wald neuen Ackerboden abrangen, Sumpfgebiete trocken legten oder Ödland in Heideland verwandelten. Der Wald wurde um die Hälfte auf seinen heutigen Bestand gerodet. Auf dem urbar gemachten Boden entstanden neue bäuerliche Siedlungen, die unter dem Schutz eines Grundherren, eines Grafen oder eines Klosters standen. Mitunter entwickelten sich bäuerliche Flurgemeinschaften, die ihre Felder entsprechend der Dreifelderwirtschaft im jährlichen Wechsel mit Sommer- oder Winterfrucht bestellten, als Weideland für ihre Tiere nutzten und im dritten Jahr zur Regeneration des Bodens brachliegen ließen. Die adeligen Gutsherren beteiligten sich selbst nicht an der Ausweitung des Ackerlandes, sondern forderten Frondienste und Abgaben für Rodefreiheiten bzw. Pachtverhältnisse. Harte Arbeit, um einem kargen Boden das tägliche Brot abzuringen, die Launen der Natur und die feudale Lehensuntertänigkeit, die die Grundherren seit dem Spätmittelalter noch verschärften, bestimmten Jahrhunderte lang das Leben der meisten Bauern.

Zwei Ereignisse, die Bauernbefreiung von 1807 in Preußen, die die bäuerliche Leibeigenschaft aufhob und in Pachtverträge umwandelte, sowie die Erfindung des Mineraldüngers durch Justus von Liebig in den 1840er Jahren des 19. Jahrhunderts bewirkten in Deutschland geradezu eine agrarische Revolution. Die Entdeckung des Chemikers, dass durch Düngen fehlende Pflanzennährstoffe im Boden ersetzt werden können, veränderten die Landwirtschaft nachhaltig. Durch den Einsatz von organischem Dünger wie Jauche und Mist oder durch mineralischen Dünger wie beispielsweise Stickstoff konnten die Bauern ihre Felder nun jedes Jahr bestellen und die Ernterträge deutlich erhöhen.

Landwirtschaft um 1900

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Deutschland nach wie vor ein agrarisch geprägter Staat. Die Zahl der Bauern machte zirka 60 Prozent der Bevölkerung aus. Mehr als die Hälfte wirtschaftete auf einem Parzellenbetrieb, der nicht größer als zwei Hektar war. Dem folgten die Klein- und Mittelbauern, deren Betriebe eine Größe zwischen zwei und 20 Hektar hatten. Zu den Großgrundbesitzern zählten lediglich fünf Prozent aller Höfe. Geografisch wies die landwirtschaftliche Produktionsweise, die als Folge einer generationenübergreifende Erbteilung entstanden war, zwischen Nord und Süd sowie West und Ost große Unterschiede auf. In Baden, Württemberg und Hessen wurde die Realteilung praktiziert. Jedes männliche Kind erbte, was zu einer Zersplitterung der Anbauflächen führte. In Hannover, Westfalen, Schleswig-Holstein dagegen galt das Prinzip der ungeteilten Hoffolge, das heißt es gab nur einen Erben, der den gesamten Grundbesitz bewirtschaften konnte. In Ost- und Westpreußen, Pommern, Posen und Schlesien existierten große Gutsherrschaften, deren Besitzer oftmals einen Adelstitel führten.

Schwarzweißaufnahme: Ein freiwilliger Helfer in der LPD 'Walter Ulbricht' in Merxleben steht neben einem Traktor (1952). (Rechte: AKG)

Der "Sozialismus auf dem Lande"

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Entwicklung der Landwirtschaft nach 1945 in Ost und West

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand in Westdeutschland agrarpolitisch die Flurbereinigung im Vordergrund. Hauptziel war es, die Nahrungsmittelknappheit, wie sie nur wenige Jahre zuvor noch allgegenwärtig gewesen war, endgütig zu überwinden.

Dem Osten Deutschlands standen nach dem Zweiten Weltkrieg große agrarische Umwälzungen bevor. Die kommunistische Partei hatte in der Sowjetische Besatzungszone (SBZ) eine tiefgreifende Bodenreform unter der Losung "Junkerland in Bauernhand" beschlossen. Ab 1945 wurden Wald und Ackerland rigoros umverteilt. Die politische Klasse enteignete Großbauern und Großgrundbesitzer, die mehr als 100 Hektar Land besaßen, entschädigungslos. Die rund 3,3 Millionen Hektar agrarischer Nutzfläche gingen in den Besitz von Landarbeitern, Kleinbauern und Flüchtlingen über.

Mitte der 50er Jahre erlebte die ostdeutsche Landwirtschaft eine zweite grundlegende Umwälzung: die Kollektivierung. Die Neubauern mussten ihren Besitz in sogenannte "Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften" (LPGs) einbringen. Politisches Ziel war es, den "Sozialismus auf dem Lande" einzuführen, der die ländliche Gesellschaft von Grund auf erneuern sollte. Die Kollektivierung der Landwirtschaft führte zu einer Einteilung der Betriebe in Tier- und Pflanzenproduktionen sowie zur Spezialisierung und Schaffung neuer landwirtschaftlicher Berufe wie zum Beispiel den des Melkers. Nach der Wende wurden viele LPGs in GmbHs oder genossenschaftliche Betriebe umgewandelt, so dass bis heute spezialisierte Großbetriebe die Landwirtschaft im Osten dominieren.

Frisch geerntete Wintergerste wird auf einem Feld bei Schwaneberg in der Magdeburger Börde von einem Mähdrescher auf die Ladefläche eines Traktorengespannes geleitet. (Rechte: dpa)

Immer weniger Bauern bestellen immer mehr Land

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Landwirtschaft heute

Heute leben noch zirka drei Prozent der Bevölkerung von der Landwirtschaft, das sind noch zirka 400.000 landwirtschaftliche Betriebe ab einer Größe von zwei Hektar Fläche. Die weit verbreitete Form der Landwirtschaft in Deutschland ist die konventionelle Landwirtschaft. Sie beinhaltet den gezielten Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln. Die konventionelle Landwirtschaft wirtschaftet heutzutage überwiegend nach den Regeln des integrierten Landbaues. Darunter versteht man Anbaumethoden, die ökologischen und ökonomischen Erfordernissen in gleicher Weise Rechnung tragen sollen. Der Bauer soll seine Produktionsweise auf die natürlichen Gegebenheiten abstimmen und den Boden optimal schonen, etwa durch umweltgerechte Bewirtschaftung und bedarfsgerechte Düngung sowie Schädlingsbekämpfung.

Der ökologische Landbau, der immer populärer wird, verzichtet freiwillig auf den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln und mineralischen Düngern. Auch muss das Futter der Tiere auf dem Hof selbst erwirtschaftet werden. Gekaufte Zufütterungen darf es nicht geben. Tierhaltung und Flächennutzung stehen in einem ausgewogenen Verhältnis und begründen einen fruchtbaren Kreislauf.

Sabine Kaufmann, Stand vom 24.08.2010
Sendung: Traktoren - Tuckernde Kultmobile, 24.08.2010

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Bildcollage zum Thema Anbaumethoden. (Rechte: SWR)

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